Samichlaus

«Meine Besuche sind multikultureller geworden»

Heute ist der 6. Dezember, der Ehrentag von St. Nikolaus, dem einstigen Bischof von Myra. Viele Samichläuse werden auch im Bezirk Horgen Familien besuchen, unter ihnen der 65-jährige Dominik Moser vom katholischen Männerverein Horgen. Er ist seit 25 Jahren als Samichlaus unterwegs.

Dominik Moser ist seit Jahren als Samichlaus unterwegs. Trotz seiner Verbundenheit mit der Tradition ist er offen gegenüber neuen Kommunikationsmethoden: Einmal skypte er mit Familienmitgliedern in Australien.

Dominik Moser ist seit Jahren als Samichlaus unterwegs. Trotz seiner Verbundenheit mit der Tradition ist er offen gegenüber neuen Kommunikationsmethoden: Einmal skypte er mit Familienmitgliedern in Australien. Bild: Sabine Rock

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Dominik Moser, haben Sie alle Sachen für die Kinder bereit?
Dominik Moser: Ja, ich bin gerüstet. Wichtig ist das Glöcklein für den Schmutzli, der damit unser Ankommen bei den Familien ankündigt. Parat liegen aber auch die Mitra und der Stab, die Insignien des Bischofs. Ich besuche die Familien ja im Andenken an den Heiligen Nikolaus von Myra, der im 4. Jahrhundert in der heutigen Türkei lebte. Am wichtigsten ist aber das grosse Buch, in dem ich lese, um mit den Kindern ins Gespräch zu kommen.

Sie wünschen sich bei Ihren
Besuchen also einen Dialog?
Ja. Kleineren zeige ich häufig ein Bilderbuch oder frage sie nach ihrem Lieblingskuscheltier. Grössere frage ich nach dem Alltag in der Schule, auch nach ihren Sorgen und Hoffnungen. Samichlaus und Schmutzli freuen sich auch, wenn die Kinder einen Vers aufsagen oder musizieren.

Das tönt sehr idyllisch: Ist es
einfach, mit den Kindern ins
Gespräch zu kommen?
Schmutzli und ich merken jeweils schon beim Eintreten in die gute Stube, wie die Stimmung ist: Wenn Kerzen auf dem Adventskranz brennen und Kinder und Eltern, oft auch Grosseltern und Paten der Kinder, freudig gespannt auf den Besuch warten, ist das schon erfolgsversprechend. Wenn ich als Bischof aber zuerst bitten muss, den Fernseher abzuschalten, wird es schwieriger.

Angst oder Respekt vor dem Samichlaus gibt es heute also nicht mehr?
Doch, schon. Respekt finde ich auch angebracht, aber Angst soll nicht mehr sein. Kindern zu drohen, dass der Samichlaus sie bei Ungehorsam mit der Fitze traktiert oder gar in den Sack nimmt, ist völlig tabu. Ich sage aber schon, dass ein Kind besser aufräumen oder die Kleider nicht auf den Boden werfen soll. Das wird sehr ernst genommen und wirkt oft mehr, als wenn die Eltern das sagen.

Werden auch die Erwachsenen ins Gebet genommen?
Ich versuche sie humorvoll miteinzubeziehen: Der Samichlaus weiss etwa, dass der Grossvater die kleinen Pizzas anbrennen liess oder die Mutter vor lauter Stress die elektronische Agenda falsch programmiert hat. Das lockert auf. Bei unsern Besuchen ist es das Ziel, dass die Kinder dem Schmutzli zum Schluss helfen, die Gaben aus dem Sack zu leeren. Das ist dann der ultimative Beweis, dass wir den Kleinen keine Angst einflössen.

Sind Sie nur bei den Familien zu Hause im Einsatz?
Wir sind keine St. Nikoläuse, die sich in Warenhäusern präsentieren, sondern erleben uns als Nachfolger des Bischofs aus Kleinasien. Die Teams des katholischen Männervereins Horgen, zu denen ich gehöre, sind darum auch in kirchlichen Feiern präsent: Vor unseren Besuchen werden wir vom Pfarrer in einem Gottesdienst ausgesandt, wir machen zudem in Rorate-Feiern oder bei Kleinkind-Gottesdiensten mit. Das ist mir sehr wichtig.

Hat sich bei Ihren Besuchen in den letzten Jahrzehnten etwas grundlegend geändert?
Ja schon. Meine Besuche sind internationaler und multikultureller geworden. Schmutzli und ich reden in verschiedenen Sprachen und besuchen Kinder aus aller Welt. Hier hilft mir ein spezielles Bilderbuch: Es zeigt, wie der Samichlaus seine Gaben zusammensucht: Die Nüsse kommen aus Spanien, die Mandeln aus Serbien, die Orangen aus Portugal und Datteln aus Sri Lanka.

Können Sie sich an ein besonders eindrückliches Erlebnis
erinnern?
Bei einer Familie haben wir während unserem Besuch einmal live mit den Grosseltern in Australien geskypt. Das war sehr eindrücklich, dass sich die Familie auf diese Weise durch die Technik in die Samichlaus-Feier einklinken konnte. So haben die Grosseltern am anderen Ende der Welt ihre Enkel ein Stück weit beim Besuch des Samichlaus miterleben können. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 05.12.2016, 17:26 Uhr

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