Wädenswil

Kinder und Jugendliche experimentieren mit ihrer DNA

An der Science Week versuchen Forscher der ZHAW bei Kindern und Jugendlichen das Interesse an naturwissenschaftlichen Disziplinen zu fördern. Dafür sind so viele Teilnehmer angereist wie nie zuvor.

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Konzentriert betrachtet Lotta Schiffer die Reagenzgläser vor ihr auf dem Tisch. Eifrig schreibt sie die der Farbe der Lösungen entsprechenden ph-Werte auf ihr Blatt, auf dem es kaum noch Platz zum schreiben gibt. Dass soeben eine rund 20-köpfige Gruppe aus Medienvertreter, Mütter und Väter den Raum betreten haben, nimmt die 12-Jährige Schülerin aus Siebnen kaum wahr.

Erst als sich ihre Mutter neben sie stellt, blickt sie auf und erzählt stolz, welche Kombinationen aus Lebensmitteln gemischt mit sauren oder basischen Stoffen sie soeben analysiert hat. «Auch zuhause experimentiert sie immer wieder gerne», sagt Mutter Christine Schiffer, als sich ihre Tochter bereits wieder aufgemacht hat, um neue Proben mit Rotkohl als Indikatorlösung zu mischen.

«Es macht Spass den motivierten Jugendlichen zuzuschauen.»Armin Baserga, Dow-Mitarbeiter

Am diesjährigen Medien- und Elterntag der Science Week an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) konnten vier verschiedene Kurse besucht werden. Einer davon ist derjenige zur Bestimmung von Farben und den dazugehörigen ph-Werten. Er wird als einziger nicht von der ZHAW sondern von der in Horgen ansässigen Dow Chemical durchgeführt wird.

«Es macht Spass den motivierten Jugendlichen zuzuschauen. Überrascht, aber auch sehr erfreut hat mich der hohe Mädchenanteil», sagt Dow-Mitarbeiter Armin Baserga und zeigt in den Laborraum, in dem 15 Mädchen und nur drei Knaben sitzen.

Fast gleich viele Mädchen wie Jungen

In der Tat ist die Geschlechterverteilung an der diesjährigen Science Week sehr ausgewogen. 84 Mädchen und 89 Knaben nehmen insgesamt teil. «Das ist eine erfreuliche Entwicklung», sagt Birgit Camenisch, Leiterin Kommunikation der ZHAW Wädenswil.

Die rund 170 Jugendlichen haben gemeinsam über 400 Kurse aus dem Angebot von sechs ganztägigen Veranstaltungen gebucht, beides Rekordzahlen für die Science Week, welche seit 2014 jährlich eine Woche lang in den Sommerferien stattfindet. Knapp die Hälfte aller Teilnehmer im Alter von 12 bis 15 Jahren kommt in diesem Jahr aus dem Kanton Zürich, 40 davon aus dem Bezirk Horgen. Aber auch Kinder und Jugendliche aus der ganzen Deutschschweiz sind nach Wädenswil gereist.

«Wir wollen mithelfen, das Interesse an den MINT-Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik zu fördern» sagt Urs Hilber, Direktor ZHAW Life Sciences und Facility Management. Die Science Week sei eine Massnahme, dem Fachkräftemangel in diesen Disziplinen entgegenzuwirken. «Ich freue mich, dass so viele Kinder während ihren Ferien für die Science Week an die ZHAW gekommen sind», sagt Hilber vor dem Rundgang.

Den Bauplan des Lebens erforschen

Die Begeisterung ist beim Besuch in den Räumen des Campus Reidbach deutlich spürbar - auf Seiten der Kursteilnehmer und Leitenden. «Solche Kurse sind eine wertvolle Erfahrung für die Jugendlichen aber auch für uns Dozierende», sagt Gottfried Dasen, Leiter der Fachgruppe Molekularbiologie der ZHAW.

Zusammen mit Jack Rohrer bietet er seit der ersten Ausgabe der Science Week einen Kurs an, dieses Jahr den Bestbesuchten «Erforsche die DNA, den Bauplan des Lebens». Während der Woche lernen über 100 Jugendliche dort den Unterschied zwischen der eigenen DNA und der einer Pflanze kennen und isolieren und untersuchen diese aus verschiedenen Proben.

«Es ist schön, das Strahlen in den Augen der Kinder zu sehen, wenn sie etwas ausprobieren und es funktioniert, und sie wissen warum.»Lukas Hollenstein, Kursleiter

«Es ist schön, das Strahlen in den Augen der Kinder zu sehen, wenn sie etwas ausprobieren und es funktioniert, und sie wissen warum», sagt Lukas Hollenstein, der den Kurs «Intelligente Roboter» leitet, in dem vergleichsweise deutlich mehr Knaben sind. Die Kursteilnehmer lernen einen kleinen fahrenden Roboter mit Lichtsensoren zu bauen und programmieren.

Unter ihnen sitzen Flavio Fischer und Nico Jud. Die beiden 14-Jährigen sind extra für den Kurs aus Sarmenstorf beziehungsweise Liestal angereist. Während Flavio noch nicht weiss, ob er später in einem technischen Beruf arbeiten will, sind Nicos Absichten bereits konkret: «Ich will interaktiver Mediendesigner werden», sagt der Schüler selbstbewusst. Er habe sich deshalb für den Roboterkurs angemeldet, denn so könne er Erfahrungen im Programmieren sammeln.

Auffallend in den Kursräumen ist der rege Austausch zwischen Jugendlichen und Kursleitenden. «Die Jugendliche haben weniger Hemmungen zu fragen als Studierende», sagt Lukas Hollenstein, ZHAW-Dozent und Leiter der Fachstelle Simulation & Optimization. Auch er bietet seit 2014 jährlich einen Kurs an.

«Ich finde ein solches Unterrichtsklima eine willkommene Abwechslung», sagt Hollenstein. Ein nettes Extra für den zweifachen Vater sei zudem, dass seine eigenen Kinder mittlerweile im «Childrens Club» der Science Week teilnehmen dürfen. Dieser bietet noch jüngeren Interessierten, im Alter von sechs bis elf Jahre, die Gelegenheit Forschungsluft zu schnuppern.

Erstellt: 07.08.2019, 17:49 Uhr

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