Thalwil

One-Woman-Pussy-Riot-Band in Sachen Poesie

Sie hat schon neun Bücher veröffentlicht und 50 Länder bereist. Musse zum Schreiben findet Susann Klossek an ihrem Rückzugsort Thalwil.

Ihr letztes Buch hiess «Pferde wetten nicht auf Menschen»: Susann Klossek.

Ihr letztes Buch hiess «Pferde wetten nicht auf Menschen»: Susann Klossek.

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Susann Klossek, im Brotberuf sind Sie Redaktorin einer Computerzeitschrift. Das ist etwas völlig anderes als Ihre künstlerische Tätigkeit. Sie schreiben Geschichten wie auch Gedichte und malen. Wie halten Sie dieses Spannungsfeld aus?
Hm (seufzt). Das ist nicht immer einfach, einerseits das Künstlerische auszuleben und andererseits Wirtschaft und IT zu integrieren. Diese Branche ist so straight — doch im Grunde ein guter Gegenpol zur Kunst.

Ihr letztes Buch «Pferde wetten nicht auf Menschen» bezeichnen Sie als Roadpoem, den Stil würde ich als lyrische Prosa bezeichnen. Welche Reisen beschreibt es?
Reisen in 36 Städte weltweit, die ich in den letzten zweieinhalb Jahren bereist habe.

Wie ist das möglich, Sie waren berufstätig und gleichzeitig in 36 Städten?
Ich war mit meinem vorherigen Buch auf Lesereise, so kamen einige Städte in der Schweiz und in Deutschland zusammen, dazu Städte aus Ferienreisen, zum Beispiel Marrakesch, Reykjavik oder Honolulu.

Woher kam die Inspiration zu Ihrem Buch «Desperate mousewife?»
Es ist ein fiktives Tagebuch einer Chefredaktorin eines IT-Magazins. Die Inspiration kam aus dem eigenen Job.

Was sagten die Kollegen?
Manche fanden es weniger lustig, andere nahmen’s mit Humor.

Als Frau in der IT-Szene, wie lebt es sich da?
Am Anfang hatte ich das Gefühl, ich müsse mich doppelt beweisen, aber mittlerweile fühle ich mich akzeptiert.

Ihr satirisches Talent erkennt man in Ihren Büchern. Sie waren Gag-Schreiberin für die Satiresendung «Giacobbo/Müller». Welchen Bereich haben Sie abgedeckt?
Den Wochenrückblick. Als ich mich gemeldet hatte, erwartete ich gar nicht, dass die reagieren, doch dann wurde ich als freie Autorin aufgenommen. Man bekam jeweils am Donnerstagabend die Themen und musste bis Samstagmorgen liefern.

Wie finden Sie die Sendung heute?
Die ist jetzt langsam am Ende. Sie hören ja ohnehin auf. Was die politische Satire betrifft, sind die Schweizer im Vergleich zu den Deutschen viel vorsichtiger. Die hiesigen Satiriker meinen, sie könnten dem Publikum nicht zuviel zumuten. Meine Freunde und Bekannten, die finden aber die bösen Satire-Sendungen aus Deutschland und Österreich toll.

Eine besondere Satiresendung aus Deutschland ist bei vielen gut angekommen, nicht aber bei Herrn Erdogan...
Ich persönlich fand Böhmermann noch nie wirklich gut, trotzdem finde ich richtig, dass er das gemacht hat. Bedauerlich ist, dass man den Beitrag nur auf einen Aspekt reduziert hat. Was mit Böhmermann gerade passiert ist furchtbar. Ich halte auch die Entscheidung von Angela Merkel für falsch, allerdings weiss ich nicht, wie ich selber entschieden hätte.

Die Journalisten kriegen bei Ihnen auch ihr Fett weg, Sie zitieren Mark Twain: «Journalisten sind Leute, die ein Leben lang darüber nachdenken, welchen Beruf sie eigentlich verfehlt haben.» Haben Sie Ihren Beruf verfehlt?
Ich bin gerne Journalistin, aber noch viel lieber Autorin.

Sollte man sich nicht für einen von beiden Berufen entscheiden?
Finde ich nicht. Schreiben ist meine Profession, da kommt es gar nicht darauf an, worüber man schreibt. Wenn ich einen technischen Artikel verfasse, ist das nicht so sexy, wie wenn ich ich mich lyrisch ausdrücke, aber ich schreibe auch viele Reportagen und Porträts.

Ihre Malerei stellen Sie auch aus, warum ist die Öffentlichkeit so wichtig für Sie?
Irgendwann will ich auch ein Feedback haben und wissen, ob die Leute das mögen. Beim Malen probiere ich vieles aus, derzeit zeichne ich Tuschebilder. Ich probiere vieles aus — in diversen Bereichen.

Sie betreiben auch einen Blog, «Nachrichten aus dem beschädigten Ich», warum?
Weil’s mir Spass macht und mit wenig Aufwand verbunden ist. Ich erzähle, was mir bei Ärzten oder bei den SBB passiert ist. Die Leute finden das lustig.

Die Resonanz ist bescheiden...
Es sind 500 000 Zugriffe das ist global gesehen nicht viel, für mich persönlich schon, wenn man bedenkt, dass ich dafür keine Werbung mache.

Sie haben auch noch eine Barfachschule absolviert.
(lacht). Ich habe immer Fernweh und mit zwei Freunden überlegt, eine Strandbar in einem Land zu eröffnen, wo es warm ist. Das bleibt wohl ein Traum.

Die Thalwiler Kulturszene kennen Sie auch, Sie haben schon an den Thalwiler Kulturtagen teilgenommen.
Vor Jahren hab ich mal in einer Jury mitgewirkt und eine Lesung gehalten. Was hier kulturell los ist, das schätze ich, von mir aus könnte es ein bisschen mehr sein, etwas aufmüpfiger vielleicht. Doch in Konkurrenz zu Zürich, wo enorm viel los ist, ist es schwierig.

Wann haben Sie das letzte Mal in Thalwil eine kulturelle Veranstaltung besucht?
Das ist schon länger her, dieses Jahr nicht, ich war zu beschäftigt mit meinem neuen Buch, so dass ich für nichts anderes Zeit hatte.

Fühlen Sie sich in Thalwil zuhause?
Thalwil ist mein Rückzugsort. Ich habe gerne Ruhe. Weil ich hier schreiben und malen kann, ist Thalwil der ideale Platz für mich. Nicht zu vergessen; der See, wo man mich den ganzen Sommer über in der Badi antreffen kann. ()

Erstellt: 03.06.2016, 15:58 Uhr

Buchauszug

Aus «Pferde wetten nicht auf Menschen»

New York die Unkaputtbare
crispy Himmel überm Washington Square im klaren Licht kommen Träume angeritten
greifbar real
als seist du endlich an einem Ziel
das du gar nicht angesteuert hattest
du verfehlst sie, knapp, klar
sie galoppieren vorbei
ein Stück Hoffnung mit sich reissend
weil du unentschlossen warst
gezögert hast.

Zur Person

Schreibende Malerin

Susann Klossek wurde 1966 in Leipzig geboren. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Wirtschaftskauffrau, studierte Germanistik und Slawistik an der Universität Leipzig. Im Zuge der Wende siedelte sie 1990 nach Thalwil und war als Malerin tätig, später wechselte sie in den Journalismus. (gs)

Weitere Infos: www.susann-klossek.ch

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