Wädenswil

Out of Wädenswil

Noch immer ist Andrew Bond dem Kongo verbunden, wo er als Kind vier Jahre gelebt hat. Mit seinem Verein unterstützt er die Schule, an der seine Eltern einst unterrichtet haben. Die Hilfe sei nötiger denn je.

Seit gut 20 Jahren unterstützt die Familie von Andrew Bond das Centre Evangélique de Coopération in Kimpese.

Seit gut 20 Jahren unterstützt die Familie von Andrew Bond das Centre Evangélique de Coopération in Kimpese. Bild: PD

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Wie daheim. So fühlt sich Andrew Bond in Kimpese. So vertraut sind dem bekannten Liedermacher aus Wädenswil die Geräusche und Gerüche in der Stadt im Westen der Demokratischen Republik Kongo. Dort hat er 1966 bis 1970 gelebt. Bond war einjährig, als seine Eltern ausgewandert sind. Sein Vater, Lehrer von Beruf, hat in Kimpese unterrichtet. Bonds waren dem Ruf am Centre Evangélique de Coopération, kurz Ceco, gefolgt. Herrschte doch nach der Unabhängigkeit von Belgien Lehrermangel im Kongo.

Das Haus, in dem die Familie Bond wohnte, steht noch. Bond war dort zu Gast. «Weil die Bewohner kein Geld haben, sieht das Haus noch genau gleich aus wie damals», sagt Bond. Die Körperlichkeit seiner Erinnerungen an das Leben seiner frühen Kindheit habe ihn selbst fasziniert. Er erwähnt die Gittertür, die das Haus vom Urwald trennt. «Ich stand vor dieser Tür und habe die Hand über meinen Kopf ausgestreckt, um den Türgriff herunterzudrücken. In meinem Körper war die Erinnerung des Fünfjährigen gespeichert», sagt Bond mit dem ihm eigenen verschmitzten Lachen.

Im Sommer war der Wädenswiler mit seiner Frau wieder einmal im Kongo, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Fotos: PD

3500 Schüler

Im letzten Sommer ist er nach mehreren Jahren zum ersten Mal wieder in seine afrikanische Heimat gereist. Denn Kimpese hat die Familie nie ganz losgelassen seit ihrer Rückkehr nach Europa. Seit gut 20 Jahren unterstützt sie das Ceco finanziell. «Ende der 1990er-Jahre, nach Jahren des Bürgerkriegs, war der Staat am Boden, die Schule am Rand des finanziellen Ruins.»

Die Hilfe aus Wädenswil war zuerst rein familiärer Art, hat sich dann aber ausgeweitet, unter anderem auf den Dritt-Welt-Verein. Als dieser aufgelöst wurde, wurde der Verein Freundeskreis Schule Kimpese gegründet. Es scheint fraglos gewesen zu sein, dass Andrew Bond das Präsidium übernimmt.

Ein Einblick in ein Schulzimmer in Kimpese.

«Ich musste wieder einmal hin, mir vor Ort ein Bild machen und die Leute sehen», sagt Bond. Diesen Sommer erlaubte die relative Stabilität im Land einen Besuch. Und wieder hat Bond erfahren, dass er sich in Kimpese zu Hause fühlt. «Anders als wenn ich nach Italien gehe, wo ich auch gern hingehe, mich aber fremd fühle.»

Unermüdliche Motivation

Was Bond und seine Frau Andrea, die ihn erstmals begleitet hat, gesehen haben, hat sie darin bestätigt, dass sich die Unterstützung aus Wädenswil lohnt. Und dass es sie weiterhin braucht. Sogar mehr denn je. Denn zwei Wochen bevor das neue Schuljahr gestartet ist, hat der Staat etwas beschlossen, das in der Schweiz selbstverständlich ist: dass Bildung gratis ist. Damit sind auf einen Schlag die Schulgelder weggefallen – rund ein Drittel des Budgets. «Um den Betrieb bis Dezember sicherzustellen, waren 5000 Franken nötig», sagt er. Hat der Freundeskreis Schule Kimpese in den letzten Jahren jährlich rund 100'000 Franken gespendet, bräuchte es diesmal das Siebenfache für alle nötigen Projekte.

Die Bedürfnisse des Ceco sind vergleichsweise simpel. Instand gestellte Schulzimmerdecken, Nähmaschinen für das Nähatelier, die Reparatur eines Lastwagens. «In zehn Tagen vor Ort hatten wir 66 Sitzungen und Besichtigungen», sagt Andrew Bond. Jede Abteilung habe Projekte ausgearbeitet und ihre Wünsche angebracht.

Andrew Bond hat die Beziehungen zu Kongo nie abreissen lassen.

Als dringendstes Projekt habe sich der Bau einer Mauer um den Campus herausgestellt. «Man stelle sich das vor. Ich baue doch keine Mauern. Ich bin ja nicht Trump», seufzt Bond. Aber er habe einsehen müssen, dass eine Mauer sinnvoll wäre. Denn die Schule sei zu klein, die Kinder gehen in zwei Schichten zur Schule. «Die nicht zur Schule gehen, toben oft auf dem Schulgelände herum. Dazu kommen der Lärm und der Staub der Strasse, die Fenster sind glaslos.»

Wichtig war es Bond aber vor allem auch, die Menschen persönlich zu treffen. «Mit dem einen Sekundarschulleiter habe ich schon als Kind gespielt», sagt er. Leider habe dieser einen Schlaganfall erlitten. Das Geld für die Heilungskosten habe er nicht. «Obwohl fast jede Familie solche persönlichen Schicksalsschläge erlebt und es ihnen an allen Ecken und Enden fehlt, arbeiten die Leute unermüdlich weiter und entwickeln Projekte für die Schule», sagt Andrew Bond. «Das gibt auch mir die Motivation, weiterzumachen.»

Erstellt: 29.11.2019, 21:43 Uhr

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