Zum Hauptinhalt springen

Leichte Strafreduktion für Drogenkurier

Ein 44-jähriger Mazedonier muss sechs Jahre ins Gefängnis. Die Oberrichter sahen es als erwiesen an, dass er in einem Zusatztank 20 Kilo Heroin in die Schweiz transportiert hat. Eine zweite Fahrt kann nicht bewiesen werden.

Bis zu 20 Kilogramm Heroin schmuggelte ein Mann von Mazedonien in die Schweiz.
Bis zu 20 Kilogramm Heroin schmuggelte ein Mann von Mazedonien in die Schweiz.
Symbolbild, Kapo ZG

20 Jahre lang ging alles gut für den Neuankömmling in der Schweiz. Als 16-Jähriger folgte der Mazedonier seinem Vater, der schon lange in der Schweiz arbeitete. Nach einer Anlehre in einer Uhrenfirma ging es mit der Karriere steil voran.

Doch als es der Firma schlechter ging, habe er ein Burnout erlitten, sagte der albanisch-stämmige Mazedonier gestern am Zürcher Obergericht. Gearbeitet hat er seither nicht mehr. Gelebt habe er mit Geld vom Sozialamt und dem Lohn der Lebenspartnerin. Gelegentlich habe er Autos nach Mazedonien verkauft. Die Staatsanwaltschaft nimmt ihm das nicht ab. Den «luxuriösen Lebensstil», unter anderem den Besitz von drei Autos, soll sich der Mann als Drogenkurier verdient haben.

Ein Abnehmer in Langnau

Zwei Fahrten wurden ihm konkret zur Last gelegt, beide im Herbst 2014. Bei der ersten soll die Menge zwischen zwei und 20 Kilogramm Heroin betragen haben. Beim zweiten Mal soll er in einem Zusatztank fast 20 Kilo Heroingemisch dabei gehabt haben.

20 Kilo, wovon fast die Hälfte reines Heroin war, ist keine vernachlässigbare Menge mehr. Abnehmer war ein Landsmann in Langnau, ein alter Bekannter des Beschuldigten. Dieser hatte wiederum Kontakt mit einem verdeckten Ermittler. Eine Überwachungskamera zeigt, wie der 44-Jährige mit einem Mercedes AMG, ein ziemlich luxuriöser Drogentransporter, nach der zweiten Fahrt beim Dealer in Langnau vorfuhr. Der Zusatztank wurde ausgebaut, der Dealer kontaktierte seine Abnehmer, darunter den verdeckten Ermittler. Letzterer kaufte einen Teil der Drogen. Das Geld tauchte später beim Beschuldigten auf. Er behauptet, das Geld bekommen zu haben, weil der Dealer sein Auto verkaufen sollte.

Realitätsfremde Aussagen

An der Verhandlung schwieg der Beschuldigte zu den Vorwürfen. Nur im Schlusswort meinte er, dass diese nicht der Wahrheit entsprechen würden. Sein Verteidiger beharrte darauf, dass vieles, was die Staatsanwaltschaft vorgebracht hat, nicht verwertbar sei. Beweise, dass sein Mandant als Drogenkurier gearbeitet habe, gebe es keine, nur Indizien. Die Indizienkette sei lückenhaft. Das Auto sei vorher im Besitz eines Kollegen des Dealers gewesen, der für diesen gearbeitet habe. Das erkläre die Drogenspuren im Zusatztank. Zudem habe der Dealer einen anderen Mann als Kurier bezeichnet und den Beschuldigten entlastet.

Die Richter anerkannten, dass die Beweise nicht ausreichten, um dem Beschuldigten die erste Fahrt nachzuweisen. Dass sie nach demselben Muster ablief, sei nicht Beweis genug. Bezüglich der zweiten Fahrt habe der Beschuldigte aber zu widersprüchlich und realitätsfremd ausgesagt. Das angebliche Motiv für die Reise nach Mazedonien, Verwandtenbesuche und Passerneuerungen, nahmen sie ihm nicht ab. Was die Einwürfe des Verteidigers zur Verwertbarkeit betrifft, hielt sich das Gericht an die Vorinstanz, welche alle abgeschmettert hatte. Gegenüber dem Urteil von sieben Jahren in Horgen reduzierten die Oberrichter die Freiheitsstrafe um ein Jahr. Seit gut zweieinhalb Jahren sitzt er bereits im Gefängnis. Um seine vierköpfige Familie zu vergrössern, eines seine Zukunftsziele, muss sich der Mazedonier also noch ein paar Jahre gedulden.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch