Wädenswil

Klassenassistenzen erleichtern den Schulalltag

Seit der Einführung der integrierten Sonderschule setzen viele Schulen auf Klassenassistenzen, um den Bedürfnissen der Kinder gerecht zu werden. Angela Zwicky ist eine von ihnen.

«Es ist eine grosse Verantwortung wenn man ein Kind so lange begleitet», sagt Klassenassistentin Angela Zwicky.

«Es ist eine grosse Verantwortung wenn man ein Kind so lange begleitet», sagt Klassenassistentin Angela Zwicky. Bild: Manuela Matt

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Die vierte Klasse vom Schulhaus Glärnisch in Wädenswil übt sich im Bauwesen: jedes der Kinder besitzt ein Grundstück aus Karton und gestaltet darauf ein eigenes Haus. Die Pulte sind belegt mit Tessinerhäuschen, Baumhäuser und Protzbauten inklusive Auto-Garage und auch der Werkraum wird an diesem Donnerstagnachmittag in Beschlag genommen.

Mittendrin im kreativen Chaos sitzt die zehnjährige Emma. Mit dem linken Ellenbogen fixiert sie ihre Vorlage, um mit dem Bleistift in ihrer rechten Hand die Form nachzuzeichnen. Aus Laubsägeholz soll ihr Traumauto – ein blauer Mini – entstehen. Um das Auto im Anschluss an der Laubsäge auszuschneiden ist das Mädchen auf Unterstützung angewiesen, denn ihre linke Körperhälfte ist eingeschränkt. Deshalb sägt Klassenassistentin Angela Zwicky das Auto entlang der vorgezeichneten Linie aus.

«Man hat grosse Verantwortung wenn man ein Kind so lange begleitet.»Angela Zwicky

Zwicky ist eine von insgesamt 80 in Wädenswil tätigen Klassenassistenzen und unterstützt Emma seit vier Jahren. «Man hat grosse Verantwortung wenn man ein Kind so lange begleitet. Die Aufgabe als Assistenz ist sehr vielfältig», sagt sie. So ist sie im Klassenzimmer nicht nur für Emma zuständig, sondern ebenfalls für die Anliegen der anderen 20 Schüler und Schülerinnen. Haben gewisse Schüler mit einer Aufgabe Mühe, sorgt die Assistentin beispielsweise dafür, dass Unklarheiten geklärt werden und sie es mit den Kindern nochmals repetieren kann.

Doch nicht jeder benötigt die Hilfe. «Ich weiss was ich zu tun habe und arbeite selbständig», sagt Jasmin selbstbewusst und wendet sich wieder ihrem Miniatur-Baumhaus zu. Andere Schüler hingegen belagern die Klassenassistentin mit ihren Fragen an diesem Donnerstagnachmittag regelrecht. Zwicky erzählt, dass man als Assistentin eine persönlichere Beziehung zu den Schülern habe als eine Lehrperson. «Manchmal wollen die Kinder beispielsweise einfach nur wissen wie viele Kinder ich habe oder ob ich auch einen Hund besitze», sagt sie.

Aufgaben sind klar getrennt

Die laufenden Sägen im Werkraum sind laut und es wird intensiv gearbeitet. «Darf ich dir etwas vorschlagen?», fragt Zwicky. Bestimmt verneint Emma und sagt, dass sie die Aufgabe alleine bewältigen möchte. Trotz ihrer körperlichen Einschränkung schleift sie die Kanten des Holzautos geschickt mit dem Schleifpapier in ihrer rechten Hand bis sie ganz fein werden. Die Klassenasssitentin hält sich im Hintergrund: «Ich achte darauf, dass ich keinem der Kinder zu viel helfe», sagt sie.

Der Kritik, dass Klassenassistenzen oft als Ersatz für Lehrer oder Lehrerinnen eingesetzt würden, widersprechen Zwicky und Klassenlehrer Fabian Zehnder Die Aufgaben sind laut Zehnder klar getrennt. Eine Klassenassistenz sei nicht für die Unterrichtslektionen zuständig. «Ich erwarte jedoch, dass sie sieht, wann die Kinder Hilfe benötigen», sagt er. Klassenassistentin Zwicky stellt fest: «Ich schätze es, viel Freiheit zu haben, jedoch muss die Verantwortung beim Klassenlehrer bleiben». Natürlich gebe es Ausnahmesituationen, wenn eine Lehrperson mal ausfalle beispielsweise.

«Es ist eine Erleichterung, wenn eine zusätzliche Person regelmässig im Unterricht dabei ist»Fabian Zehnder

Die Klassenassistentin ist nicht die einzige Person, die den Schülern unterstützend zur Seite steht. Lehrer Zehnder teilt sich seine Stelle mit einer anderen Lehrerin und erklärt, dass ab und an ein Pensionär auf Exkursionen und im Unterricht dabei ist.

Zusätzlich betreut Logopädin Claire Kühni die Kinder. Sie äussert sich positiv zum Thema: «Im integrativen Schulsystem ist es absolut wertvoll, Klassenassistenzen im Schulzimmer zu haben», sagt sie. Schüler und Schülerinnen mit Lernschwäche oder geistiger oder körperlicher Beeinträchtigung werden heute in Regelklassen integriert. Die Integration der Kinder benötigte somit Zeit, übersteige das Pensum einer Lehrperson. Auch Lehrer Zehnder sagt: «Es ist eine Erleichterung, wenn eine zusätzliche Person regelmässig im Unterricht dabei ist, an die sich die Kinder wenden können». Auch Ausflüge seien so leichter zu gestalten.

Der Klassenlehrer findet es grundsätzlich sinnvoll, dass heute zuerst eine Weiterbildung besucht werden muss, um als Klassenassistenz eine Einstellung zu finden. Auch Angela Zwicky hat die damals freiwilligen Weiterbildungen zur Klassenassistentin absolviert bevor sie nun für acht Lektionen im Schulhaus Glärnisch angestellt wurde. Diese Weiterbildungen sind heute mittlerweile obligatorisch und müssen besucht werden um als Lehrerassistenz zu arbeiten.

Erstellt: 07.11.2019, 15:24 Uhr

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