Adliswil

«Mehrjahrgangsklassen und Integration finde ich eine gute Sache»

Unter Eltern ist der integrative Unterricht in Mehrjahrgangsklassen an der Primarschule Zopf umstritten. Auch der kürzliche Abgang der Schulleiterinnen sorgte für Unmut. Nun spricht die künftige Schulleiterin.

Bernadette Herzog übernimmt als Schulleiterin die Primarschule Zopf.

Bernadette Herzog übernimmt als Schulleiterin die Primarschule Zopf. Bild: zvg

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Bernadette Herzog, Sie leiten seit knapp neun Jahren die Schule Werd in Adliswil. Wieso wollen Sie im August ins Zopf wechseln, das als schwierige Schule gilt?
Bernadette Herzog: Ich bin ja in der glücklichen Lage, dass ich mit 63 nicht mehr arbeiten müsste. Aber die Schulleitung im Zopf zu übernehmen, reizt mich. Die Erfahrungen und das Wissen, die ich mir in der Zeit im Werd angeeignet habe, kann ich dort umsetzen. Und nochmals völlig neu starten.

Wegen der Ähnlichkeit der ­beiden Schulen wird für Sie aber wohl schon vieles vertraut sein.
Ja, wie im Werd wird auch im Zopf in Mehrjahrgangsklassen unterrichtet. Und beide sind so­ge­nannte Quims-Schulen, ­haben also einen hohen Anteil an fremdsprachigen Kindern.

Eltern von Zopf-Kindern hinterfragen den Unterricht in Mehrjahrgangsklassen. Die Klassenzusammensetzung und Lehrer würden zu oft wechseln, sagen sie. Was halten Sie davon?
In der Schule Werd funktioniert der Unterricht in Zweijahrgangsklassen bestens. Ich unterstütze dieses System ganz klar. Denn die Kinder haben sowieso unterschiedliche Entwicklungsstände. ob sie in Ein- oder Zweijahrgangsklassen sind. Letzteres System ist aber geeigneter, weil es der Vielfalt entgegenkommt.

Auch die Integration von lernschwa­chen Schülern in normalen Klassen ist umstritten.
Aber auch die Integration finde ich eine gute Sache. Kinder auszuschliessen, nur weil sie in irgendeiner Weise anders sind, ist falsch. Denn im Erwachsenenleben müssen­ wir ja auch mit unterschiedlichsten Menschen auskommen.

«Klar ist, dass ich sicher nicht nur für kurze Zeit komme.»Bernadette Herzog, künftige Leiterin der Schule Zopf.

Sie werden im Zopf also jene Eltern enttäuschen, die sich eine Rückkehr zu Einjahrgangs- und Sonderklassen wünschen.
Änderungen sind nicht per se ausgeschlossen. Entscheidend ist, dass die Lehrer gemeinsam hinter dem System stehen. Wenn sie dies nicht tun, ist es zwecklos, eine Unterrichtsform durchzusetzen, die nicht unterstützt wird. Ich habe meinem künftigen Team bereits angekündigt, dass ich mit ihm über seine Ansicht diskutieren möchte.

Was werden Sie sonst tun, damit das Schiff namens Schule Zopf wieder in ruhigere Gewässer steuert?
Ich gehe die Sache unvorein­genommen an und möchte mir viel Zeit nehmen, um genau hin­zu­schauen, wo Probleme liegen könnten. Entscheidend für einen gelingenden Schulbetrieb sind Dinge wie der Stundenplan, Abläufe und Klassenbesetzungen. Und ich möchte für die Fragen der Eltern ein offenes Ohr haben.

Rund 100 Eltern kritisieren die knappe Kommunikation der Schulpflege im Zusammenhang mit der Trennung der bisherigen Schulleiterinnen. Haben Sie Verständnis dafür?
Ich fand es richtig, dass man aus personalrechtlichen Gründen keine Details über diese Trennung kommuniziert hat. Denn solche Fälle sind häufig vielschichtig. Immer­ alles an die Öffentlichkeit zu bringen, bringt nichts. Wichtig ist gegenseitiges Vertrauen.

Wichtig ist wohl auch Konstanz. In der Schule Zopf gab es zuletzt viele Wechsel. Sie sind im Sommer 63-jährig, wie lange werden Sie bleiben?
Eine Jahreszahl möchte ich nicht nennen. Es kommt natürlich dar­auf an, wie gut die Zusammenarbeit mit dem Lehrerteam funktioniert. Klar ist, dass ich sicher nicht nur für kurze Zeit komme. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 01.02.2018, 08:31 Uhr

Artikel zum Thema

Verärgerte Eltern verweigern Gespräch mit Schulpflege

Adliswil Rund 100 Eltern verlangten von der Adliswiler Schulpflege Erklärungen zum plötzlichen Abgang zweier beliebter Schulleiterinnen. Jetzt liegt ein Antwortbrief vor. In diesem lädt die Schulpflege eine Delegation von Eltern zum Gespräch ein. Doch diese schlagen das Angebot aus. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitagmorgen Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!