Kilchberg

Parkplätze in Kilchbergs Zentrum polarisieren

Greifbar nah scheint ein grösserer Coop samt Tiefgarage beim Bahnhof Kilchberg. Coop bekundet offensichtlich Interesse am Projekt. Knackpunkt dürfte die Frage nach der Anzahl oberirdischer Parkplätze sein.

Die Anzahl oberirdische Parkplätze bleibt gemäss Gestaltungsplan Bahnhofstrasse gleich, der Verkehr nicht mehr richtungsgetrennt geführt.

Die Anzahl oberirdische Parkplätze bleibt gemäss Gestaltungsplan Bahnhofstrasse gleich, der Verkehr nicht mehr richtungsgetrennt geführt. Bild: Archiv Sabine Rock

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Wie ist es zu schaffen, dass mehr Leben einzieht ins Kilchberger Zentrum beim Bahnhof? Braucht es dafür eine Flaniermeile? Oder mehr Parkplätze? Das ist die Frage, welche die Kilchberger in den kommenden Monaten beantworten müssen. Der Meinungsfindungsprozess dürfte von intensiven Diskussionen begleitet werden. Einen Vorgeschmack darauf gab es am Mittwochabend.

Der Gemeinderat hatte zur Infoveranstaltung Zentrumsentwicklung Bahnhof geladen. Vertreterinnen des Gemeinderats stellten, flankiert von einem Ortsplaner, Vertretern von Coop und Planern, den Gestaltungsplan Bahnhofstrasse vor. Dieser sieht zweierlei vor: dass anstelle der heutigen Scheune ein Gebäude mit einer zweistöckigen Coop-Filiale und 14 Kleinwohnungen mitsamt Tiefgarage entsteht, und dass die Bahnhofstrasse grundlegend saniert wird. Ersteres ist das Projekt von Coop, letzteres jenes der Gemeinde. Die Gemeinde würde Coop das Land im Baurecht abgeben.

Magnet fürs Kleingewerbe

Nahezu 250 Interessierte strömten am Mittwochabend in den Kilchberger Gemeindesaal. Das sind gut und gern viermal mehr als an einer durchschnittlich besuchten Gemeindeversammlung. Bauvorsteherin Judith Bellaiche (GLP), die den Abend moderierte, sprach von einem strategisch zentralen Projekt für Kilchberg, dennoch taxierte sie den Aufmarsch als überwältigend.

Mit dem Gestaltungsplan soll die planerische Grundlage geschaffen werden, damit auf dem Areal ein Grossverteiler angesiedelt werden kann, in dem Einkäufe für den täglichen Bedarf getätigt werden können. «Es ist erwiesen», sagte Judith Bellaiche, «dass ein Grossverteiler eine Magnetwirkung hat und das Kleingewerbe profitiert.» Eine grössere Coopfiliale solle helfen, die bestehenden Läden – eine Apotheke, eine Bäckerei und einen Käseladen – zu erhalten und neue anzulocken. «Wir hoffen, dass die Kilchberger künftig mehr in Kilchberg einkaufen werden», sagte Judith Bellaiche.

20 bis 25 Prozent mehr Verkehr

Tiefbauvorsteherin Tina Neuenschwander (FDP) erklärte, wie aus dem beengten Strassenraum das Maximum herausgeholt werden könnte: Neu würde die Bahnhofstrasse in der Mitte verlaufen und auf 6,5 Meter verbreitert. Die Niveauunterschiede und die Rabatte in der Mitte würden aufgehoben, der Verkehr nicht mehr richtungsgetrennt geführt. Die Anzahl oberirdische Parkplätze würde bei 39 belassen. Diese wären rechtwinklig zur Strasse angeordnet, damit sie von beiden Seiten angefahren werden können. Wer oberirdisch keinen Parkplatz findet, fährt vor dem ehemaligen Bahnhofsgebäude durch, wendet auf dem Kehrplatz und fährt in die Tiefgarage hinunter. Mit 20 bis 25 Prozent mehr Verkehr sei zu rechnen.

Tina Neuenschwander plädierte für die Gesamtlösung: «Die Dorfstrasse müssen wir so oder so sanieren.» Dies allein würde anderthalb Jahre dauern. Für die Gesamtlösung mit Coop und Tiefgarage wären mit 30 Monaten Bauzeit zu rechnen. «Mit dem Gesamtprojekt erhalten wir darüber hinaus einen neuen, wesentlich grösseren Coop.»

Begegnungszone mit Autos

Sie machte ferner keinen Hehl aus der Überzeugung des Gemeinderats, dass die Frequenz nur erhöht werden kann, wenn mehr Parkplätze geschaffen werden. «Wocheneinkäufe kann man nun einmal nicht ohne Auto machen», sagte die Tiefbauvorsteherin.

Genau dies sehen verschiedene Kilchberger anders. So hiess es etwa, mit einer Begegnungszone – wie der Souverän sie 2013 in den Verkehrsplan eingeschrieben hat – habe diese Planung nichts zu tun. «In dieser Begegnungszone scheint parkieren wichtiger als flanieren», hiess es etwa. Oder warum nicht einen Teil der öffentlichen Parkplätze in die Tiefgarage verlegen? «Die Mieter der Wohnungen brauchen doch keine Parkplätze, sie wohnen direkt neben dem Bahnhof», meinte jemand.

«Coop steht zu Kilchberg»

Eine Frage war auch, ob ein mehr als viermal grösserer Coop nötig sei. Der aktuelle hat eine Verkaufsfläche von 240 Quadratmetern, der neue wäre 1000 Quadratmeter gross. Marc Ellena, der bei Coop für die Verkaufsflächen in der Region Zürich zuständig ist, erklärte das Konzept für die neuen Coop-Filialen. Dieses sehe einen Schwerpunkt bei Frischprodukten und mehr Platz für die Kunden vor, damit Einkaufswagen besser kreuzen können. «Dafür braucht es eine Ladenfläche von 800 bis 1000 Quadratmetern.

Ellena machte darüber hinaus zwei Aussagen, welche die Kilchberger gerne gehört haben dürften: «Coop steht zu Kilchberg und möchte dableiben, ist aber dringend angewiesen auf ein neues Daheim.» Die jetzige Filiale sei jenseits von gut und böse. Zweitens signalisierte er Coops Bereitschaft, in Kilchberg eine Postagentur zu betreiben. Die Post habe aber noch nicht angefragt.

Die Kilchberger haben nun bis zum 13. März Zeit, Einwendungen zum Gestaltungsplan Bahnhofstrasse einzureichen. Dieser wird, wie auch der Baurechtsvertrag, der Gemeindeversammlung vorgelegt. Wenn alles nach Plan läuft, im Herbst. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 25.01.2018, 16:50 Uhr

Richtprojekt zum Privaten Gestaltungsplan Bahnhofstrasse

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