Bezirksgericht Horgen

Langnauer muss wegen Stalkings hinter Gitter

Ein 36-Jähriger dreht durch, weil ihm seiner Meinung nach sein Sohn vorenthalten wird. Er beschuldigt die Kindsmutter des Missbrauchs. Nun musste er sich vor Gericht verantworten.

Ein 36-Jähriger wurde am Bezirksgericht Horgen wegen Nötigung und falscher Anschuldigung verurteilt.

Ein 36-Jähriger wurde am Bezirksgericht Horgen wegen Nötigung und falscher Anschuldigung verurteilt. Bild: Manuela Matt

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Diese Geschichte kennt nur Verlierer. Ein Paar trennt sich kurz nach der Geburt des gemeinsamen Sohnes. Das Kind wächst bei seiner Mutter auf, der Vater hat keinen Kontakt zu ihm. Der Fall ist schon familienrechtlich kompliziert, mehrere Verfahren sind hängig. Am Donnerstag musste er auch noch strafrechtlich beurteilt werden. Die Anklageschrift liest sich wie ein typischer Fall von Stalking: Frau trennt sich von Mann, Mann erträgt das nicht und tut alles, um ihr das Leben schwer zu machen.

Aus der Sicht des 36-jährigen Langnauers ist alles ganz anders. Die Böse in der Geschichte ist seine Ex-Freundin, die ihm den Sohn vorenthalte und ihn so von ihm entfremde. Missbrauch und Misshandlung nennt er das. Entscheidende Bezeichnungen, denn in Schreiben, die er an die Kesb, das Verwaltungsgericht Zürich und den Bezirksrat geschickt hat, fallen diese Worte immer wieder. Etwa «Kindsmisshandlung und Kindsmissbrauch gegenüber dem Kind durch die Kindsmutter» oder «es wird weiterhin massive Gewalt an ihm ausgeübt, misshandelt und missbraucht».

Pflichtverteidiger des Sohns

Nach Ansicht des Staatsanwaltes bezichtigt der Vater seine Ex-Partnerin so der einfachen Körperverletzung. Später nutzte er die Worte Missbrauch und Misshandlung auch in sieben Telefongesprächen mit Kantonspolizisten. Das hatte dramatische Folgen: Da der Verdacht auf Missbrauch im Raum stand, rückte die Polizei mehrfach in der Wohnung der Mutter an.

Vor Gericht schweigt der Beschuldigte auf die Fragen des Richters. Er habe schon alles in der Untersuchung gesagt. Beruflich bezeichnet er sich als Pflichtverteidiger seines Sohnes. Geld bekommt er dafür natürlich nicht. Er bezieht Sozialhilfe.

Gerangel um Besuche

Seiner Verteidigerin ist es überlassen, das Verhalten des 36-Jährigen zu erklären. Mit Missbrauch meine er einzig die Entfremdung zwischen ihm und seinem Sohn. Daran sei die Mutter schuld, die keinen Kontakt zulasse. Der Anwalt der Mutter wirft ein, dass er ja seinen Sohn hätte besuchen können, aber nicht mit den Bedingungen einverstanden war. Auch die Frage der Modalitäten der Besuche ist noch hängig.

Die falschen Anschuldigungen sind nicht alles, was dem Langnauer vorgeworfen wird, der mit einem halben Dutzend Ordnern voll Dokumenten am Prozess erschienen ist. In einem «Stalking-Tagebuch» hat die Ex-Partnerin festgehalten, wie oft er bei ihr unerwünscht aufkreuzte. So habe er ihr gemäss den Einträgen am Valentinstag Blumen gebracht oder passte sie am Spielplatz ab.

Rayonverbot ignoriert

Selbst nachdem ein Rayonverbot ausgesprochen worden war, soll er noch beim Wohnort der Mutter gewesen sein. Diese übertreibe völlig, so die Verteidigerin. Die Anklage spreche von 20 Begegnungen pro Monat. Doch im «Stalking-Tagebuch» stünden nur wenige Einträge pro Monat. Es sei normal, dass Stalkingopfer nicht alles eintragen, hält der Anwalt der Mutter dagegen.

Die Verteidigerin zweifelt alle Begegnungen an. Es gebe keine Beweise, nur die Aussagen der Mutter, die ihn als bösen Stalker darstellen wolle, um ihm den Sohn vorzuenthalten. Sie verlangt einen Freispruch. In seinem Schlusswort sagt der Beschuldigte, es sei sein schlimmster Albtraum, vor Gericht zu stehen. Er werde für etwas beschuldigt, das er nicht getan habe. Er wolle nur seinen Sohn schützen.

Am Bezirksgericht blitzt der 36-Jährige ab. Er wird zu den geforderten neun Monaten Freiheitsstrafe bedingt verurteilt. Unter anderem wegen Nötigung und falscher Anschuldigung. Die Probezeit setzt der Richter auf vier Jahre an. Auch eine Busse von 2000 Franken setzt es ab. Der Richter stimmt zu, dass die Angelegenheit familienrechtlich geklärt werden sollte. Doch der Beschuldigte habe sich eben strafbar gemacht. Er habe die Kindsmutter zu Unrecht einer Straftat beschuldigt. Die Entfremdung sei etwas anderes. Das Urteil kann ans Obergericht weitergezogen werden.

Erstellt: 19.04.2019, 18:06 Uhr

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