Langnau

Lokale Verankerung schlägt grosse politische Erfahrung

Der bisherige Finanzvorstand Reto Grau (FDP) wurde am Sonntag zum neuen Gemeindepräsidenten gewählt. Sein Konkurrent Beat Husi (CVP) schaffte den Sprung in den Gemeinderat mit einem Glanzresultat.

Reto Grau freute sich am Sonntag zusammen mit seiner Familie über den Wahlerfolg

Reto Grau freute sich am Sonntag zusammen mit seiner Familie über den Wahlerfolg Bild: Patrick Gutenberg

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Geduld war gefragt am Sonntag in Langnau. Normalerweise kann man die Resultate an einem Wahlsonntag ab 15 Uhr erwarten. Dann sollten alle Stimmen ausgezählt sein. Dementsprechend treffen sich die Mitglieder der Parteien jeweils am frühen Abend.Während aber die Resultate der Kommunalwahlen aus Rüschlikon und Kilchberg publiziert wurden, verschob die Gemeinde Langnau den Termin über den Nachmittag hindurch immer wieder nach hinten.

Erst kurz nach 19 Uhr war klar, dass der bisherige Finanzvorstand Reto Grau (FDP) den Kampf ums Langnauer Gemeindepräsidium gegen Beat Husi (CVP) gewonnen hat. Bei einer Stimmbeteiligung von rund 48 Prozent erhielt Grau 944 Stimmen, Husi deren 792.

Als Erster im Restaurant

Warum die Auszählung so lange gedauert hat, konnte schliesslich weder Gemeindeschreiber Adrian Hauser noch der amtierende Gemeindepräsident Peter Herzog (CVP) abschliessend sagen. Es seien keine Komplikationen aufgetreten und man habe genügend Personal zur Verfügung gehabt. Als Gründe blieben schliesslich die hohe Stimmbeteiligung durch die No-Billag-Initiative und die Kampfwahlen, die bis hinunter in die Kommissionen reichten, übrig.

Dennoch, die lange Wartezeit zerrte an den Nerven der beiden Kandidaten. Die CVP versammelte sich im Restaurant Wildnispark. Beat Husi traf um 16 Uhr als erstes aller CVP-Mitglieder ein. «Die lange Wartezeit war nicht angenehm», sagte er. Durch seine lange politische Erfahrung als Zürcher Staatsschreiber war dies aber nicht die erste Abstimmung, die er miterlebte. «Darum konnte mich die Situation auch nicht aus der Ruhe bringen.»

Schliesslich rief der amtierende Gemeindepräsident und Parteikollege Peter Herzog an und verkündete das Resultat. Beat Husi stellte dabei sein Handy auf Lautsprecher, damit alle mithören konnten. «Ich bin einerseits enttäuscht, dass ich den Sprung ins Präsidium nicht geschafft habe», sagt Husi. «Auf der anderen Seite habe ich als Neueinsteiger in die Langnauer Exekutive ein sehr gutes Resultat erzielt.» Beat Husi hat für den Gemeinderat 1345 Stimmen erhalten. Damit hat er besser abgeschnitten als alle bisherigen Gemeinderäte, die wieder angetreten sind – ausser Reto Grau. Dieser hat 1622 Stimmen erhalten.

Der grosse Sieger des Tages war damit Reto Grau. Er feierte den Erfolg zusammen mit seinen Parteikollegen im Restaurant Szenario. Aber auch hier drückte das lange Warten zeitweise auf die Stimmung. «Irgendwann wurde man dann schon etwas nervös», sagte Grau.

Ein Tag nach Wunsch

Der erlösende Anruf kam schliesslich von FDP-Parteipräsident Urs Mettler, der als Stimmenzähler im Gemeindehaus aktiv war. Als er verkündete, dass Reto Grau neuer Langnauer Gemeindepräsident sei, brachen alle Dämme – die Politiker und die Familienangehörigen fielen sich in die Arme. «Ich bin sehr glücklich über das Resultat», sagte Reto Grau. Auch deshalb, weil der Stimmanteil so hoch gewesen sei. Für ihn sei der Tag nach Wunsch verlaufen. Er habe das Präsidium erhalten, sein Konkurrent Beat Husi sei aber zumindest in den Gemeinderat gewählt worden – «nun können wir in der Exekutive von seiner Erfahrung profitieren».

Erstellt: 05.03.2018, 08:53 Uhr

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