Kilchberg

Notfallpatienten können künftig nach Kilchberg ins See-Spital

Am Standort Kilchberg eröffnet das See-Spital nächstes Jahr die erste Walk-in-Praxis im Bezirk Horgen. Patienten mit kleineren Verletzungen und leichten Krankheiten finden dort schnelle ärztliche Hilfe ohne Voranmeldung.

Sie lancieren am Standort Kilchberg des See-Spitals ein ambulantes Behandlungszentrum: Stiftungsratspräsident Lorenzo Marazzotta, Viviane von Orelli, Leitende Ärztin, und Alexander Turk, Chefarzt (von links).

Sie lancieren am Standort Kilchberg des See-Spitals ein ambulantes Behandlungszentrum: Stiftungsratspräsident Lorenzo Marazzotta, Viviane von Orelli, Leitende Ärztin, und Alexander Turk, Chefarzt (von links). Bild: Sabine Rock

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Die Notfallstation des See-Spitals in Horgen suchen oft Patienten auf, denen der Hausarzt helfen könnte. Zum Beispiel der Fussballspieler, dem ein Gegner gegen das Schienbein getreten ist. Oder die Frau, die einen hartnäckigen Husten plagt.

Viele Personen haben keinen Hausarzt oder sie wollen nicht auf einen Termin warten. Um die Notfallstation zu entlasten, schafft das See-Spital am Standort Kilchberg ein neues Angebot, eine Walk-in-Praxis. Wie der Name sagt, können Patienten vorbeikommen, ohne sich vorher anzumelden. Die Notfallpraxis richtet die Öffnungszeiten auf die Bedürfnisse der Patienten aus. Es handelt sich zwar nicht um einen 24-Stunden-Betrieb und auch am Wochenende ist die Praxis vorerst geschlossen. Wer sich aber beispielsweise beim Frühstück das kochende Teewasser über die Hand schüttet oder den ganzen Tag unter Bauchschmerzen leidet, kann vor oder nach der Arbeit das ambulante Zentrum aufsuchen.

Röntgen und Labors nutzen

«Die Walk-in-Praxis soll eine Lücke füllen», sagt Viviane von Orelli. Die Leitende Ärztin Innere Medizin und Psychosomatische Medizin am See-Spital baut das Behandlungszentrum auf und wird es leiten. Jeweils eine Kaderärztin und ein Assistenzarzt sind anwesend. Ergänzt wird das Team durch eine medizinische Praxisassistentin. Für Röntgenaufnahmen und Laboruntersuchungen können sie die Infrastruktur im Spital nutzen.

Ein Arzt oder eine Ärztin versorge die Patienten rasch und unkompliziert, sagt Viviane von Orelli: «Ziel sei es, dass sie eine Stunde nach Eintritt behandelt sind und die Praxis wieder verlassen können».

Für das See-Spital gibt es nebst dem Druck auf die Notfallstation in Horgen weitere Gründe, das neue Angebot aufzubauen. Die Bevölkerung im Bezirk Horgen und namentlich in Adliswil habe in den letzten Jahren stark zugenommen, sagt der Stiftungsratspräsident des See-Spitals, Lorenzo Marazzotta. Viele der Neuzuzüger kämen aus Ländern, die das Hausarztsystem nicht kennen. Sie fahren bei gesundheitlichen Problemen direkt ins See-Spital in Kilchberg. Das Belegarztspital betreibt jedoch keine Notfallstation. Heute nehmen sich die Anästhesieärzte diesen Notfallpatienten an und vermitteln sie an Belegärzte, die am See-Spital eine eigene Praxis führen.

Kosten sparen

«Man weiss sich jetzt noch zu helfen», sagt Lorenzo Marazzotta. Es bestehe aber ein grosses Bedürfnis nach dem ambulanten Behandlungszentrum. Ziel sei es, die Walk-in-Praxis vor den Sommerferien nächstes Jahres zu eröffnen.

Für das Spital soll sich die Walk-in-Praxis nicht zuletzt auch finanziell auszahlen. Denn ein Patient, der die Notfallpraxis in Kilchberg aufsucht, verursacht rund zehn Prozent weniger Kosten, als wenn er in die Notfallstation nach Horgen fährt.

Der Stiftungsratspräsident betont, dass die neue Praxis in Kilchberg die Hausärzte nicht verdränge, sondern ihr Angebot ergänze. Das See-Spital werde mit den Hausärztinnen und Hausärzten zusammenarbeiten und sie entlasten, zum Beispiel bei Ferienabwesenheiten oder um den Notfalldienst sicherzustellen. Viviane von Orelli sagt: «Diese Zusammenarbeit mit den Hausärzten möchten wir jetzt aufbauen.»

Die Walk-in-Praxis könnte nicht zuletzt auch eine Antwort auf den sich zuspitzenden Hausärztemangel sein. Dies, weil es flexible Arbeitszeiten und Teilzeitpensen bieten könne. Diese Arbeitsmodelle seien besonders bei Ärztinnen gefragt, die heute die Mehrheit der neu ausgebildeten Mediziner ausmachen. Organisatorisch gehört die Leiterin der Notfallpraxis zum internistischen Ärzteteam des See-Spitals unter der Leitung von Chefarzt Alexander Turk. Die Assistenzärzte des See-Spitals könnten nun auch Erfahrungen in einer ambulanten Praxis sammeln und die Hausarztmedizin kennen lernen, sagt Viviane von Orelli.

Hausärzte entlasten

Als Konkurrenz zu den Hausärzten sieht sich die Notfallpraxis nicht. «Wir pflegen die gute Zusammenarbeit mit den Hausärzten und wollen das Grundversorger-Netzwerk am linken Zürichsee stärken», sagt die Ärztliche Leiterin. Für die Hausärzte biete die Notfallpraxis Vorteile. Sie bietet ihnen Ferienvertretungen an oder übernehme Patienten, welche die Ärzte nicht mehr aufnehmen könnten.

Ob die Ärzte in der Region davon Gebrauch machen, ist noch unklar. Wie sie auf die Walk-in-Praxis reagieren, würden sie in den nächsten Wochen untereinander besprechen, sagt die Präsidentin des Ärztevereins Sihltal, Andrea Görg.

Erstellt: 25.10.2017, 17:25 Uhr

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