Thalwil

Kritik an Sozialamt wegen «prekärer Situation» im Breiteli

Weil in der Breiteli-Siedlung zwei Häuser mit Notwohnungen der Gemeinde abgerissen werden, sucht das Thalwiler Sozialamt dringend nach Ersatz für die betroffenen Bewohner. Nur noch einen Monat bleibt ihr Zeit dafür. Nun meldet sich eine Bewohnerin zu Wort – und äussert Unverständnis.

Diese beiden Gebäude der Siedlung Breiteli zählen zusammen 15 Sozialwohnungen. Voraussichtlich ab April werden die Häuser abgerissen und durch vier Neubauten ersetzt.

Diese beiden Gebäude der Siedlung Breiteli zählen zusammen 15 Sozialwohnungen. Voraussichtlich ab April werden die Häuser abgerissen und durch vier Neubauten ersetzt. Bild: Archiv Kurt Heuberger

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Das Breiteli in Thalwil ist ihr Zuhause. Hier, in dieser knapp hundertjährigen Siedlung, wohnt Christine Morell seit zehn Jahren. Die dortigen Wohnungen stellt die Gemeinde Sozialhilfeempfängern und Asylsuchenden zur Verfügung. Doch nun muss die Thalwilerin aus dem Mehrfamilienhaus neben der katholischen Kirche ausziehen. Denn die Baugenossenschaft Zurlinden wird dort voraussichtlich ab April im Auftrag der Gemeinde vier neue Wohnhäuser erstellen.

Wo Christine Morell, die auf Sozialhilfe angewiesen ist, künftig wohnen wird, ist rund ein Monat vor Ablauf der Kündigungsfrist noch immer unklar: Laut Thalwils Sozialvorsteher Peter Klöti (FDP) bekundet das Sozialamt grosse Mühe, Ersatzwohnungen für die betroffenen Breiteli-Bewohner zu finden. Die Situation sei prekär, sagte Klöti gegenüber der ZSZ. Die Suche nach anderen Wohnungen für die Sozialhilfebezüger und Asylsuchenden – insgesamt 11 Wohnparteien – gestalte sich äusserst schwierig.

«Nicht nachvollziehbar»

Dass die Gemeinde so kurz vor dem geplanten Abriss der Gebäude noch keine Anschlusslösung für sie und die anderen Bewohner hat, kann Christine Morell nicht nachvollziehen. «Man weiss ja seit mindestens zwei Jahren, dass die Gebäude wegkommen.» In der Tat: Im Dezember 2015 erhielt das Projekt von der Gemeindeversammlung grünes Licht. Damals nämlich stimmten die Thalwiler dem dafür nötigen Gestaltungsplan zu. Rekurse sorgten in der Folge aber für Verzögerungen.

«Dass sich der Gemeinderat jetzt über die schwierige Wohnungssuche beklagt, ist etwas eigenartig.»Christine Morell, Breiteli-Bewohnerin

«Dass sich der Gemeinderat jetzt über die schwierige Wohnungssuche beklagt, ist etwas eigenartig», meint Morell. Schliesslich seien in den letzten Jahren schon einige Bewohner aus den betroffenen Breiteli-Häusern ausgezogen. Trotzdem habe das Sozialamt diese Wohnungen danach wieder mit anderen Leuten besetzt, anstatt sie leer zu lassen. Die Gemeinde habe sich also selber in die prekäre Situation manövriert.

Hat die Gemeinde also eine rechtzeitige Wohnungssuche für die Asylsuchenden und Sozialhilfebezüger verschlafen? «Nein», sagt Sozialvorsteher Peter Klöti, «im Gegenteil.» Schon 2014 habe die Gemeinde vorgesorgt. Und zwar mit dem 2,35 Millionen teuren Projekt für den Bau von 10 Notwohnungen auf dem Bürgerheimareal nahe Oberrieden. Diese seien unter anderem zur Kompensation der wegfallenden Breiteli-Wohnungen gebaut worden. «Inzwischen muss die Gemeinde aber mehr Asylsuchende betreuen, weil der Kanton die Aufnahmequote erhöht hat.» Zudem seien auch zusätzliche Sozialhilfeempfänger nach Thalwil gezogen.

Verantwortung der Bewohner

«Um all diesen Personen, wie gesetzlich verlangt, ein Dach über dem Kopf bieten zu können, waren wir auch froh um vorübergehende Lösungen im Breiteli», erklärt Klöti. Der FDP-Gemeinderat appelliert nun an die Eigenverantwortung der betroffenen Breiteli-Bewohner. «Es wäre wichtig, dass sie sich auch selber um die Wohnungssuche kümmern.»

Das weiss auch Christine Morell. Die alleinerziehende Mutter sagt, für ihren 20-jährigen Sohn habe sie inzwischen eine günstige Wohnung gefunden. «Ich selber war bei all meinen Anfragen bisher aber erfolglos.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 23.02.2018, 17:04 Uhr

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