Banken

Kleinsparer bleiben von Strafzinsen verschont – vorerst

Die am Zürichsee tätigen Regionalbanken wollen nichts wissen von Negativzinsen für reine Sparkunden. Der Markt wird aber genau beobachtet und eine Einführung in naher Zukunft nicht ausgeschlossen.

Strafzinsen sind auf dem Vormarsch: Nur die Sparguthaben von Retailkunden bleiben vorderhand unangetastet.

Strafzinsen sind auf dem Vormarsch: Nur die Sparguthaben von Retailkunden bleiben vorderhand unangetastet. Bild: Keystone

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Ein Schreckensszenario für jeden Sparer: Statt dass sich sein Geld auf der Bank seines Vertrauens vermehrt, wird es weniger, ohne dass er selbst Geld abhebt. Diese Vision ist mit der Weitergabe der von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) erhobenen Negativzinsen von einzelnen Banken an vermögende Privatkunden bereits Realität geworden.

Die grösste Kantonalbank der Schweiz, die ZKB, erhebt Negativzinsen auf gewisse Barvermögen. Wie lange können Banken aber die Kleinsparer – mit einem Guthaben bis 100'000 Franken – noch vor Strafzinsen verschonen? Diese Zeitung hat sich bei den regional tätigen Instituten am See umgehört.

Hintergründe prüfen

So viel vorweg: Von einer Aufweichung der Fronten ist hier noch nichts zu spüren. Allerdings gilt es zu differenzieren. Bei der Bank Avera mit Hauptsitz in Wetzikon, die bis zum Jahresende noch Clientis Zürcher Regionalbank hiess und unter anderem in Küsnacht über eine Niederlassung verfügt, werden bei Privat-, Firmenkunden und bei Private-Banking-Beziehungen zwar keine Negativzinsen verrechnet.

Auch eine kritische Grösse für Sparguthaben habe die Bank nicht festgelegt, sagt die Medienverantwortliche Barbara Friedrich. In Einzelfällen, bei welchen sehr hohe Geldbeträge zur Bank transferiert würden, seien mit den Kunden individuelle Guthabengebühren vereinbart worden.

«Grundsätzlich suchen wir vorab mit jedem Kunden das Gespräch.»Marlène Frey, Bank Linth, Uznach

Ähnlich tönt es bei der Bank Zimmerberg. Auch hier sind «keine flächendeckenden Limiten für Negativzinsen auf Schweizer Franken für unsere Kunden geplant», wie CEO Oliver Jaussi sagt. Vor der Annahme von grösseren Geldbeträgen würden selbstverständlich die Hintergründe der Geldanlage bei der Horgner Bank geprüft.

Bei Neukunden mit grösseren Beträgen, «welche nur aufgrund von Negativzinsen zur Bank Zimmerberg wechseln möchten», würden punktuell Negativzinsen verlangt, «oder wir lehnen die Annahme der Gelder ab». Grundsätzlich ist Jaussi der Überzeugung, dass die Folgen von generellen Negativzinsen fatal sein könnten und gegen das Interesse von Politik und SNB gingen.

Zinsmargen schmelzen

Den gleichen Kurs verfolgt die Bank Thalwil. Hier zahlen die Kunden ebenfalls keine Negativzinsen. Die Bank suche aber bei jedem grösseren Neugeldzufluss das Gespräch mit dem Kunden und plane gemeinsam das weitere Vorgehen, sagt Mediensprecher Beat Ruch. Insbesondere von Neukunden wolle seine Bank deren Bedürfnisse genau kennen lernen, «um eine umfassende Beratung sicherstellen zu können mit dem Ziel, eine Gesamtbankbeziehung aufzubauen». Die Bank Thalwil beobachte die Marktentwicklungen intensiv und lasse «zum Wohle der Genossenschafter und zugunsten einer stabilen Bankentwicklung» alle notwendigen Optionen offen.

Der Markt verheisst indessen nichts Gutes. Die Hoffnungen auf eine baldige Normalisierung der Geldpolitik durch die SNB sind in weite Ferne gerückt. Dies lässt die Zinsmargen weiter schmelzen und trübt die Geschäftsaussichten. Laut neuester Studie des Beratungsunternehmens EY ist es gerade bei den Retailbanken, also den Regionalbanken, zu einem Stimmungsumschwung gekommen, was die Einführung und die Weitergabe von Negativzinsen für Bankkunden betrifft.

Die Bank Linth mit Sitz in Uznach, die auch am rechten Seeufer vertreten ist, hat seit Oktober 2019 einen Freibetrag für Negativzinsen festgesetzt. Diese kritische Grösse liegt bei Privatkunden auf einem Barguthaben ab einer Million Franken, wie Bankensprecherin Marlène Frey erklärt. Der Freibetrag erhöhe sich um das Depot- und das Kreditvolumen dieser Kunden. Wenn also jemand noch ein Depot oder eine Hypothek von 500'000 Franken besitze, betrage die Freigrenze für das Barguthaben 1,5 Millionen Franken.

Kritische Grösse gibt es nicht

«Grundsätzlich suchen wir aber mit jedem Kunden vorab das Gespräch, bevor wir Negativzinsen weiterbelasten», sagt Frey. Gegenüber Firmenkunden ist die Bank Linth flexibler, da Unternehmen oft kurzfristig mehr Liquidität benötigten – beispielsweise für die Anschaffung von Maschinen: «Wir setzen hier auf individuelle Lösungen statt auf starre Limiten.»

Klar ist die Haltung der Regiobank Männedorf. Hier ist die Einführung von Negativzinsen «bis auf weiteres» generell kein Thema. Eine kritische Grösse bei den Sparguthaben gibt es demzufolge auch nicht. Zwar lehnt die Bank nach Angaben von Bankleiter André Häberling Negativzinsen nicht kategorisch ab, «aber unter den aktuellen Gegebenheiten kommt das für uns nicht infrage». Sollten sich die Gegebenheiten ändern, würde die Regiobank Männedorf die Situation prüfen und neu beurteilen.

Ebenso hat die Clientis Sparcassa 1816 in Wädenswil für sich keine generelle Vermögensschwelle definiert, ab welcher Negativzinsen an Kunden weiterbelastet werden. Bei bestehenden Kunden wird nach Angaben von Geschäftsleiter Marcel Melliger eine solche Schwelle erst ab Sparguthaben von mehreren Millionen überhaupt in Betracht gezogen.

Erstellt: 16.01.2020, 14:01 Uhr

Umdenken bei Regionalbanken

Laut einer Studie des Beratungsunternehmens EY überlegt sich eine Mehrheit der Schweizer Bankinstitute, die Vermögensschwelle für die Anwendung von Negativzinsen zu senken. Kategorisch abgelehnt werde eine Weitergabe von Negativzinsen nur noch von 21 Prozent der befragten Banken, heisst es im neuen Bankenbarometer von EY.

Nach der Einführung der Negativzinsen durch die Nationalbank SNB im Jahr 2015 hatten noch 70 Prozent der von EY befragten Institute eine Belastung ihrer Sparkunden klar ausgeschlossen. Besonders markant sei das Umdenken bei den Regionalbanken: Nur noch 20 Prozent lehnten Ende 2019 die Weitergabe von Negativzinsen ab, nachdem es im Vorjahr noch zwei Drittel der Befragten gewesen waren. (ths)

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