Wädenswil

Mit einem gemeinsamen Kühlschrank gegen Food-Waste

Im Jahr verschwenden Herr und Frau Schweizer gut 300 Kilo Lebensmittel pro Kopf. Sechs ZHAW-Studenten haben darum den Verein «delikatrestessen» gegründet. Auf dem Campus Grüental in Wädenswil betreiben sie einen Gemeinschaftskühlschrank .

Der öffentliche Kühlschrank des Vereins «delikatrestessen» erfreut sich grosser Beliebtheit — Vereinssprecherin Charlotte Klinkvort findet nur noch eine Packung Eier darin.

Der öffentliche Kühlschrank des Vereins «delikatrestessen» erfreut sich grosser Beliebtheit — Vereinssprecherin Charlotte Klinkvort findet nur noch eine Packung Eier darin. Bild: Manuela Matt

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Je besser es einem Land wirtschaftlich geht, umso mehr Lebensmittel werden verschwendet. Die Schweiz ist dabei keine Ausnahme. Mehr als zwei Millionen Tonnen landen jedes Jahr im Abfall. Laut foodwaste.ch verursachen Haushalte 45 Prozent der gesamten Lebensmittelverschwendung in der Schweiz. Zum Vergleich: im westafrikanischen Kamerun machen Haushalte nur fünf Prozent der Verschwendung aus.

Tägliche Verschwendung

Um dem Problem der Lebensmittelverschwendung an den Kragen zu gehen, haben sechs Studierende des Studiengangs Umweltingenieurwesen an der ZHAW in Wädenswil den Verein «delikatrestessen» gegründet. Das im Namen versteckte Wortspiel mit «delikat» und «Reste essen» beschreibt denn auch den Sinn des Vereins: «Auf den ersten Blick sind die beiden Komponenten widersprüchlich. Doch das muss und soll nicht so sein», sagt Vereinssprecherin Charlotte Klinkvort.

Jeder kenne die Situation, dass zu viel Essen eingekauft oder zubereitet wurde, und der Überschuss früher oder später im Kehricht lande. «In anderen Ländern leiden Menschen Hunger, während wir pro Tag etwa eine Mahlzeit wegwerfen.» Besser wäre es, dieses Essen mit anderen zu teilen. Ein Gemeinschaftskühlschrank auf dem ZHAW-Campus Grüental sollte genau das ermöglichen.

Eine Projektarbeit im Fach Projektmanagement bot der 24-Jährigen und ihren fünf Mitstreitern 2017 die Gelegenheit, eine Umsetzung der eigenen Ideen ins Auge zu fassen. «In Zürich, Bern und Basel gibt es bereits Projekte, die etwas gegen Foodwaste tun. Wir wollten wissen, ob man auch im kleineren Rahmen etwas bewirken kann.» Gerade der hohe Anteil den Haushalte bei der Lebensmittelverschwendung ausmachen, zeige, wie wichtig das Handeln des Einzelnen sei. Die Projektarbeit der sechs Studenten um Klinkvort wurde am Ende des Semesters zur Besten des Kurses gekührt. «Die Siegerprämie von 3000 Franken gab uns das nötige Startkapital zur Umsetzung des Projekts Kühlschrank.»

Seit einigen Monaten stehen nun ein grosser Kühlschrank und ein Tiefkühler beim Hortikulturgebäude gegenüber der Gräsergärten der ZHAW. «So haben nicht nur die Studenten Zugang, sondern auch die Besucher der Gärten.» Dies mache den Standort perfekt, resümiert Klinkvort.

Essen im Überfluss

In der Tat erfreut sich das Angebot des Vereins grosser Beliebtheit. Beim Besuch der ZSZ auf dem Campus sind Kühlschrank und Kühltruhe praktisch leer geräumt. Einzig eine Packung Eier und tiefgekühltes Brot sind noch übrig. «Die meisten wissen inzwischen wann der Kühlschrank frisch befüllt wird und richten sich danach.» Jeden Tag kontrolliere ein Vereinsmitglied oder einer der sechs freiwilligen Helfer den Kühlschrank. Produkte die ihr «Verbrauchen bis»-Datum überschritten haben werden entsorgt. Nicht erlaubt seien Fleischprodukte, weil Fleisch zu schnell verderbe, sowie Essen in geöffneten Verpackungen, erklärt Klinkvort.

Etwa zweimal die Woche würden grössere Mengen an Lebensmitteln gebracht. Der Verein arbeitet inzwischen mit verschiedenen Lieferanten. Darunter etwa die Organisation «Tischlein deck dich». Diese sammelt Lebensmittel, die vernichtet werden sollen, von Landwirten, Grossverteilern und der Industrie, und verteilt sie an Menschen in Not. «Sogar solche Organisationen haben zu viel Essen und würden den Überschuss wegwerfen, wenn wir ihn nicht übernehmen würden», stellt die angehende Umweltingenieurin fest. «Das gibt schon zu denken.»

Inzwischen haben sich verschiedene Kooperationen mit Landwirten und kleineren Läden in und um Wädenswil ergeben. «Von Bauern erhalten wir vor allem punktuell Lebensmittel, wenn sie mehr ernten als sie verkaufen oder einmachen können.» Für die grossen Detailhändler wie Coop und Migros sei der Verein «delikatrestessen» ein zu kleiner Fisch. «Die Mengen die wir abnehmen können sind zu klein, als das sich eine Zusammenarbeit für einen Grossverteiler lohnen würde», erklärt Klinkvort.

Obwohl Klinkvort und ihre fünf Kollegen erster Stunde in einem Jahr ihren Abschluss machen, soll der Verein weiter bestehen. «Das Ziel ist, dass jüngere Studenten den Verein übernehmen und das Projekt weiter ausbauen. Langfristig soll etwa der jetzige Kühlschrank durch einen solarbetriebenen ersetzt werden. Auch sei ein zweiter Standort in Wädenswil geplant.

Erstellt: 31.10.2018, 16:36 Uhr

Tipps gegen Food-Waste


  • Nicht hungrig einkaufen gehen.


  • Vor dem Einkauf einen Blick in den Kühlschrank werfen.


  • Eine Einkaufsliste erstellen und sich daran halten.


  • Keine zu grossenn diese Reste landen oft im Men Portionenauf den Teller, düll.


  • Den Kühlschrank organisieren: ältere Produkte stehen vorne, neuere kommen nach hinten.


  • «Mindest haltbar bis», «Verbrauchen bis» und «Zu verkaufen bis» haben unterschiedliche Bedeutungen. Ist das «Verbrauchen bis»-Datum überschritten, sollte das Produkt nicht mehr konsumiert werden. Ansonsten sollte man mehr auf die eigenen Sinne vertrauen, als auf das aufgedruckte Datum. Wenn das Produkt noch schmeckt, kann man es noch essen.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.