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Neuer und teurerer Notfalldienst erhält Zustimmung im Bezirk

Lange hing der Zürcher Notfalldienst in der Schwebe. Die Ärzte schlugen Alarm, es brauche mehr Geld. Die Gemeinden weigerten sich . Dann griff der Kanton ein. Das Ergebnis: ein Kompromiss. Reaktionen von Verantwortlichen rund um den See.

Zufrieden mit dem Kompromiss: Die neue Lösung für den Notfalldienst stösst in der Region auf Anklang.
Zufrieden mit dem Kompromiss: Die neue Lösung für den Notfalldienst stösst in der Region auf Anklang.
Symbolbild, Keystone

Immer weniger Hausärzte leisten Notfalldienst. Die Ärztegesellschaft Zürich (AGZ) warnte im vergangenen Herbst, dass der Notfalldienst langfristig nicht mehr gewährleistet werden könne. Die AGZ forderte massiv mehr Geld, diesen Forderungen wollten die Gemeinden nicht nachkommen. Der Kanton griff schlichtend ein und strebt aktuell eine einheitliche Lösung an, die sowohl den Ansprüchen der Ärzte wie auch den finanziellen Bedenken der Gemeinden gerecht werden soll.

Auf 2018 soll die neue Regelung im Gesundheitsgesetz verankert werden. Neu wird es dann kantonsweit dieselbe Notfall-Nummer geben, die von der Ärztegesellschaft Zürich (AGZ) betrieben wird. Der 24-Stunden-Notfallservice mit Betreuung am Telefon, Weitervermittlung und Hausbesuchen durch die SOS-Ärzte kostet künftig 5 Franken pro Einwohner jährlich. Gemeinde und Kanton teilen sich die Kosten hälftig.

Ärztefon aus dem Spiel

Im Bezirk Meilen pokerten die Ärzte bereits seit Bekanntgabe der prekären Notfalldienst-Situation auf eine Einigung von Kanton und AGZ. Darauf lassen die Aussagen des Meilemer Arztes Klaus Ferdinand schliessen, der zugleich auch Vorsitzender der Gesellschaft der Ärztinnen und Ärzte am Zürichsee ist. Er befürwortet, dass man sich für eine Zusammenarbeit mit der AGZ entschieden hat, schreibt er in einer Stellungnahme. Wird die Neuregelung durchkommen, kann im Bezirk Meilen die Zusammenarbeit nahtlos fortgeführt werden.

«Durch die geplante Monopolstellung der AGZ im Kanton Zürich fällt der Wettbewerb ganz weg.»

Philipp Kutter, Vorsitzender der Gemeindepräsidentenkonferenz

Etwas komplizierter war die Ausgangslage auf der linken Seeseite. Dort arbeiteten bisher die Sihltal-Gemeinden Langnau und Adliswil mit der AGZ-Konkurrenz, dem Ärztefon, zusammen. Die anderen zehn Gemeinden des Bezirks Horgen waren bereits AGZ-Kunden. Als die AGZ mehr Geld verlangte, trugen sich die Gemeinden mit dem Gedanken zum günstigeren Ärztefon zu wechseln. Hausärzte vom linken Seeufer kritisierten diesen angestrebten Wechsel.

Monopolstellung der AGZ

Die Gespräche mit dem Ärztefon liefen, bis der Kanton verkündete, es solle eine kantonsweite Einigung mit der AGZ gefunden werden. Damit war das Ärztefon aus dem Spiel. «Es wäre nicht sinnvoll gewesen, parallel zu verhandeln», sagt Philipp Kutter (CVP), Vorsitzender der Gemeindepräsidentenkonferenz.

Kutter begrüsst die Einigung von Kanton, Gemeinden und AGZ, nur einen Nachteil sieht er: «Durch die geplante Monopolstellung der AGZ im Kanton Zürich fällt der Wettbewerb ganz weg.» Bisher habe es dank Ärztefon eine Konkurrenzsituation gegeben, was sich positiv auf die Preise ausgewirkt habe. «So kam Bewegung in die Sache. Heute liegt die kantonale Lösung für die Hälfte der ursprünglich geforderten 10 Franken auf dem Tisch. Ohne Konkurrenzofferte des Ärztefons wären wir sicher nicht hier gelandet.»

Die kantonale Neuregelung ist im Endeffekt immer noch teurer als die Zusammenarbeit mit dem Ärztefon. Dennoch steht Kutter ihr positiv gegenüber: «Sie bringt wesentliche Vorteile für Patienten und Hausärzte.» Das Ärztefon wäre zwar günstiger, könne aber nicht dieselben Leistungen erbringen und vor allem nicht im ganzen Kanton.

Alle müssen zurückstecken

Nicht nur die Gemeinden mussten in ihrem Sparwillen zurückkrebsen. Auch die Ärztegesellschaft musste zurückstecken. «Es fallen zukunftsorientierte Aspekte wie die Qualitätssicherung und Versorgungsforschung weg», sagt Josef Widler, der Präsident der AGZ. Doch, bilanziert Widler, man habe sich auf diesen Betrag geeinigt, um die Gemeinden an Bord zu haben. Nun ist also ein Mittelweg mit Konsenswirkung auf dem Weg zur Verankerung im Gesundheitsgesetz.

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