Kilchberg

Lindt & Sprüngli: US-Tochter versalzt süsses Ergebnis

Trotz Einbussen im Nordamerika-Geschäft hat Lindt & Sprüngli im ersten Halbjahr Umsatz und Gewinn erhöht. Das süsse Ergebnis wird aber durch die Probleme bei der Neuausrichtung der US-Tochter Russell Stover leicht bitter.

Kilchberger Schokoldenhersteller wirtschaftet unter den Erwartungen der Experten: Das etwas geringer ausgefallene Umsatzwachstum führte am Dienstagmorgen zu einem Einbruch der Lindt & Sprüngli Aktie.

Kilchberger Schokoldenhersteller wirtschaftet unter den Erwartungen der Experten: Das etwas geringer ausgefallene Umsatzwachstum führte am Dienstagmorgen zu einem Einbruch der Lindt & Sprüngli Aktie. Bild: Keystone

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Lindt & Sprüngli hat im ersten Halbjahr 2017 noch nicht zu seiner Wachstumsstärke zurückgefunden, die das Unternehmen im letzten Jahr ausgezeichnet hatte. Die Wachstumszahlen fielen durchwegs bescheidener aus, sowohl was den Umsatz als auch den Gewinn betrifft.Der weltweit führende Hersteller von Premiumschokolade aus Kilchberg hat im ersten Semester unter dem Strich 76,3 Mio. Franken verdient, 5,7 Prozent mehr als in der entsprechenden Vorjahresperiode. Der operative Gewinn (Ebit) stieg um 6,7 Prozent auf 105,0 Millionen. Beim Umsatz legte Lindt & Sprüngli um 3,1 Prozent auf 1,5 Mrd. Franken zu. Das entspricht einem organischen Wachstum von 3,6 Prozent. Für das erste Halbjahr 2016 waren es 6,6 Prozent gewesen.

Allerdings gibt es gute Gründe für das Nachlassen der Wachstumsdynamik bei Lindt & Sprüngli, auch wenn diese bereits für das vergangene Jahr Bestand hatten: So blieben die Rahmenbedingungen im ersten Halbjahr 2017 für die gesamte Industrie äusserst schwierig, wie das über 170-jährige Unternehmen am Dienstag mitteilte. Zudem machten der Branche stagnierende bis nur leicht wachsende Schokolademärkte, eine weitreichend verhaltene Konsumentenstimmung und Veränderungen in der Handelslandschaft zu schaffen.

Positiver Heimmarkt

Ungnädig auf den Zahlenkranz reagierte am Dienstag der Aktienmarkt. Die Valoren von Lindt & Sprüngli gaben um bis zu sechs Prozent nach, erholten sich aber danach. Mit einem Umsatzplus von 3,6 Prozent blieb die Avance bei Lindt & Sprüngli deutlich hinter den Prognosen der Analysten zurück. Zu denken gab, dass sich das Unternehmen in seiner Berichterstattung zu einer Reduktion der Wachstumsprognosen für das Gesamtjahr veranlasst sah. Vergessen geht dabei, dass Lindt & Sprüngli in den ersten sechs Monaten — wie üblich — schneller gewachsen ist als der Schokolademarkt und Marktanteile hinzugewonnen hat. Zudem verläuft das erste Halbjahr traditionell schlechter.

Der Schweizer Heimatmarkt verzeichnete ein positives Umsatzresultat. Und dies «ungeachtet des anhaltenden Einkaufstourismus in die Nachbarländer und zunehmender Expansion der Hard-Discount-Ketten im eigenen Land». Das Segment Europa erwirtschaftete einen Umsatz von 759,8 Mio. Franken, was einem Wachstum von 6,0 Prozent entspricht.

Einziges, dafür umso gewichtigeres Sorgenkind von Lindt & Sprüngli bleibt Nordamerika, der frühere Wachstumsmotor der Industriegruppe. Hier werden fast 40 Prozent des Konzernumsatzes erwirtschaftet. Das Ergebnis in dem Schlüsselmarkt wurde von Russell Stover belastet, dem 2014 akquirierten Praliné-Hersteller aus Kansas City. Dabei handelt es sich um die grösste Akquisition in der Firmengeschichte von Lindt & Sprüngli. Die Übernahme liessen sich die Kilchberger rund 1,4 Mrd. Dollar kosten. Die Neuausrichtung von Russell Stover benötigt nach Angaben von Lindt & Sprüngli mehr Zeit als erwartet. Ohne Berücksichtigung von Russell Stover, dessen Umsatz im schwierigen US-Schokolademarkt rückläufig ist, entspricht der Umsatzzuwachs von Lindt & Sprüngli für die ersten sechs Monate einem Plus von 6,6 Prozent — gleich gut wie im Vorjahr.

Ladennetz wird immer dichter

Weiter vorangetrieben hat Lindt & Sprüngli im Berichtszeitraum den stürmischen Expansionskurs beim Aufbau des weltweiten eigenen Ladennetzes. Mehr als 20 Neueröffnungen in Japan, Kanada und Europa standen auf dem Programm. Das weltweite Ladennetzwerk umfasst damit inzwischen über 390 Shops.

Auch für das zweite Halbjahr plant Lindt & Sprüngli nach eigenen Angaben zahlreiche Neueröffnungen, sodass die Zielsetzung von 30 neuen Läden für das Geschäftsjahr 2017 übertroffen werden sollte. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 25.07.2017, 10:06 Uhr

Produktion von Brand nicht beeinträchtigt

Von den 13 000 Mitarbeitenden bei Lindt & Sprüngli arbeiten rund 1000 am Hauptsitz in Kilchberg. Hier war am 11. Juli ein Brand ausgebrochen, der zur Evakuation des betroffenen Gebäudes führte. Elf Personen wurden vor Ort medizinisch untersucht; davon mussten zwei Personen mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung ins Spital. Wie die Medienstelle von Lindt & Sprüngli gestern auf Anfrage erklärte, kam es durch einen technischen Defekt zu einer Überhitzung einer Röst-Maschine und nachfolgend zu einem Brand in einem Nebengebäude (Nussrösterei) des Fabrikgebäudes.

Der Röster sei durch den Brand stark beschädigt, aber bereits am nächsten Tag mit den Partnern von Lindt & Sprüngli begutachtet worden. Der Ausfall der Maschine werde mit einem zweiten, intakt gebliebenen Röster kompensiert. Der Sachschaden beträgt mehrere zehntausend Franken. Die Schokoladeproduktion wurde durch die Evakuierung zwar kurz unterbrochen, blieb aber den Angaben zufolge vom Feuer unbeeinträchtigt.(ths)

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