Horgen

Der neue Präsident der Stiftung Amalie Widmer packt Projekte an

Seit Neujahr ist Rodolfo Straub Präsident der Stiftung Amalie Widmer Horgen (SAWH). Der Finanzfachmann und ehemalige Gemeindepräsident von Oberrieden hat damit im Umbruch der Pflegeeinrichtungen in Horgen eine herausfordernde Aufgabe übernommen.

Rodolfo Straub beschäftigt im Moment die Frage, ob die Gemeinde Horgen die Verantwortung für die stationäre Pflege im «Tödiheim» auslagern wird oder nicht.

Rodolfo Straub beschäftigt im Moment die Frage, ob die Gemeinde Horgen die Verantwortung für die stationäre Pflege im «Tödiheim» auslagern wird oder nicht. Bild: Manuela Matt

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Rodolfo Straub sieht relaxt seiner baldigen Pensionierung entgegen. Sie scheint ihn genauso wenig zu stressen, wie ihn sein Beruf im Normalfall gestresst ­habe, sagt er. Herausforderungen und neue Aufgaben gebe es überall: in der Bankenwelt, wo er als Finanzierungsspezialist und Jurist lange tätig war, als Offizier im Militär oder in der Gemeinde Oberrieden, wo er nach einer Zeit in der Schulpflege acht Jahre lang das Gemeindepräsidium innehatte. Gestresst gefühlt hat er sich auch an der Börse nicht, wo er in seiner letzten beruflichen Etappe tätig war.

Der neue Präsident der Stiftung Amalie Widmer Horgen (SAWH) spricht locker, präzis und sachlich. Ihm bereiteten ­offene Fragen keine schlaflosen Nächte, meint er.

Nach Abschluss der beruflichen Tätigkeit habe er nun «mehr Zeit fürs Langlöifle und Biken», sagt Rodolfo Straub. Sein Finanz-Know-how bringe er gerne in der Öffentlichkeit ein. Früher in der Politik in Oberrieden, wo man sich kenne und er seit über dreissig Jahren mit seiner Frau – und früher mit den beiden Töchtern – lebe.

Seit zehn Jahren Stiftungsrat

Als Rodolfo Straub in der Exe­kutive tätig war, ergaben sich die ersten Kontakte zum «Widmerheim», wie die Stiftung Amalie Widmer im Volksmund immer noch heisst. Bereits vor zehn ­Jahren wurde er Stiftungsrat im Horgner Pflegeheim im Tannenbach-Quartier. In dieser Rolle half er mit, das Heim, in dem rund 110 pflegebedürftige Personen und 30 Mieter betreut werden, «von einem durch die Gemeinden defizitfinanzierten Betrieb in eine wirtschaftlich eigenständige Institution zu überführen». Als Stiftungsratspräsident Werner Richi nach 14 Jahren Ende 2017 zurücktrat, war es daher nahe­liegend, dass Rodolfo Straub das SAWH-Präsidium übernahm.

Dem Stiftungsrat gehören zehn Personen an, die über Kompetenzen in den Bereichen Finanzen, Recht, Bauwesen, Pflege usw. ­verfügen. Seit fünf Jahren leitet Manfred Prassl die gemeinnützige Institution als Geschäftsleiter.

Synergien nutzen

In seiner neuen Funktion beschäftigt Rodolfo Straub im Moment die Frage, ob die Gemeinde Horgen die Verantwortung für die stationäre Pflege im Tödiheim für rund 60 Personen auslagern wird oder ob sie weiterhin dafür verantwortlich bleibt. Die Stimmberechtigten werden im März über diese Grundsatzfrage mit zwei Varianten abstimmen.

Falls sie der Vorlage zustimmen, wird die Stiftung Amalie Widmer Horgen den Pflegeauftrag für das Tödiheim bekommen. Das sei mit dem Gemein­derat festgelegt worden. Laut Straub könnten in diesem Fall Synergien genutzt werden, was sich kostensparend auswirken würde. Er sagt: «Ich bin überzeugt, dass alle vom Bewohner wahrgenommenen Leistungen in der Pflege und Betreuung dadurch nicht ­geschmälert werden.» Hingegen würde er es als sinnvoll erachten, wenn beispielsweise die Administration oder der Einkauf von Materialien für mehrere Häuser gemeinsam möglich wäre.

Amalie Widmer muss bauen

Mittelfristig, so Straub, werde die Stiftung Amalie Widmer Horgen bauen müssen. Die jetzigen Häuser wurden 1976 erstellt und entsprechen den modernen Anforderungen eines Pflegeheimes nur noch teilweise. Gemäss ersten Abklärungen reichen bauliche Anpassungen nicht, um den angestrebten Standard zu erreichen. Straub sagt: «Unser Areal wäre gross genug, um einen Neubau zu erstellen.» Zu diesen Bauvorhaben erfolgen momentan die notwendigen Abklärungen.

Daneben geht es insbesondere darum, gute Fachkräfte zu rekrutieren. Diese seien für die Langzeitpflege schwierig zu finden. Straub setzt in der SAWH auf ­attraktive Rahmenbedingungen für die Mitarbeitenden, die sich nicht nur im Lohn ausdrückten. Als Arbeitgeber müsse man ­attraktive Projekte, Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglich­keiten oder flexible Arbeitsstrukturen anbieten.

Rodolfo mit drei o

Rodolfo Straub scheint Spass zu haben an der Herausforderung, für die er für die nächsten Jahre zugesagt hat. Je länger das Gespräch dauert, umso zugänglicher wird der neue Präsident des Hauses. Als er von seinem dreimonatigen Enkelsohn zu erzählen beginnt, huscht ein glückliches Lächeln über sein Gesicht. Wütend kann er aber auch werden, nämlich dann, wenn sein Vorname Rodolfo falsch geschrieben wird. «Rodolfo mit f und drei o», betont er. Seine Mutter stamme aus dem Bergell und habe ihn so getauft. Man solle den Namen doch gefälligst nicht verändern. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 22.01.2018, 13:54 Uhr

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