Langnau

Langnau erhöht Steuern und findet Platz für die neuen Flüchtlinge

An der Gemeindeversammlung hat der Souverän den Steuersatz um zwei Prozentpunkte auf neu 99 Prozent erhöht. Die Gemeinde öffnet zudem wie bereits während des Kosovokriegs die Zivilschutzanlage für die neu zugeteilten Flüchtlinge.

In der Zivilschutzanlage Schwerzi sollen die zusätzlichen Flüchtlinge vorübergehend schlafen können.

In der Zivilschutzanlage Schwerzi sollen die zusätzlichen Flüchtlinge vorübergehend schlafen können. Bild: Manuela Matt

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Der Langnauer Finanzvorstand Reto Grau (FDP) hat sich geirrt. «Sparen polarisiert, das werden wir heute Abend sehen», sagte er am Donnerstag zu Beginn der Gemeindeversammlung in der Schwerzi, als er das Budget für das kommende Jahr präsentierte. Denn jeder Gemeinderat hatte die Aufgabe, das Sparpotenzial in seinem Ressort für das Jahr 2016 aufzuzeigen.

Der von Grau erwartete Widerstand zu einzelnen Punkten blieb jedoch aus. Der einzige grössere Posten, der im nächsten Jahr nicht gestrichen werden darf, ist das zweite Klassenlager pro Klassenzug für insgesamt 29 000 Franken. Fast einstimmig setzten sich die 280 Anwesenden dafür ein, dass der Posten im Budget bleibt, den Schulpräsidentin Dora Murer gerne aus Kostengründen gestrichen hätte. Das war keine Überraschung. Der Widmerrat und das Wolfgraben-Elternforum haben mittels Brief die Eltern mobilisiert, um entsprechend zu erscheinen und abzustimmen. Genau so machten es auch die Vereine, die damit eine Beitragskürzung um fünf Prozent verhindern konnten.

Den wohl schönste Sieg am gestrigen Abend durfte aber Werner Zuber verbuchen. Der Gemeinderat wollte als Sparmassnahme den Beitrag an die «Langnauerpost» um 2000 Franken kürzen. Als einziger fester Mitarbeiter des zweimal im Jahr erscheinenden Blattes, das sich mit der Vergangenheit des Dorfes befasst, hatte Zuber keine feste Basis hinter sich, auf die er bei der Abstimmung zählen konnte. Dass die Stimmberechtigten dennoch den Posten aus den Sparmassnahmen strichen, war gleichzeitig eine Wertschätzung gegenüber Werner Zuber und seiner vielfach ehrenamtlichen Arbeit.

Fast 900 000 Franken Verlust

Um die laufenden Kosten besser decken zu können, beantragte der Gemeinderat eine Steuerfusserhöhung um zwei Prozentpunkte auf neu 99 Prozent. Denn obwohl die Gemeinde Sparwillen zeigt, prognostizierte Finanzvorstand Grau für die kommenden Jahre weitere Defizite. Für das kommende Jahr beispielsweise rechnet er mit einem Verlust von 891 600 Franken. Eine Erhöhung der Steuern erachtete er deshalb als zwingend. Der Souverän folgte dem Finanzvorstand und gewährte die Erhöhung fast einstimmig.

Mit Spannung erwartet wurde zum Schluss das kurze Referat von Sozialvorstand Lorenz Rey (SP). Wie die ZSZ am Mittwoch publik machte, hat Langnau ein Problem, die 15 zusätzlichen Flüchtlinge unterzubringen, die der Gemeinde aufgrund der erhöhten Quote vom Kanton im Januar zugewiesen werden. Lorenz Rey stellte für die Gemeindeversammlung neue Informationen zur Problematik in Aussicht. Und er konnte bereits eine vorübergehende Lösung präsentieren. «Wie bereits während des Kosovokriegs werden wir die Flüchtlinge in der Asylunterkunft Schwerzi unterbringen», sagte Rey. Auf dem Vorplatz würden in nächster Zeit zwei Container aufgestellt, damit die Ankömmlinge zusätzlich einen Aufenthaltsraum mit Tageslicht zur Verfügung hätten. Dies sei aber keine langfristige Lösung, sagte der Sozialvorstand, da sich die Wohnweise insbesondere für Familien nicht eigne. «Wir prüfen daher weiter andere Lösungen.» Beispielsweise wolle man versuchen, die Scheune bei der Schwerzi zu einer Asylunterkunft umzugestalten. Für die Wohncontainer sowie für die Pläne mit der Scheune hat die Gemeinde bereits die Bauausschreibungen publiziert.

Erstellt: 10.12.2015, 23:49 Uhr

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