Bahnausbau 2035

Nationalrat gibt grünes Licht für Grossprojekte am Zürichsee

Der Nationalrat stockt die Mittel für neue Bahnhöfe und Schienen weiter auf. Auch in der Zürichsee-Region wird kräftig ausgebaut.

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Nach dem Ständerat hat am Dienstag auch der Nationalrat den Ausbau des Schienennetzes aufgegleist. Die grosse Kammer des Schweizer Parlaments bewilligte einen Rahmenkredit von 12,89 Milliarden Franken zur Modernisierung der Bahninfrastruktur bis ins Jahr 2035. Darin enthalten sind auch mehrere für die Region wichtige Verbesserungen, die zusammen über 2 Milliarden Franken kosten.

Zimmerberg-Basistunnel II: Das grösste und teuerste Ausbauprojekt in der Zürichsee-Region ist der Zimmerberg-Basistunnel II (ZBT II). Rund eine Milliarde Franken kostet dessen Bau. Der ZBT II ist die Verlängerung des bestehenden Basistunnels zwischen Zürich und Thalwil. Er wird wenige Hundert Meter vor Thalwil im heutigen Tunnel abzweigen und bis nach Baar führen. Das Projekt beschäftigt SBB, Behörden und Politiker seit Langem. 2006 wurde der bereits begonnene Bau aus Kostengründen gestoppt und später auch aus dem Ausbauschritt 2025 gestrichen.

Der ZBT II behebt ein Nadelöhr im Schweizer Schienennetz. Denn ab dem Jahr 2025 sind die Strecke Zürich-Zug sowie der Bahnhof Thalwil laut SBB vollständig ausgelastet. Zwischen Horgen Oberdorf und Baar schlängeln sich die Züge heute durch die beiden alten einspurige Tunnel Zimmerberg und Albis, die eine Kapazitätserweiterung auf jener Linie verunmöglichen. Dank der geplanten Verlängerung des Basistunnels werden die SBB ihr Fernverkehrsangebot zwischen Zürich und der Innerschweiz ausbauen können. Die Fahrzeit zwischen Zürich und Zug verkürzt sich durchschnittlich fünf Minuten.

Noch bis nächstes Jahr wird für den ZBT II eine Konzeptstudie erarbeitet, die unter anderem die exakte Linienführung, die Verknüpfung mit dem bestehenden Netz und die genauen Kosten aufzeigen soll.

Bahnhof Wädenswil: Die SBB prüfen im Moment verschiedene Varianten, wie sie die Pendlerströme möglichst effizient und sicher leiten können. Die Verbreiterung von Unterführungen und das Hinzufügen von Perrons werden erwogen. Rund 100 Millionen Franken kostet das. «Die Stadt wird sich aktiv einbringen, etwa auch dafür, den Zugang zum Seeplatz zu verbessern», sagt Stadtpräsident und Nationalrat Philipp Kutter (CVP). Er freut sich über den «Meilenstein» und sieht das einstimmige Resultat auch als konkretes Zeichen des Parlaments für klimaschonende Mobilität. Der Realisierungszeitraum von 10 bis 15 Jahren sei normal, handle es sich doch um ein «Generationenprojekt», sagt Kutter.

SOB-Haltestelle Reidbach: In Wädenswil ist auch der Bau der SOB-Haltestelle Reidbach im 12 Milliarden schweren Bundesprojekt inbegriffen. Die Haltestelle soll die Hochschule ZHAW besser erschliessen, die zur Zeit per Bus zu erreichen ist. Stadtpräsident und Nationalrat Philipp Kutter (CVP) freut sich über den Erfolg im Parlament, weil das Projekt Reidbach auf kommunaler Ebene anfangs für Diskussionen gesorgt hatte: «Wir wurden belächelt, als wir bei der Planung des Hochschulstandorts vorschlugen, eine Haltestelle Reidbach zu errichten», sagt er. Deren Realisierung wird sich laut Kutter zeitlich aber noch hinter der Bahnhofmodernisierung einreihen müssen. Zudem ist sie von weiteren Faktoren abhängig: Die Haltestelle Reidbach kann erst dann bedient werden, wenn zwischen Biberbrugg und Schindellegi ein Doppelspurausbau stattfindet. Eine weitere Bedingung ist die Fertigstellung des zweiten Zimmerberg-Basistunnels. Dieser beeinflusst den S-Bahn-Fahrplan am linken Seeufer, an dem sich die SOB ausrichten muss.

An dieser Stelle – hinter dem Tuwag-Areal – könnte die Haltestelle Reidbach entstehen.

Doppelspur Herrliberg - Meilen: Der Entscheid des Nationalrats ist auch für die Pendler am rechten Ufer eine frohe Botschaft: Zu den Ausbauschritten bis 2035 gehört nämlich auch der Doppelspurausbau auf der Strecke Herrliberg-Feldmeilen bis Meilen. Im Bahnhof Männedorf soll zudem das vor Jahren entfernte zweite Gleis wieder in Betrieb genommen werden. Die beiden Projekte bilden zusammen mit dem kürzlich fertiggestellten Wendegleis am Bahnhof Herrliberg-Feldmeilen und der unmittelbar bevorstehenden Inbetriebnahme der neuen S20 die Grundlage für den Viertelstundentakt in den Goldküstengemeinden. Entsprechend erfreut zeigt sich der ZVV vom gestrigen Entscheid in Bundesbern: «Es ist ein wichtiger Teilerfolg, den wir mit grosser Genugtuung zur Kenntnis nehmen», sagt Mediensprecher Thomas Kellenberger. Noch sei das Vorhaben allerdings nicht in trockenen Tüchern, weshalb man sich beim ZVV auch nicht weiter zu den einzelnen Ausbauschritten äussern möchte. Kellenberger spricht damit auf die Tatsache an, dass nach dem Nationalrat nun auch der Ständerat noch einmal über die Modernisierung der Zürcher Bahninfrastruktur befinden muss.

Bahnhof Stadelhofen: Weniger Wartezeiten, bessere Anschlüsse und mehr Züge, lautet das selbsterklärte Ziel des Kantons Zürich und der SBB. Ein wichtiger Baustein auf dem Weg zum Fahrplankonzept 2035 ist darum der Ausbau des Bahnhof Stadelhofens. Seit Jahren gibt es dort immer wieder Engpässe. Ein viertes Gleis sowie ein zweites Tunnelportal zum Bahnhof Tiefenbrunnen hin soll dem Abhilfe schaffen. Gleichzeitig ist geplant, das heutige enge Mittelperron zu verbreitern. Dadurch wird unter anderem die Grundlage für mehr S-Bahn-Verbindungen am rechten Zürichseeufer geschaffen. Der Ausbau muss während des laufenden Betriebs erfolgen. Deshalb planen die SBB, das Gleis in einem Tunnel zu realisieren. Das Perron in diesem Tunnel soll dann mit vier Zugängen vom heutigen Bahnhof erschlossen werden. Dadurch soll sich ausserdem die Möglichkeit ergeben, die unterirdische Shoppingmeile zu erweitern. Bis 2020 wollen die SBB das Vorprojekt des rund 900 Millionen Franken teuren Ausbaus abschliessen.

Streckenausbau SZU: Aus den gesprochenen Mitteln werden auch 35 Millionen Franken der Sihltal-Zürich-Uetliberg-Bahn AG (SZU) für den Streckenausbau bereitgestellt. Dafür sollen drei Doppelspurabschnitte erweitert werden. Die Bundesmillionen steckt die SZU für die S 4 in den Ausbau einer durchgehenden Doppelspur zwischen den Bahnhöfen Giesshübel und Manegg und eine Verlängerung der Doppelspur beim Bahnhof Leimbach in Richtung Adliswil. Für die S 10 ist ein Ausbau der Doppelspur zwischen der Haltestelle Zürich Binz und dem Borrweg geplant. «Wir waren zuversichtlich, dass der Betrag auch vom Nationalrat bestätigt wird», sagt SZU-Direktor Armin Hehli. Vor allem, da der Kostenpunkt der SZU mit 35 Millionen Franken in Anbetracht der Gesamtausgaben nur gering ins Gewicht falle. Nicht verwendet wird das Geld für den viel diskutierten Bau einer Doppelspur bei der Haltestelle Wildnispark-Höfli in Langnau. Dafür wird die SZU AG im Herbst Mittel aus dem Bahninfrastrukturfonds, welche über eine sogenannte Leistungsvereinbarung geregelt werden, beantragen. (di/pme/ham/cob/fse)

Erstellt: 04.06.2019, 18:19 Uhr

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