Wädenswil

«Kurzfristiges Denken in Schulbelangen schockiert mich»

Sie wirkt ruhig und überlegt. Geht es jedoch darum, sich für benachteiligte Menschen einzusetzen, dann wird Beatrice Gmür (SP) energisch. Deshalb ist sie in die Politik gerutscht, leitete erst die Wädenswiler SP und jetzt den Gemeinderat.

Dieser Ort gehört zu Beatrice Gmürs liebsten Plätzen in Wädenswil. Die Lücke im Häuserdickicht ist ihrer Ansicht nach raumplanerisch vorbildlich.

Dieser Ort gehört zu Beatrice Gmürs liebsten Plätzen in Wädenswil. Die Lücke im Häuserdickicht ist ihrer Ansicht nach raumplanerisch vorbildlich. Bild: Sabine Rock

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Beatrice Gmür, seit gestern Abend sind Sie Präsidentin des Wädenswiler Gemeinderates. Was erwartet die Parlamentarier mit Ihnen auf dem Bock?
Beatrice Gmür: Die Sitzungen sollen klar und zügig ablaufen. Ich werde sie so seriös vorbereiten, dass es möglichst nicht zu Pannen kommt. Was mich besonders freut, ist, dass ich bereits einige Einladungen von Organisationen und Vereinen erhalten habe und diese entdecken kann. Bei diesen Vereinen den Gemeinderat zu repräsentieren, ist für mich das Zückerchen des Amtes.

Werden Sie das Amt anders führen als Ihr Vorgänger Angelo Minutella (GLP)?
In einer Hinsicht, ja. Irgendwann hat es sich eingebürgert, dass die Gemeinderatspräsidenten nicht, oder nicht immer, mitbestimmen. Im Gegensatz zu meinen Vorgängern werde ich jedoch immer abstimmen, denn dazu bin ich gewählt worden und so sieht es das Geschäftsreglement des Gemeinderates auch vor. Leiten kann ich die Abstimmungen trotzdem neutral.

Was steht Ihnen als Gemeinderatspräsidentin bezüglich Klima im Gemeinderat bevor?
Das Schöne ist, dass es im Wädenswiler Gemeinderat nicht um die Personen geht, sondern um die Sache. Wir sind gute Kollegen, aber können trotzdem streiten. Erfreulicherweise hat die Effizienz in den letzten vier Jahren zugenommen. Die Redner wiederholen nicht nochmals, was ihre Vorgänger schon gesagt haben. Das spart Zeit.

Welche Diskussionen haben sich Ihnen als besonders heftig oder bedeutsam eingeprägt?
Das waren vor allem Diskussionen in der Geschäftsprüfungskommission. Viele drehten sich um die Schule. Weil die Schule der grösste Budgetposten ist und alle die Schule kennen, wurden die Diskussionen oft emotional. Es hat mich schockiert, wie extrem kurzfristig das Denken in Schulbelangen ist. Spart man beispielsweise bei der Schulsozialarbeit oder der Hausaufgabenhilfe, spart man zuerst viel, verliert später aber viel mehr. Die Kinder, die man zu einem frühen Zeitpunkt nicht auffängt, müssen später vielleicht in ein Heim oder verpassen die Chancen für den Berufseinstig und haben ein höheres Risiko, arbeitslos zu werden. Diese Folgen übersteigen die Kosten für die Unterstützungsmassnahmen massiv.

Das Schicksal benachteiligter Menschen liegt Ihnen am Herzen.
Das war schon immer so. Im Gymnasium engagierte ich mich im Vorstand der Helvetas Winterthur und beteiligte mich an Strassenaktionen gegen Welthunger. Später war ich für eine Behindertenorganisation tätig. Ich selbst bin privilegiert aufgewachsen und möchte der Gesellschaft etwas zurückgeben. Solidarität ist deshalb ein zentrales Anliegen.

Neben der Solidarität scheint Ihnen auch der Umweltschutz wichtig zu sein. Sie sind mit dem E-Bike zu unserem Treffpunkt beim Bänkli an der Fuhrstrasse gekommen.
Das E-Bike ist eine ganz neue Errungenschaft und ich muss sagen: Ich bin begeistert. Ich fahre auch damit zur Arbeit. Unser Auto haben wir verkauft, denn längere Strecken fahren wir mit dem Zug. Meiner Meinung nach leistet die Stadt Wädenswil in Sachen Umweltschutz gute Arbeit. Ein Beispiel sind die Solarzellen auf dem Hallenbad. Ich finde, die Stadt könnte ihre Vorbildrolle stärker hervorheben und so die Leute mehr animieren, ihr Haus energetisch zu sanieren oder mit Solarzellen zu bedecken.

Wie stehen Sie als umweltbewusste Person zur Verdichtung in Wädenswil?
Mir ist es wichtig, dass bei aller Verdichtung grössere Erholungsräume wie im Stoffel oder Freiräume, wie zum Beispiel hier, beim Bänkli an der Fuhrstrasse, erhalten bleiben. Der Kanton gibt Wädenswil vor zu wachsen, und das Potential zur Verdichtung haben wir. Häuser bis zu 40 Metern im Zentrum sind vertretbar, aber ich möchte keinen Siedlungsbrei ohne Lücken, das würde die Lebensqualität massiv senken.

Apropos Lebensqualität: Was halten Sie von der Idee eines durchgehenden Seeuferwegs?
Einen durchgehenden Seeuferweg zu haben, wäre natürlich schön. Enteignungen stehe ich aber, anders als viele in meiner Partei, sehr kritisch gegenüber.

Erstellt: 07.05.2018, 15:00 Uhr

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Zur Person

Beatrice Gmür ist 58 Jahre alt und verheiratet. Sie hat zwei erwachsene Kinder und wohnt seit 1993 in Wädenswil. Aufgewachsen ist Beatrice Gmür in Winterthur. Sie studierte Anglistik und Germanistik und arbeitete nach dem Studium zehn Jahre bei der UBS als Projektleiterin in der Informatik. Als ihre Kinder zur Welt kamen, programmierte sie als Selbständigerwerbende Webapplikationen. Später machte sie eine Ausbildung im Rechnungswesen und arbeitete sechs Jahre lang in einer Vermögensverwaltung. Nach einer erneuten Weiterbildung ist sie seit 2013 als Personalassistentin für das Soziale Netz Horgen (SNH) tätig.

Beatrice Gmür ist der SP 2004 beigetreten und rückte im Dezember 2011 als Gemeinderätin ins Parlament nach. Von 2014 bis 2018 stand sie der SP als Präsidentin vor. Sie ist Redaktorin der lokalen SP-Zeitung «So!». (rau)

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