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Nach Schilderstreit: Bevölkerung soll neue Autobahntafeln gestalten

Der Kanton Zürich will mit einem Wettbewerb den Kanton Schwyz in Sachen Autobahntafeln übertrumpfen. Bei Touristikern kommt die aussergewöhnliche Marketingaktion gut an.

Tafel des Anstosses und Auslöser für den Gestaltungswettbewerb: Schwyzer Autobahntafel auf Zürcher Boden.
Tafel des Anstosses und Auslöser für den Gestaltungswettbewerb: Schwyzer Autobahntafel auf Zürcher Boden.
Moritz Hager

Sie steht auf Zürcher Boden und sorgt schon länger für Kopfschütteln: Die Werbetafel «Willkommen Kanton Schwyz» entlang der A3. Eines müssen aber selbst die grössten Kritiker dieser Autobahntafel neidlos anerkennen: Der Werbeeffekt dürfte kaum grösser sein. Erst waren Autofahrer einfach nur irritiert, dann schlugen Fasnächtler mit einer gefälschten Zürcher Tafel auf Schwyzer Boden zurück, und es folgte eine offizielle Anfrage an die Zürcher Regierung zum Schilderstreit. Kürzlich wurden die Schwyzer Autobahntafeln wegen ihrer «herausragenden und innovativen» Gestaltung gar preisgekrönt.

Nun ist die Geschichte um ein Kapitel reicher: Die Zürcher Behörden haben sich von der lebhaften Debatte um die Tourismustafeln anstecken lassen und wollen die Kreativität der Bevölkerung nutzen. Ausgeschrieben wird deshalb ein Gestaltungswettbewerb für solche Autobahntafeln. «Die Diskussion um den touristischen Auftritt des Kantons Schwyz haben gezeigt, wie identitätsstiftend die Kulturtafeln entlang von Autobahnen sind», heisst es in einer Mitteilung. Die Identifikation der Bevölkerung mit der eigenen Wohnregion soll durch die Aktion zudem gestärkt werden.

Sechs Standorte bestimmt

Sechs Tafeln entlang von Autobahnen sollen kantonsweit neu gestaltet werden. Dabei handelt es sich um Tafeln, die noch nicht bestehen oder einer Erneuerung bedürfen. Konkret vorgesehen sind in der Region Zürichsee zwei neue Hinweisschilder entlang der A3 in Thalwil und Wädenswil sowie entlang der Forchautobahn und bei der A53 in Rüti. Im übrigen Kantonsgebiet entstehen zwei weitere Tafeln im Gebiet Flughafen sowie im Raum Andelfingen. Die Tafeln in der Region Thalwil und Wädenswil bestehen schon heute, sie sind jedoch mit dem kryptischen Namen «Zurich Park Side» angeschrieben. Jene im Unterland sind mit dem Motiv der Riegelhäuser ebenfalls in die Jahre gekommen.

Ausgeklammert wird bei der Neugestaltung die Region Winterthur, wie es weiter heisst. Um die Eulachstadt wurden die Tafeln erst Ende 2017 erneuert. Mit Fotos wird an drei Standorten auf das Technorama, das Fotomuseum und das Museum Oskar Reinhart aufmerksam gemacht. Zuvor war während fast 20 Jahren – ähnlich wie im Kanton Schwyz – «Grüezi Winterthur» auf der Tafel zu lesen.

Touristiker freuts

Dass der Kanton Zürich nun talentierte Gestalter aufruft, die neuen Autobahntafeln mitzugestalten, freut den Direktor von Rapperswil Zürichsee Tourismus, Simon Elsener: «Nachdem der Kanton Schwyz mit seinen Tafeln für Aufsehen gesorgt hat, ist es natürlich auch für Zürich erstrebenswert, nachzuziehen.» Die Kultursignalisationen würden auf die «touristischen Leckerbissen» aufmerksam machen, welche die Region zu bieten habe. Elsener wünscht sich von der Bevölkerung «innovative Ideen, welche auch die Autofahrer begeistern werden».

«Ich könnte mir den Zürichsee oder die Halbinsel Au als Motiv gut vorstellen», sagt SP-Kantonsrat Jonas Erni. Er hatte die Schwyzer Autobahntafeln mit zwei Kantonsratskollegen auf die politische Ebene gehievt. Der Wettbewerb stimmt ihn nach der ersten äusserst bürokratischen Antwort des Regierungsrates wieder versöhnlich: «Es ist wirklich eine sehr gut Idee, weil die Bevölkerung ja schon einmal gezeigt hat, wie kreativ sie auf die Schwyzer Tafeln reagiert.» Mit dem Einbezug talentierter Einwohner werde aus seiner Sicht auch sichergestellt, dass die Signalisationen bei der Realisierung breit abgestützt seien.

Strenge Vorgaben

Beim Bundesamt für Strassen (Astra) will man den Kreativwettbewerb nicht kommentieren, da die Gestaltung der Autobahntafeln grundsätzlich in die Hoheit der Kantone fällt. Allerdings, das machen auch die Zürcher Behörden deutlich, ist klar, dass das Astra vor der Montage noch ein Wort mitreden wird. Das Amt hat nämlich bereits 2012 «Weisungen über die touristische Signalisation an Autobahnen und Autostrassen» erlassen. Darin geregelt ist etwa, dass touristische Tafeln mindestens zu einem Drittel von einer durchgehenden braunen Fläche bedeckt sein müssen oder dass das Bildverhältnis 9:7 nicht verändert werden darf. Auch Internetadressen oder Telefonnummern dürfen auf den Tourismustafeln nicht angebracht werden.

Zwei Vorlagen

Eine Vorlage zur einfachen Teilnahme am Malwettbewerb. Bild:PD

Damit diese Vorgaben möglichst genau eingehalten werden, sind im Internet ab heute Zeichnungsvorlagen zum Ausdrucken oder digitalen Gestalten publiziert. Am Wettbewerb (siehe Kasten) können auch Personen teilnehmen, die sich künstlerisch nicht ganz sattelfest fühlen. Für sie haben die Zürcher Behörden eine eigene Vorlage kreiert. Diese vorgezeichnete «Zürichsee-Tafel» mit der Pantha Rhei eignet sich auch als Malvorlage für Kinder. Diese einfachere Möglichkeit überzeugt auch Politiker Erni: Selber bringe er wohl das nötige künstlerische Talent nicht mit, um eine Autobahntafel zu gestalten. Gemeinsam mit seiner Tochter will er aber bei der Malvorlage mit dem Seemotiv sicher zu den Farbstiften greifen.

Weitere Informationen und Gestaltungsvorlagen unter www.autobahntafel.ch

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