Horgen

Künstler inszenieren die 450-jährige Geschichte der Sust

«Sust-Bilder - eine Spurensuche in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft» heisst die neuste Sonderausstellung im Horgner Ortsmuseum. Die Sust gehört seit Jahrhunderten zum Ortsbild von Horgen und motivierte viele Leute zur bildnerischen Umsetzung.

Sie erzählen die Geschichte der Sust anhand von kunstvollen Fotografien: die Fotografin Selina Lötscher und der Skulpteur Tim Steiner.

Sie erzählen die Geschichte der Sust anhand von kunstvollen Fotografien: die Fotografin Selina Lötscher und der Skulpteur Tim Steiner. Bild: David Baer

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Die Sust — nur ein Haus am See?» Mit dieser Frage und ihrer achtteiligen Fotopräsentation wollen die Fotografin Selina Lötscher und der Skulpteur Tim Steiner den Gästen im Ortsmuseum die Sust in den nächsten drei Monaten näher bringen.Die Auftragsarbeit für die Ausstellung faszinierte die jungen Leute.

Bald war für sie klar, dass sie die Sust von innen zeigen wollten. «Grund dafür ist das reiche Innenleben des Hauses», sagen sie. Kurator Walter Bersorger doppelt nach: «Es gibt viel zu entdecken in diesem Gebäude, das im Kern vermutlich Mitte des 16. Jahrhunderts erbaut wurde und von dem ab dem 18. Jahrhundert bis heute viele bildliche Darstellungen existieren». Er freut sich auf die kommende Ausstellung unter dem Titel «Sust-Bilder — eine Spurensuche in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft», die am Freitag mit einer öffentlichen Vernissage gestartet wird.

Gerne schildern Selina Lötscher und Tim Steiner ihren Zugang zu dem markanten Horgner Haus am See genauer: «Wir wollen die Geschichte der Sust anhand von kunstvollen Fotografien erzählen».

Die Bilder sind keine Drucke, sondern im Nassverfahren entwickelte Fotos. Dabei kommen die speziellen Lichtverhältnisse im Haus eindrücklich zur Geltung. Geheimnisvolles schimmert durch, wenn die Künstler die Gäste im Museum etwa mit dem Bild «Spukgeschichten» in den Estrich des Ortsmuseums führen: Dort warten ein Schaukelpferd, eine Büste und andere Habseligkeiten auf ihre Wiederbelebung.

Vielseitige Geschichte

Im Bild «Zeitfenster» wird durch eine Glasscheibe auf die bewegte Vergangenheit der Sust zurückgeschaut. Wo früher Transportschiffe ihre Waren zu- und abluden, werden heute Güter und Personen auf den Schienen transportiert. Nachdenklich stimmt das Bild «Säumer». Wo einst Säumer das Transportgut nach dem Abladen vom Schiff mit ihren Tieren, vorerst nach Zug und dann weiter in Richtung Gotthard brachten, würde ihnen heute die Bahn den Weg abschneiden.

Die letzten Säumer zogen um ca. 1835, vierzig Jahre vor Erstellen der ersten Bahnlinien durch die Dorfgasse. Danach entstanden neue Wege entlang des Zürichsees. Neues zu entdecken gibt es auch in den Fotografien mit den Namen «Gleich aber anders», «Seidenbuch», «Ungesehen», «Brandspuren» und «Handelsportal».

Verschiedene Darstellungen

Laut Kurator Besorger läuft die jetzige Ausstellung über die Sust aber nicht eingleisig, sondern bringe verschiedenste Bilder mittels vielfältiger Technik und Materialien zur Darstellung: Gezeigt wird etwa die älteste Foto von der Sust, die um 1873 geknipst wurde. Verschiedene Zeichnungen, Holzschnitte, Ansichtskarten, Lithographien und Aquarelle belegen weiter die Veränderungen über die Jahrhunderte. So wird beispielsweise gezeigt, dass die Sust zuerst ein Giebeldach und erst später ein Walmdach aufwies. In einer Vitrine sind weiter verschiedene ulkige Sust-Nippsachen ausgestellt.

Zwei Schulklassen werden mit ihren Vorschlägen die Sust der Zukunft skizzieren. Die Ausstellung beherbergt auch interaktive Elemente: Ein modernes Stereofotoprojekt und ein Polaroidprojekt sollen zum kreativen Mitmachen anregen.

Laut Walter Bersorger ist die Ausstellung dank der Zusammenarbeit mit verschiedenen Institutionen, Gruppen und Einzelpersonen zu einem faszinierenden «partizipativen Projekt» geworden, welches das alte Sust-Gebäude mit seinen vielen Facetten neu entdecken lässt.

Sonderausstellung Sustbilder, Ortsmuseum Sust, Horgen. Vernissage: 22. September, 19 Uhr, geöffnet jeweils sonntags von 14 bis 17 Uhr, bis 17. Dezember. Weitere Informationen: www.sust-horgen.ch (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 19.09.2017, 17:21 Uhr

Artikel zum Thema

Im Lift zur Horgner Geschichte hochfahren

Horgen Wer im Museum Sust in die Ortsgeschichte eintauchen will, braucht womöglich bald nicht mehr knarrende Treppen hochzusteigen. Ein Umbauprojekt mit Lift liegt vor. Die Abstimmung über das Projekt soll 2018 stattfinden. Mehr...

Vom wilden Wesen der Seide

Horgen Die Seide, ihre Verarbeitung und Vermarktung stand am traditionellen Weberinnentag im Ortsmuseum Sust im Zentrum. Ein Höhepunkt war der Vortrag des Textilkaufmanns Peter Schulthess zum Thema «Die wilde Seite der Seide». Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.