Schönenberg

Neonazitreffen beschäftigt ein Dorf

Das Neonazi-Konzert vom 1. August wirft über Schönenberg hinaus hohe Wellen. Viele Dorfbewohner sind empört. Der Besitzer des Grundstückes, auf dem das Treffen stattfand, will vom rechtsradikalen Hintergrund nichts gewusst haben. Die Gemeinde stellt ihn zur Rede.

: Rund hundert Personen haben vor einer Woche in Schönenberg am Konzert «Rock fürs Vaterland» teilgenommen.

: Rund hundert Personen haben vor einer Woche in Schönenberg am Konzert «Rock fürs Vaterland» teilgenommen. Bild: Symbolbild/Keystone

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Rund hundert Personen haben vor einer Woche in Schönenberg am Konzert «Rock fürs Vaterland» teilgenommen. Es waren Bands angekündigt, die der rechtsradikalen Szene zugeordnet werden. Die Polizei erfuhr erst am Tag selber vom Ort der Veranstaltung, über den schon längere Zeit spekuliert worden war. In Schönenberg ist der Aufmarsch der Rechtsradikalen auch eine Woche später noch im Gespräch. Öl ins Feuer giessen dieser Tage anonyme «antifaschistische Aktivisten aus dem Raum Zürich» mit einem Flugblatt. Sie teilen der Dorfbevölkerung mit, sie soll die Veranstaltung als «Weckruf» betrachten. Es gebe offenbar Personen im Dorf, die einen solchen Anlass nicht nur tolerierten, sondern ihn auch ermöglichten und das Gedankengut teilten, heisst es.

«Ich war überrascht»

Wer den Neonazianlass ermöglichte, ist in Schönenberg bekannt. Der Chef einer Schönenberger Firma bestätigt, dass das Rockkonzert auf dem Firmengelände durchgeführt worden sei. Verbindungen zur Neonaziszene weist er aber von sich. «Ein Ex-Mitarbeiter hat mich angefragt, ob er bei mir ein Zelt aufstellen darf», erzählt er. Er habe sich nichts gedacht und zugesagt, erklärt der Schönenberger. «Als sie das Zelt aufgestellt hatten, war ich überrascht, wie viele Leute kamen.» Die Besucher habe er auch «nicht so toll» gefunden. Doch zu diesem Zeitpunkt habe er nicht mehr absagen können. Wie das Ganze dann abgelaufen ist, sei zufriedenstellend, sagt der Firmenchef. «Alles war friedlich, sie haben aufgeräumt. Für mich ist das Thema abgehakt.» Genau die Einstellung also, welche die «antifaschistischen Aktivisten» anprangern. Sie stören sich an der Duldung des Konzerts. Das Konzert habe im Dorf für viel Gesprächsstoff gesorgt, sagt eine Schönenbergerin. Für viele Bürger sei es unverständlich, dass die Zusammenkunft der Neonazis ermöglicht wurde. Ein Anwohner bedauert: «Die negativen Schlagzeilen schaden dem Ruf unserer Gemeinde.» Für die Aussage des Grundstückbesitzers, er habe nicht gewusst, um was für eine Veranstaltung es sich handle, hat er kein Verständnis. «Ich veranstalte ja auch nicht ein Fest, ohne zu wissen, wer meine Gäste sind.»

Unbewilligter Anlass

Die Polizei habe die Feier nicht verhindern können, sagt Werner Schaub, Sprecher der Kantonspolizei Zürich. Es gebe dazu keine rechtliche Grundlage, da sie auf privatem Grundstück stattgefunden habe. Aus diesem Grund war die Polizei auch nicht an der rechtsradikalen Feier anwesend. Sie hätte auf das private Gelände gehen können, wenn eine Anzeige eingegangen oder eine Straftat begangen worden wäre. Allerdings handelte es sich um einen unbewilligten Anlass. Die Gemeinde Schönenberg könnte deswegen noch Anzeige erstatten. Ob sie dies mache, sei noch in Abklärung, sagt Gemeindepräsident Lukas Matt (FDP). Bisher gibt es für den Veranstalter also noch keine rechtlichen Konsequenzen. Auch im Nachhinein sei weder eine Anzeige noch eine Beschwerde eingereicht worden, hält Werner Schaub von der Kantonspolizei fest. Ganz ohne weiteres kommt der Liegenschaftenbesitzer dennoch nicht davon. Er muss der Gemeinde Rede und Antwort stehen. «Wir haben von ihm eine schriftliche Stellungnahme zu den Umständen dieses Treffens verlangt», hält Gemeindepräsident Lukas Matt fest. Für die Teilnehmer ist die Sache offenbar erledigt. Sie wurden von der Polizei bei der Anfahrt zur Feier kontrolliert und ihre Personalien wurden aufgenommen. Da die Beamten jedoch keine strafbaren Handlungen registrierten, seien ihre Namen wieder gelöscht worden, sagt Werner Schaub. ()

Erstellt: 07.08.2015, 22:29 Uhr

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