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Sie organisiert einen Gottesdienst für Paare, die sich getrennt haben

Betroffenen Menschen die Möglichkeit bieten, die Trennung mit einem Ritual zu feiern. Dies tut die reformierte Pfarrerin Henriette Meyer-Patzelt, indem sie diese Woche erstmals die Ritualfeier «Wenn Wege sich trennen» durchführt.

Die reformierte Pfarrerin Henriette Meyer-Patzelt möchte herausfinden, in welchen Lebenssituationen die Menschen eines Rituals bedürfen.
Die reformierte Pfarrerin Henriette Meyer-Patzelt möchte herausfinden, in welchen Lebenssituationen die Menschen eines Rituals bedürfen.
Manuela Matt

Frau Meyer-Patzelt, Sie bieten eine Ritualfeier an für Menschen, die sich getrennt haben. Weshalb feiern Sie die Trennung?Henriette Meyer-Patzelt:Die Trennung als solche wird nicht gefeiert, weil eine Trennung oder eine Scheidung immer mit Schmerz und Trauer verbunden ist. Manche Menschen empfinden eine Trennung als gescheiterten Lebensentwurf. Gefeiert wird Gottes Zusage zu uns Menschen, gerade in Zeiten des Umbruchs, wenn Menschen einen Beziehungsbruch durchleben. Paare und Einzelpersonen sollen sich in dieser Situation von der Kirche begleitet wissen, in der sie vielleicht einst in einem Gottesdienst ihre Beziehung begannen.

Was würdigen Sie mit dieser Feier konkret?Eine Symbolhandlung bietet den Teilnehmenden beispielsweise die Möglichkeit, für Gelungenes in der Beziehung zu danken oder der Trauer und dem Schmerz Ausdruck zu geben. Oder auch dem Vertrauen und der Hoffnung, dass ihr Weg — nun getrennt — weitergeht. Stehen zwei Menschen sich in ihrer Entwicklung im Weg, kann eine Trennung ja auch eine Befreiung sein.

Wie werden Sie diese verschiedenen Aspekte in der Feier vereinen?Die Ritualfeier wird den Charakter eines Gottesdienstes mit rituellen und liturgischen Elementen aufweisen. Darin sind ein Gebet, ein Bibeltext, meditative Gedanken sowie fünf Symbol­handlungen integriert. Die Teilnehmenden dürfen diese ganz persönlich gestalten, sie müssen aber nicht. Musikalisch begleitet Caterina Malär die Ritualfeier auf dem Klavier. Klavierklänge stützen, schaffen Struktur, geben Bodenhaftung und wirken doch einfühlsam.

Das heisst die Ritualfeier wird ausschliesslich auf christlichen Elementen beruhen?Ja, ich bleibe bewusst in unserer christlichen Tradition. Die Feier beruht auf einem Bild von Gott, der es gut meint mit uns, den ich in einer Ich-Du-Beziehung ansprechen darf. Und auf dem Bild von Jesus, der die Menschen auch in schwierigen Situationen begleitet hat.

Wissen Sie bereits, was Sie erwartet oder betreten Sie Neuland?Für die Trennung ein Ritual anzubieten ist ein Wagnis und ich glaube, dass es im Bezirk Horgen erstmals so stattfinden wird. Ich kenne ähnliche Rituale aus urbanem Kontext. Richterswil hat mittlerweile zwar keine dörfliche Einwohnerzahl mehr, weist aber doch noch einen dörflichen Charakter auf. So gibt es hier keine so grosse Anonymität wie in einer Stadt, die den Menschen auch schützt. Ich weiss daher nicht, ob sich die Leute von dieser Feier angesprochen fühlen.

Welche Leute sprechen Sie denn an: reformierte Paare aus Richterswil?Nicht nur. Die Feier richtet sich an alle im Bezirk, die Interesse haben. Das können nebst Paaren auch deren Freunde, Trauzeugen oder Kinder sein. Aber auch Einzelpersonen sind dazu eingeladen, genauso wie Menschen von anderen Konfessionen oder solche, die aus der Kirche ausgetreten sind.

Haben Sie persönlich einen speziellen Bezug zu Ritualen?Ich habe seit jeher eine Faszination für Rituale. Ich bin mit ihnen aufgewachsen und habe sie als etwas Heilendes und Wohltuendes erlebt. Auch heute lebe ich mit vielen Ritualen im Alltag, allein schon den bewusst gestalteten Tagesbeginn oder den Tagesabschluss.

Und wie ist es in Ihrem Berufsalltag als Pfarrerin, welche Rolle spielen Rituale da?In der reformierten Kirche gibt es zwar Rituale, es sind aber nicht so viele, da in der Zeit der Reformation viele von ihnen abgeschafft wurden. Die heutige Zeit ist schnell und komplex geworden. Bei vielen Menschen ist das Bedürfnis nach Ritualen wieder gewachsen. Die Institution Kirche ist zwar nicht mehr so gefragt wie früher, das bedeutet aber nicht, dass die Menschen weniger religiös sind als früher.

Wie begegnen Sie diesem gewachsenen Bedürfnis nach Ritualen?Von der Zürcher Landeskirche habe ich den Auftrag erhalten, «neue Rituale» für unsere Kirche zu entwickeln und zu erproben. Dabei versuche ich herauszufinden, in welchen Lebensbereichen oder bei welchen Lebensübergängen wir Menschen das Bedürfnis nach einem Ritual haben.

Was spornt Sie beim Schaffen neuer Rituale besonders an?Ich probiere gern Neues aus. Mit christlich gestalteten Ritualen möchte ich etwas von der Kostbarkeit unserer Religion weitergeben. Und mit Ritualen mit den Menschen auf dem Weg zu bleiben ist etwas Wunderbares.

«Wenn Wege sich trennen», Freitag, 22. September, 19 Uhr, Reformierte Kirche Richterswil.

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