Schönenberg

Nach 30 Jahren gibt sie ihre Hausbäckerei weiter

Christel Bühlmann backt seit 30 Jahren Brote und Zöpfe für den Wädenswiler Wochenmarkt. Nun hört sie auf. Für ihre Hausbäckerei hat sie vor kurzem Nachfolger gefunden.

Für Christel Bühlmann ist nach 30 Jahren der Zeitpunkt gekommen, ihre Hausbäckerei weiterzugeben.

Für Christel Bühlmann ist nach 30 Jahren der Zeitpunkt gekommen, ihre Hausbäckerei weiterzugeben. Bild: Patrick Gutenberg

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Duft von Brot steigt einem in die Nase. Christel Bühlmann steht in ihrer gut 40 Quadratmeter grossen Hausbäckerei in Schönenberg. In der grossen Teigmaschine werden soeben 8 Kilo Mehl und andere Zutaten zu Teig verarbeitet. Christel Bühlmann kümmert sich derweil um ihre Laugenbutterbrezeln – nur einer von vielen Verkaufsschlagern der 70-Jährigen. Zwischen 70 und 90 Kilo Mehl verarbeitet sie jeden Freitagabend während mehrerer Stunden zu verschiedenen Broten und Zöpfen.

Eigentlich hätte es eine Marktsaison lang dauern sollen. Doch daraus wurden 30 Jahre. Damals, eben vor 30 Jahren, sammelte der Turnverein, dem Christel Bühlmann angehörte, Geld für eine neue Turnhalle. «Da meine Kolleginnen wussten, dass ich gerne backe, wurde ich angefragt, ob ich eine Saison lang am Wädenswiler Wochenmarkt selbst gemachte Brote verkaufen möchte», erinnert sie sich. Der Gewinn floss in die Finanzierung der Turnhalle.

Bekannt für ihre Zöpfe

Christel Bühlmann hatte Blut geleckt. Ihr machte es so viel Freude, dass sie beschloss, den Marktstand weiterhin privat zu betreiben. Die ersten 13 Jahre stand sie alle zwei Wochen mit einer Kollegin an ihrem Stand, verkaufte Brote, selbst gemachte Gonfi, Kuchen und Sirup. «Ich wurde ein richtiges Marktweib», erzählt sie und lacht. All die Jahre hat sie es mit viel Leidenschaft und Engagement gemacht. Sie mag es, mit den Händen zu arbeiten und zu sehen, wie ein Produkt entsteht.

1993 legte sie sich einen grossen Brotbackofen und eine grosse Knetmaschine für ihre Hausbäckerei zu. Seit 2003 ist sie jeden Samstag auf dem Markt. Und seit 10 Jahren betreibt sie ihre Hausbäckerei und den Marktstand ganz allein. Hilfe beim Verkauf bekommt sie von ihren Töchtern, Nichten und Freundinnen.

«Seit ein paar Jahren ist mein Dinkelvollkornbrot der absolute Renner», verrät Christel Bühlmann. Sie leert einen 25-Kilo-Sack Mehl in die Teigmaschine. In ihrem Hauptsortiment sind sechs Sorten Brot zu finden: Bauern-, Kartoffel-, Vollkornbrot, helles Dinkelbrot, Kernenbrot und das beliebte Dinkelvollkornbrot. Gerne probiert sie auch immer mal wieder etwas Neues aus wie ein Nussbrot. Für ihre Zöpfe ist sie weitum bekannt. In allen Grössen von 80 Gramm bis zu einem Kilo sind diese erhältlich. «Ich selber esse gar nicht so viel Brot, und einen Zopf würde ich nie im Laden kaufen», sagt sie.

Nachfolger gefunden

Ihre Leidenschaft fürs Backen ist ihr anzusehen und anzuhören. Trotzdem ist für Christel Bühlmann nach 30 Jahren der Zeitpunkt gekommen, ihre Hausbäckerei weiterzugeben. «Ich bin jetzt 70 Jahre alt und noch fit. Ich möchte gerne mehr Zeit für mich haben, mehr wandern und mehr mit meinen Geschwistern unternehmen.»

Seit mehreren Jahren schon war sie auf der Suche nach einer Nachfolge. Es gab zwar immer wieder Interessierte, aber niemand wollte die Hausbäckerei und den Marktstand dann übernehmen. Bis vor ein paar Wochen. Ein Paar, das seit kurzem in Schönenberg lebt, erfuhr davon und war sofort Feuer und Flamme. Es sind Stephan Hennig und Eva Wettler. Er ist gelernter Koch, und auch seine Frau war in der Gastronomie tätig.

Zwischen 70 und 90 Kilo Mehl verarbeitet Die Bäckerin jeden Freitagabend während mehrerer Stunden zu verschiedenen Broten und Zöpfen.

«Genau so etwas wollten wir schon lange machen», sagt Stephan Hennig, der sich freut, ein gut laufendes Geschäft übernehmen zu können. Christel Bühlmann vermietet ihre Hausbäckerei den beiden. «Ich bin so froh, dass ich eine gute Nachfolge gefunden habe. Für mich war es wie Weihnachten», sagt die Hausbäckerin strahlend. Auch das eine oder andere Rezept werden die neuen Bäcker übernehmen. «Das Hauptsortiment an Broten und Zöpfen werden wir beibehalten», verspricht Hennig.

Mit eigenen Spezialbroten und anderen Spezialitäten will er das Sortiment anpassen und ausweiten. Neu will er seine Brote bereits am Freitagabend direkt aus der Backstube verkaufen. «Und in der Region Schönenberg wollen wir am Samstag- und Sonntagmorgen einen Brötli-Service anbieten», verrät er. Am 1. Januar übernimmt das Paar die Hausbäckerei und den Marktstand.

Mit Herzblut und Freude

Christel Bühlmann hat den neuen Bäckern angeboten, auch mal einzuspringen. Ansonsten freut sie sich aber, nicht mehr so gebunden zu sein und mehr Zeit für sich zu haben. «Den Kontakt mit den Menschen auf dem Markt und die tolle familiäre Atmosphäre werden mir sicherlich fehlen», meint sie. Aber sie werde gerne als Besucherin dabei sein und eben als Aushilfe auch mal wieder in der Backstube und hinter dem Marktstand stehen.

Wehmütig ist sie nicht. «Ich habe es 30 Jahre lang mit Herzblut und viel Freude gemacht, jetzt ist der richtige Zeitpunkt, aufzuhören», ist sie überzeugt. Am Samstag, 21. Dezember, wird Christel Bühlmann zum letzten Mal ihre selbst gebackenen Brote und Zöpfe und Kuchen verkaufen. Und fehlen werden auch dieses Jahr ihre beliebten Weihnachtsguetsli nicht. Rund 80 bis 100 Kilo wird sie ein letztes Mal in ihrer Hausbäckerei backen, bevor sie die Schlüssel ihren Nachfolgern übergibt.

Erstellt: 05.11.2019, 15:12 Uhr

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