Sihltal

Neues Warnsystem alarmiert Autofahrer vor Wildtieren

Herkömmliche Massnahmen, um Wildtiere von Strassen fernzuhalten, zeigen zu wenig Wirkung. Besserung soll ein System bringen, das die Autofahrer statt die Tiere vor der Gefahr warnt. Gerade im Sihltal könnte es schwere Schäden verhindern.

Auf einem rund 500 Meter langen Abschnitt der Sihltalstrasse – zwischen Sihlwald und Sihlbrugg – kommt das neue System zum Einsatz.

Auf einem rund 500 Meter langen Abschnitt der Sihltalstrasse – zwischen Sihlwald und Sihlbrugg – kommt das neue System zum Einsatz. Bild: Manuela Matt

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Eine Autofahrt durch die Nacht. Vorne wird die Strasse vom Lichtkegel der Scheinwerfer ausgeleuchtet. Links und rechts aber ist es zappenduster. Nur die weiss-schwarzen Pfosten ziehen in kurzen Abständen im Blickwinkel vorbei. Und plötzlich: ein Schatten, ein Knall – ein totes Reh.

Schon manch ein Autofahrer hat eine solche Situation erlebt. Gerade im Sihltal kommt es besonders häufig vor, dass Wildtiere angefahren werden und sterben. Laut Hans Gantenbein von der Jagdgesellschaft Langnau waren es in den letzten fünf Jahren durchschnittlich acht Rehe und acht Füchse. Auch Unfälle mit Rothirschen, die sich im Sihlwald ausbreiten und bis zu 150 Kilogramm schwer werden, kommen vor. Im Schnitt einmal pro Jahr. Ein Totalschaden am Fahrzeug ist in solchen Fällen sehr wahrscheinlich.

Statistisch nicht erfasst werden natürlich jene Wildunfälle, die nicht gemeldet werden. «Oft sind die Tiere nicht sofort tot und verenden dann elendiglich irgendwo im Wald», sagt Hans Gantenbein.

Gefährliche Gewohnheit

Über den ganzen Kanton gesehen, ereigneten sich im Jahr 2017 rund 4500 Wildtierunfälle. Dass diese Zahl so hoch ist, hat auch damit zu tun, dass bisherige Präventionsmassnahmen, die die Tiere mit Licht-, Ton- oder Geruchssignalen von der Strasse fernhalten sollen, oft nur mässigen Erfolg zeigen. «Das Problem ist, dass sich die Tiere an die Signale gewöhnen», sagt Martina Reifler-Bächtiger von der Forschungsgruppe Wildtiermanagement der ZHAW in Wädenswil. Statt die Tiere vor der möglichen Gefahr zu warnen, sei es besser, die Verkehrsteilnehmer auf Wildtiere in Strassennähe aufmerksam zu machen. Studien hätten gezeigt, dass solche Systeme effektiver seien.

Die neue Wildwarnanlage besteht aus kleinen Geräten mit Warn­lichtern, die wie hier an Randleitpfosten montiert werden. Foto: PD / AniMot

Genau ein solches System will die ZHAW nun in Zusammenarbeit mit dem Kanton an vier Standorten testen: im Sihltal, in Nürensdorf, in Wil und in Truttikon. Nächste Woche werden deshalb an Randleitpfosten an der Sihltalstrasse spezielle kleine Geräte montiert. Dies auf einem rund 500 Meter langen Abschnitt zwischen Sihlwald und Sihlbrugg. Die von einem österreichischen Start-up entwickelten Module erkennen mittels Bewegungs- und Wärmesensoren Wildtiere, die sich der Strasse auf weniger als 30 Meter nähern. Orange Blinklichter, die ebenfalls an den Pfosten montiert werden, machen die Verkehrsteilnehmer auf die Gefahr aufmerksam. An der entsprechenden Stelle leuchten dann je drei Lichter auf beiden Strassenseiten auf. Das kantonale Tiefbauamt installiert zudem Signalisationstafeln, die mit der Aufschrift «Elektronische Wildwarnanlage» auf die Teststrecken hinweisen.

58 Euro pro Stück

Zwei Jahre lang soll das System nun getestet werden. «Wir wollen dabei herausfinden, wie sich unterschiedliche Vegetationstypen, die Grösse der Tierart und die Distanz der Tiere zum Gerät auf die Erfassungszuverlässigkeit auswirken», sagt Martina Reifler-Bächtiger. Zudem werde in punktuellen Kontrollen untersucht, ob und wie stark die Autofahrer abbremsen, wenn die Warnlichter am Strassenrand aufblinken.

Das System sei verhältnismässig günstig, sagt die Forscherin der ZHAW. Ein einzelnes Gerät koste derzeit 58 Euro. Auch biete es sich an, weil es durch die zuständigen Jagdgesellschaften selber unterhalten werden kann.

Wenn sich die neuartige Wildtierwarnanlage in der zweijährigen Testphase bewährt, dürften die herkömmlichen Warnanlagen im Kanton Zürich ersetzt werden.

Erstellt: 04.03.2019, 20:51 Uhr

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