Meilen/Horgen

Ländlermusik in frischem Gewand

«Gläuffig» ist der Bandname jener Formation, die am Festival «Musig am Zürisee» den Konzertreigen auf der Fähre eröffnete. Es ertönte ein meisterhafter Mix aus Volksmusik und Jazz.

In einem speziellen Ambiente – mitten auf der Fähre zwischen Horgen und Meilen – musizierte die Band «Gläuffig».

In einem speziellen Ambiente – mitten auf der Fähre zwischen Horgen und Meilen – musizierte die Band «Gläuffig». Bild: Sabine Rock

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Es sei vorweggenommen: Die traditionelle Ländlermusik beherrscht das Innerschweizer Quartett «Gläuffig» aus dem Effeff. Klarinettist Matthias Landtwing, Fränggi Gehrig am Akkordeon, Pianist Lukas Gernet und Pirmin Huber am Kontrabass legten am Dienstagabend auf der Fähre «Meilen» mit «Danke Carlo» los. Komponiert hat das Stück Fritz Dünner, einer der Protagonisten der Schweizer Volksmusik.

Der Dank an den Ländlerkönig Carlo Brunner mit Küsnachter Wurzeln erklang im 2/4-Takt allegro, also rasch und munter, und vom ersten Ton an wurde offensichtlich, dass sehr begabte Musiker auf der Bühne standen. Das Stück dauerte nahezu so lang wie die Fahrzeit von Meilen nach Horgen. Die Zeit verging dabei wie im Fluge.

Ein kleiner voller Saal

Rund 80 Konzertbesucher hatten sich eingefunden und füllten den kleinen Saal auf dem Oberdeck bis fast auf den letzten Platz. Noch vor dem Anlegen in Horgen intonierte die Combo «Guet Gäll!» eine Eigenkomposition des Pianisten Gernet. Das Stück gab vor, wie die Reise musikalisch weiterging. «Gläuffig» spielte nun nicht mehr geläufige Ländlermusik, sondern erweiterte das Genre der Volksmusik mit Elementen aus dem Jazz.

Huber zupfte den Bass auf der ganzen Länge des bundlosen Griffbretts und brach das Betonungsschema eines Taktes mittels Synkopen auf. Gernet zog ebenfalls alle Register seines Könnens. Was Klarinettist Landtwing und Gehrig am Akkordeon ihrerseits dem begeisterten Publikum an virtuosem Spiel boten, war hohe Schule. Alle Musiker hielten dabei ihre Blicke meist auf den Notenblättern. Was nach Improvisationskunst tönte, wurde offenbar abgelesen.

Urbanes Umfeld

Mit der Volksmusik waren die vier Künstler im Elternhaus von klein auf vertraut, ehe sie als Profimusiker zum Spagat zwischen Tradition und Innovation ansetzten. Sie schlossen an der Hochschule Luzern – Musik in Volksmusik, Jazz, Klassik und Komposition – ab. «Dem urbanen Umfeld in Luzern, der renommierten Musikstadt, haben wir uns gerne angeschlossen», sagte Landtwing vor dem Konzert. Die Band bestritt ihren Auftritt denn auch im Casual Look, und auf der Homepage glaeuffig.ch geben sich die knapp über 30-Jährigen schon fast ein rockiges Image.

Weniger angetan sind sie, wenn jemand ihre Musik als «moderne Volksmusik» bezeichnet. Das Wort «modern» hat für sie einen etwas faden Beigeschmack. Er würde ihre Musik als «entwickelte Volksmusik» bezeichnen, sagte Gehrig. Als Erneuerer, die Volksmusik mit Jazz verbanden, möchte sich die Gruppe ebenso wenig bezeichnen. «Es gibt auch bei anderen Formationen einen Trend in diese Richtung», meinte Gehrig. Als Vorreiter dieser Stilrichtung lässt er «Gläuffig» aber gelten. Bleibt anzufügen, dass diese Art von Livemusik einiges, auch kommerzielles Potential in sich birgt.

Lob vom Festivalleiter

«Gläuffig» setzte das spannende rund 90-minütige Konzert mit herkömmlichen und vom Jazz geprägten Ländlern fort, bis zur finalen Fahrt nach Meilen und Horgen. Klavier und Kontrabass liessen Klarinette und Akkordeon etwas mehr Spielraum für Soli, mal erklangen ebenso sanfte, fast bluesige Töne, ehe die Instrumente wieder zu einem klangvollen Ganzen verschmolzen.

Die Stimmung an Bord blieb bestens, sowohl bei den Musikern als auch bei den Gästen. Die Band heimste ein spezielles Lob von Festivalleiter Thomas Bernold ein, der den Stil von «Gläuffig» auf den Punkt brachte: «Immer, wenn man erwartete, es kämen weitere, gekonnt gespielte konventionelle Passagen, ging es schön jazzig weiter.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 22.05.2019, 16:32 Uhr

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