Thalwil

«Kultur darf nicht nur unterhalten, sie muss auch zum Denken anregen»

Am Wochenende startet das neue Programm des Kulturraums. Geschäftsführer Jan von Rennenkampff freut sich auf eine abwechslungsreiche Saison mit Dokumentarfilmen, Comedy und kulturellem Austausch.

«Es ist es wichtig, dass wir uns Themen vornehmen, die uns bewegen», sagt Jan von Rennenkampff, Geschäftsführer des Kulturraums.

«Es ist es wichtig, dass wir uns Themen vornehmen, die uns bewegen», sagt Jan von Rennenkampff, Geschäftsführer des Kulturraums. Bild: Patrick Gutenberg

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Für Ihre dritte Saison als Geschäftsführer im Kulturraum haben Sie ein vielseitiges Programm zusammengestellt. Das Spektrum ist breit und reicht vom Märchentheater über den vergessenen Nobelpreisträger bis hin zum gesellschaftskritischen Dokumentarfilm. Gab es einen gemeinsamen Nenner um den herum das Programm entstand?
Nein, das hatten wir dieses Jahr nicht. Es ist schwierig eine Saison nach einem Thema zu gestalten. Grundsätzlich nehmen wir uns immer aktuelle Themen vor. Abgesehen von mir arbeitet das ganze Kulturraum-Team ehrenamtlich. Da ist es umso wichtiger, dass wir uns Themen vornehmen, die uns bewegen. Kultur darf nicht nur unterhalten, sie muss auch zum Denken anregen. So zeigen wir etwa nur Dokumentar- und keine Unterhaltungsfilme. Zu den Filmvorführungen laden wir jeweils einen Gast ein — zum Beispiel den Regisseur — für die Diskussion nach dem Film.

Was ist Ihr persönliches Highlight am neuen Programm?
Ich freue mich immer über das ganze Programm. Vor allem weil es auch Teile gibt, die ich noch nicht gesehen oder gehört habe. Etwa bei der Auswahl der musikalischen Beiträge verlasse ich mich total auf meine Ressortleiterin, weil ich mich schlicht zu wenig damit auskenne. Auf das Programm des Kabarettisten Simon Chen bin ich gespannt. Ihn habe ich schon lange nicht mehr gesehen.

Simon Chen aus seinem Programm «Typisch! Kabarett für Einzelfälle». Video: kunstprojekte.ch via Youtube

Auch auf die Lesung von Pedro Lenz freue ich mich sehr. Den Film «Female Pleasure» wollte ich eigentlich im Kino schauen, habe es aber nicht geschafft — jetzt kann ich ihn hier im Kulturraum schauen. Die «Lesbar» ist immer eine Wundertüte, weil da Leute ihre unveröffentlichten Texte vorlesen und sie gegenüber dem Publikum verteidigen müssen. Und dann ist da noch das Märchentheater «Froschkönig». Es ist eine Eigenproduktion, die eigentlich als Freilichttheater konzipiert ist.

Trailer zum Dokumentarfilm «Female Pleasure»

Worin liegt die Schwierigkeit, wenn ein Theater von draussen nach drinnen verlegt wird?
Vor allem hat man mit ganz anderen räumlichen Verhältnissen zu tun. Im Sommer haben wir den «Froschkönig» in Rüschlikon im Park im Grüene aufgeführt. Der Dutti Weiher war das Reich des Froschkönigs, der runde Platz, von dem aus man über den See sieht, war das Schloss der Prinzessin. Die Zuschauer mussten folglich während dem Spiel mit den Schauspielern mitlaufen. Hier im Kulturraum sind wir im Vergleich dazu stark eingeschränkt, brauchen aber auch weniger Technik. Es gibt auch einige Fragen, die wir noch klären müssen. Zum Beispiel ob wir immer alle Kulissen stehen lassen können und punktuell die Teile beleuchten, wo eine Szene spielt, oder ob wir immer alles auf- und abbauen.

Die Band Totschna bestreitet drei Konzerte hintereinander im Kulturraum. Ist das eine Premiere?
Ja, es ist das erste mal, dass ein Act an drei Abenden bei uns spielt. Wir haben mit Totschna eine gute Zusammenarbeit. Die Band probt ab und an im Kulturraum und der Saxophonist ist Thalwiler. Wir hoffen, dass sie den Raum dreimal füllen können.

Totschna an einer Probesession für das neue Programm «Liebe - Lyubof». Video: PD via Youtube

Im November widmet der Kulturraum dem Schweizer Schriftsteller Carl Spitteler zwei Abende. Wie ist es dazu gekommen?
Die Schweiz hat viele grossartige Autoren hervorgebracht. Man denke nur an Frisch, Dürrenmatt oder C.F. Meyer. Doch der einzige, der bislang mit einem Nobelpreis ausgezeichnet wurde, war Carl Spitteler. 100 Jahre später ist das aber scheinbar in Vergessenheit geraten, man kennt vielleicht den Namen Spittelers, aber nicht sein Werk. Der Schauspieler Bodo Krumwiede hat für die Spitteler Gesellschaft eine Produktion zum Jubiläum gemacht, in der Spittelers musikalische Aufsätze sich mit Klaviermusik abwechseln.

Ein Anlass, der ebenfalls aus dem Programm heraussticht ist der «Tamil Tag». Wie ist es dazu gekommen?
Ich war vor ein paar Jahren in Indien und habe dort Shanmuga Raja kennengelernt. Im südindischen Tamil Nadu ist er ein bekannter Schauspieler. Etwa so wie Till Schweiger in Deutschland. In Chennai befindet sich eine der grössten Filmproduktionsstätten der Welt. Nur Hollywood in Kalifornien und Bollywood in Bombay sind grösser als Kollywood in Tamil Nadu. Shanmuga Raja ist zwei Wochen in der Schweiz für eine Zusammenarbeit mit verschiedenen Kulturschaffenden aus der Schweiz, und einen Tag ist er hier in Thalwil. Wir wollen eine Plattform für kulturellen Austausch bieten. Es wird Workshops und tamilisches Essen geben und wir zeigen einen von Shanmugas Filmen.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Kulturraums?
Ich wünsche mir, dass der Kulturraum zu einer festen Grösse im kulturellen Leben Thalwils wird. Die Leute sollen nicht nur spezifisch wegen Künstlern kommen, die sie bereits kennen. Der Kulturraum soll einer der Orte werden, wo man auch einfach so spontan an einem Freitag oder Samstag Abend hingeht, einfach weil man weiss, dass im Kulturraum ein gutes Programm zu sehen ist.

Erstellt: 05.09.2019, 13:00 Uhr

Lesung Pedro Lenz

«Dr Liebgott isch ke Gränzwächter», Samstag, 7. September, 20 Uhr, Schützenhalle, Dorfstrasse 65, Thalwil. Eintritt frei.

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