Adliswil

Neue Vorwürfe gegen Adliswiler Schulpflege

Die Adliswiler Schule kommt nicht zur Ruhe. Nach Zerwürfnissen an der Schule Zopf bringen Parlamentarier weitere Kritikpunkte aufs Tapet. Die Sonderpädagogin sei oft nicht erreichbar; der schulpsychologische Dienst unterbesetzt. Die RGPK übernimmt die Oberaufsicht bei der Schule Zopf.

Nach den Zerwürfnissen an der Adliswiler Schule Zopf steht die Schulpflege erneut in der Kritik. Die Leiterin der Sonderpädagogik sei nicht an allen Tagen erreichbar, da sie noch Aufgaben im Ausland nachgehe.

Nach den Zerwürfnissen an der Adliswiler Schule Zopf steht die Schulpflege erneut in der Kritik. Die Leiterin der Sonderpädagogik sei nicht an allen Tagen erreichbar, da sie noch Aufgaben im Ausland nachgehe. Bild: Patrick Gutenberg

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Die Ereignisse an der Schule Zopf in Adliswil überschlagen sich seit Ende November. Wegen nicht näher definierten «unterschiedlichen Auffassungen» haben die beiden Co-Schulleiterinnen überhastet den Hut genommen. Die Eltern zeigten sich besorgt über den Abgang. Sie verlangten Erklärungen und haben aus Mangel solcher jetzt beim Bezirksrat eine Beschwerde eingereicht.

Die Rechnungs- und Geschäftsprüfungskommission (RGPK) hat sich inzwischen eingeschaltet. «In ihrer Funktion der Oberaufsicht hat sich die RGPK den Ereignissen angenommen», liess Markus Bürgi (FDP), Präsident der RGPK, am Mittwoch vor versammeltem Rat verkünden. Er bitte um Geduld zur sorgfältigen Prüfung der jüngsten Entwicklungen an der Schule Zopf. Ob damit — und dank der neu ernannten, erfahrenen Schulleiterin — wieder Ruhe im Departement von Schulpräsident Raphael Egli (CVP) einkehrt, ist noch ungewiss. Denn schon sind wieder neue Kritikpunkte laut geworden.

Schulpädagogik in Kritik

Gemeinderat Hanspeter Clesle (EVP) richtete den Fokus der Kritik auf ein neues Feld: die Sonderpädagogik an der Schule Adliswil. «Die Leiterin der Sonderpädagogik ist zu 100 Prozent bei der Stadt Adliswil angestellt, zugleich geht sie Tätigkeiten in ihrem Heimatland Deutschland nach. Deshalb ist sie jeweils nur schwer erreichbar», gab Clesle wieder, was ihm von diversen Seiten zugetragen worden sei — sowohl von der Lehrerschaft wie auch von Eltern. Es sei häufig vorgekommen, dass Anfragen unbeantwortet liegen geblieben seien.

«Die Leiterin der Sonderpädagogik ist zu 100 Prozent bei der Stadt angestellt, zugleich geht sie Tätigkeiten in Deutschland nach.Gemeinderat Hanspeter Clesle (EVP)

Die Antwort des Schulpräsidenten lautete, dass die Ausübung einer Nebenbeschäftigung zulässig sei, sofern sie die Hauptbeschäftigung nicht beeinträchtige — zitierte Egli das Personalstatut. «Dies ist in diesem Fall gegeben.» Die Nebenbeschäftigung im Umfang von 20 Prozent habe Petra Fränzen, die Leiterin der Sonderpädagogik, von Anfang an deklariert. Sie erfülle dieses Pensum an Randzeiten und am Wochenende, sagte der Schulpräsident und fügte hinzu: «Ihr Engagement für die Stadt Adliswil wird dadurch nicht geschmälert.»

Clesle fragte sich im Nachgang an die Antworten des Schulpräsidenten, weshalb Adliswil sich überhaupt darauf eingelassen habe, jemanden in einer leitenden Position einzustellen, der zusätzliche Verpflichtungen wahrnehme und obendrein in einem anderen Land wohne. Fränzen ist einem sonderpädagogischen Förderverein in Deutschland weiterhin verbunden geblieben. Auch ihr Erstwohnsitz befindet sich nach wie vor in Deutschland, ist auf «Baden online» zu lesen. Obendrein engagiert sie sich als Projektmanagerin bei einer Stiftung in Deutschland für ein besseres Schulwesen.

Schulpsychologie unbesetzt

Der Reigen der Kritikpunkte setzte Marianne Oswald (Grüne) an der letztwöchigen Ratssitzung fort. Sie fasste den schulpsychologischen Dienst ins Auge. «Letzten Herbst haben beide Schulpsychologinnen der Stadt Adliswil gekündigt. Gerüchte und Vermutungen machten gleich die Runde», schickte sie voraus und fragte den Stadtrat, ob inzwischen beide Stellen wieder besetzt werden konnten. Die Infos im Internet diesbezüglich seien widersprüchlich. «Eine Stelle ist auf der Webseite der Stadt immer noch ausgeschrieben, aber nicht auf derjenigen der Zürcher Schulpsychologen, wo solche Stellen üblicherweise ausgeschrieben sind.» Oswald fragte, ob trotz der Vakanzen allen Pflichten jederzeit nachgekommen werden konnte.

Dies beteuerte Egli in der Folge. «Der schulpsychologische Dienst war kontinuierlich besetzt.» Er wies darauf hin, dass die Schulpsychologinnen ihre Stellen erst Ende Dezember, respektive Ende Januar verlassen haben. Eine Stelle konnte auf den 20. Februar wieder besetzt werden, die andere ist aktuell noch vakant. Dass eine Doktorandin seit einem halben Jahr beim schulpsychologischen Dienst mitarbeite, gewährleiste, dass die Pflichten erfüllt werden können — wenn auch «mit einer tolerablen Zeitverspätung», hielt Egli fest.

Mehr Transparenz gefordert

Zudem gerät die Schulpflege durch ein neues Postulat weiter unter Druck. Drei SP-Parlamentarier fordern mit ihrem Vorstoss vom 7. Februar mehr Transparenz. Eine Zusammenstellung der Beschlüsse der Schulpflege sollen den Gemeinderäten nach den Sitzungen vorgelegt werden — wie dies bereits der Stadtrat praktiziere. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 12.02.2018, 17:14 Uhr

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