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«Ohne Bänke klingt die Kirche wie eine Tropfsteinhöhle»

Einige Bänke in der reformierten Kirche müssen für ein Jahr entfernt werden. Das schafft Platz für Aktivitäten. Eine IG will diese Sitzreihen nun dauerhaft weglassen. Am Mittwoch wurden an einem Podium die Vor- und Nachteile diskutiert.

Wie soll das Innere der Wädenswiler Grubenmann-Kirche in Zukunft aussehen? Darüber wurde am Mittwoch an eben diesem Ort diskutiert.
Wie soll das Innere der Wädenswiler Grubenmann-Kirche in Zukunft aussehen? Darüber wurde am Mittwoch an eben diesem Ort diskutiert.
Sabine Rock

Seit 250 Jahren steht die reformierte Grubenmann-Kirche im Dorfzentrum von Wädenswil. Und seit 250 Jahren werden darin Psalmen gesungen und im Stillen gebetet. Nun sollen Bänke raus und Leben rein. Dies fordert zumindest die IG Frei-Raum Kirche, welcher bereits 70 Mitglieder angehören. Sie will die Grubenmann-Kirche modernisieren.

Für ein Jahr bleiben die Bänke seeseits des Gebäudes aus der Kirche draussen. Es fanden bereits diverse Anlässe wie eine Ballnacht, Spiele mit Kindern oder spirituelle Tänze statt. Die IG will die Bänke nun dauerhaft entfernt haben, um in der Kirche auch künftig mehr Platz für Aktivitäten zu schaffen. Doch was muss beachtet werden? Wie soll sich die Kirche verändern und was soll bewahrt bleiben? Mit diesen Fragen wendete sich die IG am Mittwochabend an die Wädenswiler. An einer Podiumsveranstaltung in der reformierten Kirche diskutierten Vertreter aus Religion und Kultur mit den Besuchern unter dem Motto «Lebendige Kirche oder Museum?».

«Ramba-Zamba-Kirche»

Historikerin Mariska Beirne moderierte den Abend. Sie wollte von den Gästen wissen, ob bei Aktivitäten wie tanzen, essen oder spielen das heilige Gebäude nicht zu einer «Ramba-Zamba-Kirche» verkomme. Der Wädenswiler Pfarrer Ernst Hörler entgegnete, dass sie die Aktivitäten nicht auf diese Weise weiterführen würden. «Wir wissen noch nicht, welche Tätigkeiten künftig stattfinden könnten. Für mich müssten sie aber mit dem Evangelium zusammenhängen.» Der freie Platz biete jedoch Inspiration für neue Ideen, die auch Wädenswiler Bürger einbringen könnten, sagte er.

Liv Kägi, Pfarrerin in der Stadt Zürich, meinte: «Die Idee einer Kirche ist es, dass man ihre Türen offen lässt für eine pluralistische Gesellschaft.» So solle es möglich sein, darin zu beten und anderen Beschäftigungen nachzugehen. Auch Stimmen aus dem Publikum sprachen sich für mehr Platz in der Kirche aus. Eine Wädenswilerin sagte: «Mit dem leeren Raum können neue Leute angesprochen werden. Auch für Junge könnte die Kirche so attraktiver werden.» Ein Herr aus dem Publikum ergänzte: «Der ständig wandelnden Gesellschaft kann man mit mehr Freiraum entgegenkommen.»

Skepsis äusserte Heinrich Brändli von der Kirchenpflege in Kloten. «Eine Kirche ist für die Nutzung gewisser Anlässe unbrauchbar.» Vor allem die Akustik sei je nach Konzert schlecht. «Ohne Bänke klingt die Kirche wie eine Tropfsteinhöhle,» sagte er. Auch andere bauliche Massnahmen wie Bodenheizung oder eine sinnvolle energetische Bilanz müssten berücksichtigt werden. «Zudem braucht man ein Eventkonzept. Sonst könnte es Probleme mit dem Denkmalschutz geben», ergänzte Brändli.

«Charakter nicht zerstören»

Auch Musiker Andrew Bond war an der Diskussion beteiligt. Was die Akustik betraf, gab er Heinrich Brändli recht: «In grossen Kirchen wie Horgen oder Wädenswil ist ein Konzert schwierig.» Andererseits sei das Gebäude riesig und ein öffentlicher Raum. «Am Ende sollen jene entscheiden, die regelmässig in die Kirche gehen», sagte Bond.

Einer der Mitgründer der IG, Jürg Boos, fasste seine Erkenntnisse am Schluss kurz zusammen: «Die Kirche soll Inspiration für neue Ideen schaffen, ihre Anliegen an die Bevölkerung anpassen und den Menschen nahe sein. Hingegen dürfe das Evangelium nicht aus dem Zentrum gerückt oder der Charakter der Kirche zerstören werden.» Beachtenswert sei auch, was es an Baulichem und bei der Denkmalpflege zu beachten gelte und dass keine Schnellschüsse gezogen werden dürften, sagte er.

Daniela Stalder hat die IG mit Jürg Boos zusammen gegründet und verkündete ihre nächsten Schritte: «Wir sind überzeugt, dass wir mit unserer Idee bei der Bevölkerung gut angekommen sind. Wir werden deshalb im Dezember eine Petition bei der Kirchenpflege einreichen, mit der Aufforderung, den Freiraum beizubehalten.»

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