Wädenswil

«Kommt weit seltener als alle 100 Jahre vor»

Eine Orkanböe von 150,8 km/h wurde am Mittwoch beim Durchzug von Sturmtief «Burglind» in Wädenswil gemessen. So viel wie nie zuvor an dieser Stelle. Eine Einordnung.

Das ist die Wetterstation in Wädenswil, an der die Rekordböe vom Mittwoch gemessen wurde. Der Windmesser befindet sich auf dem Dach des Agroscope-Gebäudes im Hintergrund.

Das ist die Wetterstation in Wädenswil, an der die Rekordböe vom Mittwoch gemessen wurde. Der Windmesser befindet sich auf dem Dach des Agroscope-Gebäudes im Hintergrund. Bild: Manuela Matt

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Die Wetterdienste hatten im Vorfeld vor dem Sturmtief «Burglind» gewarnt – zurecht, wie sich nun gezeigt hat. Am Zürichsee und Obersee richtete der Wintersturm am Mittwoch erhebliche Schäden an. Und er sorgte bezogen auf die Windgeschwindigkeit für einen neuen Rekord. Um etwa 12.20 Uhr wurde an der Meteoschweiz-Wetterstation in Wädenswil eine Orkanböe von 150,8 km/h gemessen.

Es handelt sich um den höchsten Wert, der an dieser Station seit Messbeginn 1981 verzeichnet wurde. Der Spitzenwert von Orkan Lothar, der am 26. Dezember 1999 über das Land fegte, wurde deutlich übertroffen. Damals gab es in Wädenswil 131 km/h. Ebenfalls 131 km/h wurden bei einem Wintersturm am 26. Januar 1995 gemessen.

Stephan Bader: «Äusserst selten»

Gemäss Stephan Bader, Klimatologe von Meteoschweiz, hatte der Sturm vom Mittwoch in der Zürichseeregion damit historische Dimensionen. «Das sind extreme Windgeschwindigkeiten, die äusserst selten vorkommen», betont er.

Ein Youtube-Nutzer hat den Sturm in Wädenswil am Mittwoch gefilmt. Quelle: Wadin1631/Youtube

In der Meteorologie wird bei Wetterereignissen – wie Wind, Regen, Schnee oder Temperatur – jeweils die sogenannte statistische Wiederkehrdauer zur Einordnung verwendet. Im Fall der Orkanböe, die «Burglind» in Wädenswil verursacht hat, könne man demnach von einem Ereignis sprechen, welches weit seltener als alle 100 Jahre zu erwarten sei.

Ablauf ähnlich wie bei Lothar

Einen Messfehler schliesst Stephan Bader aus. Darauf gebe es keine Hinweise. Das Schalenkreuzanemometer, mit dem in Wädenswil die Windgeschwindigkeit gemessen wird, sei ein robustes und bewährtes Gerät. Auch unter Berücksichtigung der in der Umgebung angerichteten Schäden und vor allem auch des Sturm-Ablaufs am Mittwoch sei der Rekord plausibel.

Gemäss Bader trat die Spitzenböe just in dem Moment auf, als die Kaltfront von «Burglind» mit aller Kraft vom Mittelland her Richtung Voralpen vorstiess. Die Stationsdaten zeigten in dieser Phase einen markanten Anstieg der Windgeschwindigkeit, gefolgt von einer längeren Periode mit konstant hohem Mittelwind und schliesslich einem regelrechten Windschub, der in voller Orkanstärke mündete. Nach dem Durchgang der Kaltfront flaute der Wind relativ rasch ab.

Der Ablauf sei ähnlich wie jener bei Lothar im Dezember 1999. Auch damals kam der Wind aus westlicher Richtung und die Sturmphase baute sich in vergleichbarer Weise auf.

Exponierte Wetterstation

Dass sich die Wetterstation und vor allem die Windmessung in Wädenswil an einer exponierten Stelle auf dem Dach des Gebäudes der Forschungsanstalt Agroscope befinde, treffe zwar zu, sagt Stephan Bader. In Fachkreisen wird gerne auf diesen Umstand hingewiesen. Dies schmälere den am Mittwoch aufgestellten Rekord aber nicht.

Im Gegenteil: Wädenswil sei eigentlich ein Standort, an dem im Vergleich zu anderen Stationen im Mittelland nicht so häufig hohe Windspitzen verzeichnet würden. Die Station «springe» nicht so schnell an bei Stürmen, so die Formulierung des Klimatologen. Die 150,8 km/h vom Mittwoch haben sich ihren Platz in den Rekordbüchern also durchaus verdient. (zsz.ch)

Erstellt: 04.01.2018, 18:39 Uhr

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