Horgen/Langnau

Mutmasslicher Drogenkurier scheitert zum zweiten Mal vor Gericht

Ein 45-Jähriger soll vor fünf Jahren 20 Kilogramm Heroin in die Schweiz geschmuggelt haben. Er bestreitet das. Trotzdem verurteilte ihn das Obergericht zu einer Freiheitsstrafe von fünfdreiveiertel Jahren.

Bis zu 20 Kilogramm Heroin schmuggelte ein Mann von Mazedonien in die Schweiz.

Bis zu 20 Kilogramm Heroin schmuggelte ein Mann von Mazedonien in die Schweiz. Bild: Symbolbild, Kapo ZG

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Das Polizeiaufgebot kündigt Grosses an. Vor dem Obergericht in Zürich stehen ein halbes Dutzend Polizeifahrzeuge, am Eingang stehen, Palastwachen gleich, zwei Polizisten. Doch es findet kein Prozess gegen einen Mafiapaten statt. Im Innern des Gebäudes wird ein verdeckter Ermittler befragt. Die Öffentlichkeit muss draussen bleiben, um dessen Identität zu schützen. Die Befragung angeordnet hat das Bundesgericht. Sie soll Klarheit bringen über einen mutmasslichen Drogenkurier.

Der 45-jährige Beschuldigte wurde zuvor in Horgen und beim Obergericht verurteilt. Bei der ersten Instanz noch für zwei Fahrten als Drogenkurier von Mazedonien nach Langnau. Das Obergericht anerkannte nur noch die zweite Fahrt und reduzierte die Freiheitsstrafe von sieben auf sechs Jahre. Konkret soll der Mann mit 20 Kilogramm Heroin im Zusatztank seines Mercedes ML 55 AMG aus in die Schweiz gefahren sein, drei Tage nachdem er runtergefahren war. Nachts um 23.21 Uhr stoppte der im Kanton Solothurn wohnhafte in Langnau, bei einem alten Freund. Der Wagen wurde in die Garage gebracht, der Tank ausgebaut, die Drogen entfernt.

Haus wurde überwacht

Um 0.45 Uhr verliess der Beschuldigte die Garage. Der Kurierfahrer habe 4000 Franken für seine Dienste bekommen, sagt die Staatsanwaltschaft. Der Abnehmer wurde schon länger durch die Polizei überwacht, auch mithilfe des erwähnten verdeckten Ermittlers, der diverse Drogenkäufe tätigte. So stammten auch die 4000 Franken von einem Kauf durch den Ermittler.

Der beschuldigte Mazedonier hat aber eine ganz andere Erklärung für den durch Videoüberwachung bestätigten nächtlichen Abstecher ins Sihltal. Wie er am öffentlichen Teil der Verhandlung sagte, habe ihm der Kollege das Auto verkauft. Auf der Rückfahrt aus Mazedonien habe dieses plötzlich nicht mehr richtig funktioniert. Also sei er zum Kollegen gefahren, damit dieser den Mercedes reparieren und wieder verkaufen könnte.

Die Frage des Richters, ob das um diese Zeit normal sei, bejahte er. Anmelden habe er sich nicht können, da der Akku seines Mobiltelefons leer gewesen sei. 5000 Franken habe er erhalten, gleichviel wie er ein Jahr zuvor für den Wagen gezahlt hatte.

Mehrfaches Nachfragen seitens des Richters zeigten, dass er das Auto ein Jahr lang genutzt hatte ohne einen Franken bezahlt zu haben. Ein Auto, das neu 100000 Franken kostet. Er habe das Auto ja sehr selten genutzt, fast nur wenn er in Mazedonien war, meinte er. Das zurückerhaltene Geld soll wohl bloss eine Anzahlung gewesen sein, wenn man die Ausführungen des Mannes richtig interpretiert.

Mit Drogen will er nichts am Hut haben. In Mazedonien sei er nur auf Familienbesuch gewesen oder wenn seine Söhne eine Passerneuerung beantragen mussten. Ein Notizbuch mit Namen und Geldbeträgen, das bei ihm gefunden wurde, sei bloss Spass gewesen. Er habe vorspielen wollen, dass er Geld habe.

Verteidiger gibt Gas

Während der Staatsanwalt forderte, an der Strafe festzuhalten und kaum neues zu sagen hatte – die Aussagen des Ermittlers seien ja jetzt verwertbar – schöpfte der Verteidiger aus dem Vollen, um einen Freispruch für seinen Mandanten zu erreichen. Er hielt den grössten Teil der Beweise nicht für verwertbar.

Dass der Beschuldigte in den Vernehmungen nicht immer die Wahrheit gesagt hatte, erklärte er mit dem Schock der plötzlichen Verhaftung. Den Oberrichtern warf er vor, teils aktenwidrig entschieden zu haben.

Viel gebracht hat der Einsatz des Verteidigers nicht: Die Oberrichter reduzierten die Strafe lediglich um ein Vierteljahr, wegen der langen Verfahrensdauer und weil eine Vorstrafe mittlerweile gelöscht wurde. Der Beschuldigte habe zu widersprüchlich ausgesagt, es spreche zu viel gegen ihn. Eine andere Meinung zu haben, sei im übrigen nicht das Gleiche wie aktenwidrig entscheiden. Der verdeckte Ermittler konnte offenbar nicht helfen. Er kannte den Beschuldigten gar nicht. Sichtlich genervt meinte der Vorsitzende: «Ausser sehr grossen Spesen nichts gewesen». (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 13.03.2019, 19:27 Uhr

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