Thalwil

König und Dame fest in Kinderhand

Handy hin, Computergames her: Das klassische Brettspiel Schach ist nicht zu ersetzen. Das zeigt eine Schachprobelektion für Primarschüler im Thal­wiler Schulhaus Schwandel.

Binnen weniger Stunden «Turnierreife» im Schach haben 22 Erstklässler und Kindergärtler erreicht. Die Wichtigkeit der kleinen Gesten ist ihnen ebenfalls bereits vertraut.

Binnen weniger Stunden «Turnierreife» im Schach haben 22 Erstklässler und Kindergärtler erreicht. Die Wichtigkeit der kleinen Gesten ist ihnen ebenfalls bereits vertraut. Bild: Manuela Matt

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Wie oft wünscht man sich doch als Mutter oder Vater, jenen magischen Schalter zu finden – den Schalter, den man betätigen kann, wenn das Kind als ungestümer Treibauf an den Nerven zehrt. Und der innert Sekunden wie aus Zauberhand bewirkt, dass sich ebendieser Treibauf zum stillen und lammfrommen Geschöpf wan­delt. Peter Hug scheint dieses Zaubermittel gefunden zu haben.

Es ist vier Uhr nachmittags: Eine wild johlende Schar von 22 Kin­dern findet sich im Raum unter dem Dach­stock des Schulhauses Schwan­del in Thal­wil ein. In der Mitte des Saals sind im Halb­rund elf kleine Pulte aufgestellt, auf ihnen die Bestandteile, die es für ein Schachturnier braucht: Schachbrett, Figuren und Schachuhr. «Hopp, hopp, stellt schon mal die Figuren auf», ruft Hug. Und tatsächlich, brav leisten ihm die Kleinen Folge. Der Lärmpegel sinkt rapide.

Die Kinder, Erstklässler und Kindergärtner, verbringen den dritten Donnerstagabend vor den schwarz-weissen Brettern. Dies im Rahmen eines Schach-Probekurses, den der 27-jäh­rige Hug Anfang Januar im Thal­wiler Schulhaus Schwan­del lanciert hat. Hug ist Schach­ins­truk­tor und Präsident des Vereins Die Schulschachprofis, der seit einem halben Jahr existiert. An 16 Standorten in der Schweiz bietet der Verein Schachkurse für Kinder im Primarschulalter an. Unterstützt wird Hug von mehreren Trai­nern, die sich auf das Unterrichten von Kindern spezialisiert haben und die mitunter selber in der Nationalliga Turniere bestritten haben.

Die Konzentration fördern

Hugs Ziel, die Kinder zum Schach zu bringen, ist nicht nur die Faszination für das Spiel per se, sondern auch, weil es für andere Berei­che einen hohen Nutzen bringe. «Das räumliche Vorstellungsvermögen und die Kon­zen­tra­tions­fähigkeit werden gefördert», sagt er. In seiner Ausbildung zum Schreiner und später zum Architekten habe er diesen Nutzen selber erfahren. Inzwischen engagiert er sich haupt­beruflich für den Verein.

Auch an diesem Donnerstag wird Hug von zwei Instruktoren mit Ligaerfahrung unterstützt: Olivier Tschumper und ­Patrick Esch­mann, beide verströmen sie eine bestimmte, väterlich-fördernde Autorität. Inzwischen, die Partien sind ausgelost, geht es an die Pulte mit den bereitstehenden Figuren. Zuerst aber ermahnt Hug zur freundschaftlichen Begrüs­sung: «Hand­shake!» 22 Ärm­chen strecken sich über die Bretter hinweg und vollziehen den Handschlag – mal kräftig, ­mal zaghaft.

Sodann gibt Hug die Regeln durch: fünf Minuten Spiel, nach jedem Zug die Uhr drücken – und «kein Geschrei. Das stört die anderen». Die simple Aufforderung wirkt, bald ist vor allem das klickende Geräusch der Uhr und ­ der hölzerne Ton umgeworfener Figuren zu hören. Hug, Tschumper und Eschmann greifen nicht in die Spiele ein, handelt es sich doch um ein Turnier. Auf dem Fenstersims stehen die Minipokale in Reih und Glied bereit und dienen dem einen oder anderen Kind als Ansporn, desgleichen das Bündel an Medaillen.

Spielpraxis ist das A und O

Nach gerade mal drei je einstündigen Probelektionen schon ein Turnier spielen – wie soll das ­gehen? An den beiden ersten Abenden haben die Kinder, ­unter ­ihnen sowohl Anfänger als auch solche mit Vorkenntnissen, die Figuren und die Koordinaten ­ des Brettes gelernt. Alsdann wurden die verschiedenen Stel­lun­gen der Figuren thematisiert. «Wir bespre­chen auch an einem grossen Schach­brett Problemstellungen», erklärt Esch­mann. «Die Kin­der sollen sie zuerst abzeichnen und dann herausfinden, was der nächstbeste Zug wäre.»

Nebst der Theorie sei das Wichtigste aber der Lernprozess, der sich durch die praktische Erfahrung beim Spielen einstelle, betonen die Instruktoren uni­sono. Deshalb habe man auch die Pro­be­lektionen bereits mit einem Turnier gekrönt.

90 Prozent machen weiter

Bei der Mehrheit der insgesamt 48 Kinder – nach den Kleinsten um vier Uhr folgen noch zwei Kurse mit etwas älteren Teilnehmern – wird es nicht bei den drei Probelektionen bleiben: «Fast ­ 90 Prozent haben sich für den weitergehenden Kurs angemeldet», freut sich Hug. Der Kurs wird ebenfalls im Schulhaus Schwan­del durchgeführt. Die Zusammen­arbeit mit den Schulen ist den Initiatoren wichtig. «Durch die kosten­lose Benutzung der Räume können wir die Kurskosten tief halten und dadurch Kinder aller Schichten ansprechen», erläutert Hug.

Erstellt: 23.01.2016, 10:01 Uhr

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