Kilchberg/Rüschlikon

Nach Expo-Aus: Gewerbler üben Kritik am Gemeinderat

Die ExpoSee 2020 ist abgesagt. Das Format sei bei den Gewerbetreibenden auf zu wenig Interesse gestossen. Das OK übt Kritik am Kilchberger Gemeinderat.

Über 100 Aussteller und an die 6000 Besucher waren 2010 an der ExpoSee in Rüschlikon dabei.

Über 100 Aussteller und an die 6000 Besucher waren 2010 an der ExpoSee in Rüschlikon dabei. Bild: Archiv: André Springer

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

6000 Besucher und 110 Aussteller nahmen 2010 an der Gewerbeausstellung ExpoSee beim Schulhaus Dorf in Rüschlikon teil. Nächstes Jahr wollten der Unternehmerverein Kilchberg (UVK) und der Unternehmerverein Rüschlikon (UVR) den Grossanlass ein zweites Mal gemeinsam durchführen— diesmal in Kilchberg— und damit an den Erfolg der ersten Ausgabe anknüpfen. Nun aber hat das Organisationskomitee um OK-Präsident Clemens Ruckstuhl den Anlass abgesagt. Es hatten sich zu wenige Aussteller angemeldet.

«Ich bin enttäuscht», sagt Ruckstuhl. Während zweier Jahre habe das gesamte OK viel Herzblut in die Organisation der Gewerbeschau gesteckt. «Doch wir mussten der Realität ins Auge sehen und akzeptieren, dass die hiesigen Gewerbetreibenden kein Interesse an einer Gewerbeausstellung haben.»

«Das Gewerbe wird nicht geschätzt»

Ruckstuhl sieht die Gründe für das mangelnde Interesse der Gewerbler bei ihrem sinkenden gesellschaftlichen Ansehen. «Das Gewerbe wird heute schlicht weniger geachtet als früher.» Das habe potenzielle Aussteller abgeschreckt. Statt der geplanten 80 bis 100 Aussteller, hatten sich nur gerade 32 für die ExpoSee 2020 angemeldet. «Viele fürchteten, dass bei der ExpoSee die Besucher ausbleiben würden und scheuten deshalb die finanzielle Investition für Standmiete und Ausrüstung, die mit der Teilnahme einher geht.» Jeder Aussteller hätte dafür mit Ausgaben ab 1700 Franken rechnen müssen.

«Viele fürchteten, dass bei der ExpoSee die Besucher ausbleiben würden und scheuten deshalb finanzielle Investitionen.»OK-Präsident Clemens Ruckstuhl

Damit eine Gewerbeschau in der heutigen Zeit funktioniere, sei es wichtig, dass alle an einem Strick ziehen, sagt der Adliswiler Unternehmer, der seit fünf Jahren in Kilchberg lebt. Man müsse die Bevölkerung mit ins Boot holen. «Eine reine Gewerbeschau ist nicht mehr zeitgemäss.» Deshalb habe ihm eine Ausstellung mit Volksfestcharakter im Kilchberger Navillegut vorgeschwebt. Diesen Vorschlag habe Kilchbergs Gemeinderat jedoch abgeschmettert und verlangt, dass die ExpoSee 2020 wie eine klassische Gewerbeschau aufgebaut werde. Als Austragungsort einigten sich OK und Gemeinderat schliesslich auf den Gemeindesaal Kilchberg und das Gelände des benachbarten Schulhauses Alte Landstrasse.

Gemeindepräsident Martin Berger (ohne Partei) ist überrascht ob den Vorwürfen vonseiten des OKs. «Wir haben den Organisatoren keine inhaltlichen Vorschriften gemacht, sondern sie tatkräftig unterstützt, sowohl finanziell als auch durch Mitarbeiter der Verwaltung.» Dies obwohl Kilchberg kein weiteres Volksfest brauche. «Das Navillegut war für die damalige Idee schlicht ungeeignet. Unsere Parkanlagen sollen nicht zu Albisgütlis verkommen.» Der Aufbau von Ständen und einer Bühne hätte die Parkanlage stark in Mitleidenschaft gezogen. Zudem habe es sicherheitstechnische Bedenken gegeben, wegen der Lage des Navillegutes direkt an der Seestrasse.

«Kilchberg ist nicht Langnau»

Wie Berger sagt, habe Kilchberg die Organisatoren nach bestem Wissen unterstützt und eine Alternative zum Navillegut vorgeschlagen. Das Problem sieht der Gemeindepräsident vielmehr bei den Gewerblern selber, von denen es in Kilchberg immer weniger gibt.

«Kilchberg ist nicht wie Langnau, wenn es ums Gewerbe geht», sagt Berger. Im Sihltal gebe es noch mehr Gewerbe. Entsprechend gross sei der Rückhalt in der Bevölkerung, was sich denn auch in den Besucherzahlen an den Gewerbeausstellungen niederschlagen könnte. In der Tat sind seit März alle Standplätze der Gewerbeschau Langnau, die nächsten Monat stattfindet, ausgebucht. Insgesamt nehmen 51 Aussteller teil.

«Kilchberg ist nicht wie Langnau, wenn es ums Gewerbe geht.»Martin Berger (ohne Partei), Gemeindepräsident von Kilchberg

Trotzdem ist die Absage der Gewerbeschau in Kilchberg kein Einzelfall. So scheiterte die für dieses Jahr geplante «Horga» des Handwerks- und Gewerbevereins (HGV) Horgen an der Suche nach einem OK-Präsidenten. Statt einer dreitägigen Schau, entschied sich der HGV für ein eintägiges Strassenfest, welches im Juni stattfand. Auch in Richterswil entschloss man sich nach der Richti 16, die nächste Gewerbeausstellung nicht schon für 2021, sondern frühestens für 2022 oder 23 anzusetzen. Grund dafür war allerdings nicht mangelndes Interesse beim Gewerbe, sondern die drohende Terminkollision mit der ebenfalls für 2021 geplanten Wädenswiler Gewerbeschau (Gewa).

Ob und in welcher Form sich die Kilchberger Gewerbetreibenden der Bevölkerung künftig präsentieren werden, kann die Präsidentin des Unternehmervereins Kilchberg Denise Wacker noch nicht sagen. «Wir müssen an der nächsten Versammlung schauen, was unsere Mitglieder wollen.»

Erstellt: 25.09.2019, 17:41 Uhr

Artikel zum Thema

Die Langnauer Gewerbeschau soll ein Dorffest werden

Langnau In wenigen Wochen findet die Gala 19 statt. Bereits seit Frühling sind alle Stände gebucht. Neben der Gewerbeschau der lokalen Gewerbler wird es erstmals auch ein Festzelt mit Bühnenprogramm geben. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.