Wädenswil

Mit Sprengungen zum neuen Labor

Auf dem Tuwag-Areal entsteht ein neues Laborgebäude der ZHAW. Wegen dem harten Untergrund kommt Sprengstoff zum Einsatz.

Auf der Baustelle für das neuen Laborgebäude auf dem Tuwag-Areal in Wädenswil sind die Arbeiter auf Apenzeller Granit gestossen: Es kommt Sprengstoff zum Einsatz. Aber wie sprengt man den härtesten Stein der Schweiz mit möglichst wenig Erschütterung?
Video: Fabian Röthlisberger

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Gross ist die Neugier bei den Schaulustigen und der geladenen Presse, die sich am Donnerstag Nachmittag auf dem Tuwag-Areal in Wädenswil eingefunden haben. Denn die Tuwag, auf deren Areal derzeit ein neues Laborgebäude der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) entsteht, hat zu einer Sprengung eingeladen. «Der Untergrund hier besteht aus Appenzeller Granit. Das ist ein sehr hartes Nagelfluhgestein», erklärt Heiner Treichler, Geschäftsführer der Tuwag. So hart, dass ihm mit Fräse nicht beizukommen ist — dafür aber mit Sprengstoff.

Noch ist nicht viel zu sehen. Nur wer genau schaut, entdeckt ein paar rote, in die Erde verlaufende Drähte in der 16 Meter tiefen Baugrube. Ein Bagger platziert ein gutes Dutzend Matten aus alten Lastwagenreifen auf der mit Sprengstoff versetzten Fläche. Jede Matte ist etwa 1200 Kilo schwer. «Sie dämpfen die Sprengung und sorgen dafür, dass keine Steine durch die Luft geschleudert werden», sagt Treichler. Als man vor zwei Wochen zum ersten mal gesprengt habe, seien nämlich Steine zur benachbarten Reidholz Garage geflogen. Glücklicherweise ohne Schäden zu verursachen.

Ohne Strom kein Knall

Mehrmals pro Tag wird derzeit auf der ZHAW-Baustelle gesprengt. Verschiedene Sensoren auf dem Baugelände messen die Auswirkungen der Erschütterungen. «Wir haben die Auflage, dass die Explosionen den Betrieb der in der Nähe verlaufenden Bahnlinie nicht beeinträchtigen dürfen», sagt Treichler. Zudem müsse man die Stabilität des Areals im Auge behalten.

Sobald der Sprengmeister seine Vorbereitungen abgeschlossen hat, müssen alle Arbeiter die Baugrube verlassen. Der Sprengmeister trägt einen orangen Kasten und ein Signalhorn bei sich. Ob jemand für ihn den Hebel auf dem Kasten drehen will, fragt er und findet schnell eine Freiwillige.

Fünf mal bläst der Sprengmeister lange ins Horn. Nach drei weiteren, kurzen Horntönen wird der Schalter gedreht. Doch nichts geschieht. Herr Treichler hat zwar gewarnt, dass die Sprengung nicht ganz so spektakulär sein würde, wie man es sich vorstelle. Doch von einer lautlosen Sprengung hat noch keiner der Anwesenden gehört.

«Hab ich etwas falsch gemacht?» fragt die Helferin unsicher. Doch der Sprengmeister winkt ab: «War ja klar, dass etwas schief geht, wenn die Presse da ist», sagt er lachend und steigt erneut in die Grube. «Die Kabel waren nicht verbunden» ruft er aus der Tiefe.

Kurzer Spuk

Richtig verkabelt geht es an den zweiten Versuch. Ein dumpfes Rumpeln, eine kurze Erschütterung, die Gummimatten heben sich ein wenig, dann ist der Spuk vorbei. Der Bagger rückt wieder an und entfernt die dämpfenden Matten. Das Material darunter scheint unverändert, doch es dürfte nun locker genug sein, damit man es abtragen kann. «Vereinzelt müssen wir nochmals mit einer Fräse dahinter», sagt Treichler.

«Die Explosionen dürfen den Betrieb der in der Nähe verlaufenden Bahnlinie nicht beeinträchtigen.»Heiner Treichler, 
Geschäftsführer der Tuwag

50 bis 60 Kubikmeter Gestein werden bei jeder Sprengung gelockert. Das sind etwa fünf bis sechs Lastwagenladungen. Pro Tag müssen die Arbeiter um die 300 Kubikmeter Material abtragen, damit die Baugrube wie geplant im November fertig wird. 20 Meter tief muss sie sein, damit zwei Garagengeschosse und eine Techniketage darin Platz finden. Das gesamte Bauwerk der ZHAW soll im Frühjahr 2023 fertig sein.

Bereits vor drei Jahren habe man Probesprengungen durchgeführt um abschätzen zu können, welche Menge Sprengstoff pro Sprengung zum Einsatz kommen kann. «Die Geräte in den benachbarten Labors der ZHAW dürfen durch die Erschütterung der Explosionen nicht beeinträchtigt werden», erklärt Treichler.

Erstellt: 22.08.2019, 17:51 Uhr

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