Wädenswil

«Man muss nur wieder lernen zu schreien wie ein Kleinkind»

Die Band Quantum hat sich den harten Tönen verschrieben. Die fünf Musiker stehen bei den SPH Music Masters im Finale und hoffen auf Auftritte an den grossen Festivals.

Die Bandmitglieder Robert Egli, Sänger, Amon Johannesson, Gitarrist, und Kay Mangold, Schlagzeuger (von links).

Die Bandmitglieder Robert Egli, Sänger, Amon Johannesson, Gitarrist, und Kay Mangold, Schlagzeuger (von links). Bild: Patrick Gutenberg

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Authentisch und grenzenlos – so beschreibt sich die Band Quantum selbst. Sänger Robert Egli sagt: «Wir sind eine Einheit aus verschiedenen Charakteren und Musikeinflüssen.» Die Metal-Band aus der Zürichseeregion, die sich lieber als Crossover-Band bezeichnet, nimmt an den SPH Music Masters teil und steht nach vier überstandenen Runden im Finale.

Am Samstag kämpft Quantum in Zürich mit elf anderen Bands um das Podest. Die SPH Music Masters finden in 70 Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz statt. «Unser Ziel ist es, die Jury und das Publikum zu überzeugen und den ersten Platz zu machen», sagt Gitarrist Amon Johannesson. Am Wettbewerb zählen die Stimmen des Publikums und der Jury nämlich zu jeweils 50 Prozent. Am Contest nimmt die Band aber auch teil, um eine Chance in der Musikszene zu erhalten.

Die fünf Musiker meinen es ernst. «Oft wird man etwas belächelt, und die Leute glauben, wir machen nur zum Spass Musik», sagt Kay Mangold. Doch neben seinem 100-Prozent-Job als Automechaniker übt der Schlagzeuger täglich für Quantum. Dazu kommen einmal pro Woche die Probe mit der ganzen Band und organisatorische Arbeiten. Bei den anderen vier Bandmitgliedern sieht es ähnlich aus. «Das ist richtig viel Arbeit», sagt der 21-Jährige. Entweder man findet es cool und lässt sich ein, oder man lässt es besser ganz bleiben, so lautet die Devise von Quantum.

Und so tönt Quantum:

Mehr als Geschrei

Quantum ist seit Mai 2018 in der aktuellen Besetzung unterwegs. Die Band hat sich mehrmals verändert. Einzig Schlagzeuger Kay Mangold und der Gitarrist Stefan Kostic sind der Band seit 10 Jahren erhalten geblieben. Sänger Robert Egli bewegte sich früher in den Genres Musical und Klassik, ehe er von der Band angefragt wurde, ob er als Frontmann einsteigen wolle. Angesprochen auf die Belastung seiner Stimme, erklärt er: «Als Erwachsener muss man nur wieder lernen zu schreien wie ein Baby, dieses macht ja seine Stimme auch nicht kaputt. Oder haben Sie schon mal ein heiseres Kleinkind gehört?»

Gitarrist Amon Johannesson hingegen hatte bereits in einer Band gespielt, kannte Metal jedoch weniger. «Als ich das erste Mal an die Probe kam, war ich überfordert von dem Geschrei und dem wilden Rumgespringe.» Der Wendepunkt bei Johannesson kam, als er verstanden hatte, dass die Texte eine tiefere Bedeutung haben und die Musik voller Emotionen ist. «Seit diesem Zeitpunkt bin ich voll dabei. Die Energie, die sich im Publikum entwickelt, ist für mich das Schönste auf der Bühne», sagt der 24-Jährige.

Dem eigenen Ruf nachjagen

Der Bandraum – ein Bunker mit vielen Pizzakartons, 90er-Jahre-Sofa und Teppich – wurde in den letzten zwei Wochen stark beansprucht. Unter dem Boden des Schulhauses Untermosen in Wädenswil hat die Band seit Weihnachten neue Lieder geschrieben. «Wir inspirieren uns an eigenen Schicksalsschlägen, versuchen jedoch Distanz und Objektivität zu bewahren», erklärt Sänger Robert Egli. Jeder lebe in einer gewissen Blase, wenn diese platze, mache das orientierungslos – dieses Gefühl biete sich beispielsweise gut als Songgrundlage an.

«Wir wollen die Leute zum Denken anregen. Sie sollen die Sachen hinterfragen»Robert Egli

Und auch gesellschaftskritische Themen oder die Digitalisierung lassen Quantum in ihre Songs einfliessen. «Wir wollen die Leute zum Denken anregen. Sie sollen die Sachen hinterfragen», erklärt der Sänger. Die vergangenen zwei Wochen im Bandraum waren durchstrukturiert. Auch das Proben für das Finale der SPH Music Masters am kommenden Samstag stand auf dem Programm.

Bisher hat die junge Band vier Singles veröffentlicht. In den kommenden Monaten sollen die neuen Songs im Studio aufgenommen und Musikvideos gedreht werden. Das Ziel: im nächsten Jahr auch an grösseren Festivals aufzutreten und die Schweizer Musikszene aufzumischen. «In der Metal-Szene jagen die Leute ihrem eigenen Ruf nach, und man versucht zurzeit immer noch düsterer zu werden. Dabei verliert man ganz die Innovation aus den Augen. Wir wollen wieder anders sein und den Leuten etwas Neues bieten», sagt Johannesson.

Erstellt: 08.01.2020, 20:34 Uhr

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