Bezirksgericht Horgen

Pädophiler zeigt im offenen Vollzug erneut auffälliges Verhalten

Ein bereits verurteilter Pädophiler hat sich im unbegleiteten Freigang wieder Kindern genähert. Der 61-Jährige behauptet, seine Neigungen mittlerweile im Griff zu haben. Dennoch droht ihm die Verwahrung.

Ein bereits verurteilter Pädophiler musste sich vor dem Bezirksgericht Horgen verantworten – er hatte sich wieder Kindern genähert. (Symbolbild)

Ein bereits verurteilter Pädophiler musste sich vor dem Bezirksgericht Horgen verantworten – er hatte sich wieder Kindern genähert. (Symbolbild) Bild: Archiv Dieter Seeger

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Alle glaubten daran, dass ein vor 20 Jahren verurteilter Pädophiler nochmals ein normales Leben ausserhalb von Gefängnismauern führen kann. Nun scheint es, als hätten sich alle geirrt. Vor dem Bezirksgericht Horgen musste sich der 61-jährige ehemalige Hochbauzeichner dafür verantworten, weil er im offenen Vollzug Grenzen überschritten haben soll.

Konkret werden dem zweifachen Vater, der keinen Kontakt mehr hat zu seinen Kindern, zwei Fehlverhalten vorgeworfen, die sich im Sommer 2017 abgespielt haben. Nach mittlerweile Tausenden von Therapiesitzungen und 18 Jahren in Haft oder stationärer Massnahme durfte er sich damals auch unbegleitet bewegen.

Freigang zur Badenfahrt

Der verurteilte Pädophile reiste am 19. August 2017 an die Badenfahrt. Da erblickte er einen Globi-Stand, der ihn nach eigener Aussage an seine Kindheit erinnerte. Er hielt sich ungefähr 20 Minuten an dem Stand auf und wurde dabei von einem Mitarbeiter des Amtes für Justizvollzug beobachtet. Obwohl der Beschuldigte kein richterliches Verbot hatte, sich in der Nähe von Kindern aufzuhalten, wurde ihm von Therapeuten immer wieder geraten, dass er dies unterlassen solle.

Ebenfalls an der Badenfahrt stiess der 61-Jährige mit einem zirka 12-jährigen Mädchen auf einem Trottinett zusammen, in dessen Folge sein Handy kaputt ging. Als er das Mädchen später zufällig wieder sah, forderte er die Nummer der Eltern, damit sein Schaden beglichen werde. Als sein Handy auf der Rückfahrt von Baden aber wieder funktioniert hat, warf er die Nummer weg.

Grenze überschritten

Aufgrund der beiden Vorfälle entschieden die Verantwortlichen, dass der offene Vollzug abgebrochen wird und der Beschuldigte zurück in Haft musste. Bei der Einweisung in die JVA Pöschwies fand man in seiner Hosentasche zudem eine in einem Plastikbeutel verpackte blonde Haarsträhne. Bereits bekannt war, dass der ehemalige Hochbauzeichner eine Vorliebe für blonde Haare hat. So verging er sich vor seiner Verurteilung in den 90er Jahren an Mädchen aus dem Bezirk Horgen, die zwischen drei und sechs Jahre alt waren und blondes Haar hatten.

Der Beschuldigte gab an, dass er die Haarsträhne einige Woche vor den Ereignissen an der Badenfahrt einer jungen Frau im Tram unbemerkt von hinten abgeschnitten habe. Die Haarsträhne benutzte er, um sich selber zu befriedigen. Dies habe er gemacht, weil ihm weder die Verantwortlichen in Haft, noch seine Therapeuten erlaubt hätten, sich für seinen Fetisch einen Ersatzgegenstand wie eine Perücke zuzulegen, wie er vor Gericht in Horgen sagte.

Staatsanwaltschaft fordert Verwahrung

Gleichzeitig sah der Angeklagte ein, dass er mit der Handlung im Tram eine Grenze überschritten hat. Er hoffe nun, dass er sein Verhalten in weiteren Therapiesitzungen aufarbeiten könne. Kein Verständnis hat er dafür, dass er wieder in Haft musste aufgrund der Vorfälle in Baden. Seine Pädophilie habe er im Griff, sagte er.

Dies sieht die Staatsanwaltschaft anders. Sie möchte, dass eine Verwahrung ausgesprochen wird, wie bereits 1999, die dann 2008 zugunsten einer stationären Behandlung aufgehoben wurde. Das Urteil wird im Frühling erwartet.






Erstellt: 12.11.2019, 17:12 Uhr

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