Langnau

Lustvolle Dreiecksgeschichte mit Tiefgang

Die Wahl der Winter-Eigenproduktion des Turbine-Theaters fiel diesmal auf «Ingeborg», das Lustspiel von Curt Goetz. Die Premiere bot allerbeste Unterhaltung.

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Normalerweise hätte Peter Niklaus Steiner, der Gründer und Leiter des Turbine-Theaters, am Donnerstagabend die eintreffenden Gäste herzlich begrüsst. Doch für die Premiere von «Ingeborg» sass er in der Maske, spielt er doch im Stück den Butler mit dem sprechenden Namen Herr Konjunktiv. «Es wäre angerichtet», pflegt er jeweils den Herrschaften mitzuteilen.

Auf dem Menu steht im Turbine-Theater eine der zwei Eigenproduktionen des Hauses. Geboten wird «Ingeborg», eine Komödie von Curt Goetz aus dem Jahr 1921. Herrin des Hauses ist Frau Ingeborg, ein zauberhafter Wirbelwind. Sie fängt im Turbine-Theater auf der als Gartenlaube gestalteten Bühne mit kuschelweichen Sofa auch mal Fliegen, mit denen sie einen Frosch in einem Terrarium verköstigt.

Zum Mann einen Liebhaber

Ob der Frosch wohl ein verwandelter Prinz ist, den Ingeborg wachküsst? Dem ist nicht so, als Prinz erweist sich vielmehr der ihr bislang unbekannte, plötzlich eintreffende Besucher namens Peter Peter. Nun nimmt das amouröse Geschehen rasch Fahrt auf. Es stellt sich heraus, dass Peter Peter eigentlich seit ihrer Jugendzeit Ingeborgs Mann der Träume ist.

Sie macht ihm in der Folge Avancen, die den tugendhaften Heisssporn fast zur Verzweiflung bringen. Zum einen gesteht er ihr seine abgöttische Liebe, zum andern weigert er sich standhaft, den Ehebrecher zu geben. Die Angebetete ist ebenfalls hin- und hergerissen, liebt sie doch ihren Ehemann Ottokar, ein eher besonnen denkender Herr Doktor, ebenfalls.

Die Lage wird umso verzwickter, als die beiden Männer keine Gelegenheit auslassen, sich ihrer gegenseitigen Wertschätzung zu versichern. Guter Rat ist teuer. Ingeborg holt ihn sich bei ihrer ebenserfahrenen Tante Ottilie, einer Frau mit spitzer Zunge. Sie stellt die Frage verklausuliert: Was ist zu machen, wenn eine Frau zwei Männer liebt? «Den Ehemann behalten, weil er reich ist, und mit dem andern eine Liebschaft eingehen», lautet die pragmatische Antwort von Ottilie.

Starkes Ensemble

Mit der Fortdauer des Stücks steigt die Spannung, wie die Dreiecksgeschichte ausgehen würde. Der subtile Humor des Stücks wird noch köstlicher, weil die von Herrn Konjunktiv kredenzte, durchaus Alkohol enthaltende Beeren-Bowle die Zungen löst – wohlgemerkt ohne dass Sitte und Anstand verletzt würden. «Auf Ihr Wohl» heisst es korrekt für Peter Peter, der seine Abreise angekündigt hat. Der Liebhaber wird nicht abreisen – soviel sei verraten. Das letzte Wort hat schliesslich Herr Konjunktiv. Er spricht es im Indikativ aus.

Das Stück ist gut gewählt worden. Die Sprache von Curt Coetz kommt feinfühliger Poesie gleich. Und «Ingeborg» wird im Turbine-Theater überzeugend umgesetzt. Das hängt vor allem mit den Schauspielerinnen und Schauspielern zusammen, deren professionelle Ausbildung an renommierten Schauspielschulen zum Tragen kommt.

Ingeborg wird gespielt von der Zürcherin Jacqueline Vetterli. In den Rollen von Peter Peter und der Tante Ottilie sind die beiden in Langnau wohnhaften Nico Jacomet und Irina Schönen zu sehen. Frank Bakker alias Ottokar lebt in Obfelden im Bezirk Affoltern. Sie alle nahmen wie auch der Langnauer Peter Niklaus Steiner nach der Premiere vor vollem Haus schon fast enthusiastische Gratulationen entgegen.

Weitere Vorstellungen: Jeweils um 20 Uhr, an Sonntagen um 17 Uhr, Januar: 19., 20., 24., 25., 26., 27. – Nach den Sportferien. Februar: 28. – März: 1., 2., 3., 6., 7., 8.. – Tickets und Infos: www.turbinetheater.ch. Vorverkaufsstelle: Albis Drogerie Langnau, Neue Dorfstr, 20 a. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 18.01.2019, 16:45 Uhr

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