Kilchberg

Kilchberger Kirche gewährt Tschetschenen Asyl

Die von der Ausschaffung bedrohte tschetschenische Familie ist seit Sonntag im Pfarrhaus der reformierten Kirche untergebracht.

Viele Kilchberger unterstützen die tschetschenische Familie, damit diese nicht ausgeschafft wird.

Viele Kilchberger unterstützen die tschetschenische Familie, damit diese nicht ausgeschafft wird.

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Juristische Konsequenzen hat es in der Schweiz keine, wenn einer Person Kirchenasyl gewährt wird. Und doch tut die reformierte Kirchenpflege Kilchberg genau das. Sie gewährt der tschetschenischen Familie, die den Ausschaffungsentscheid erhalten hat, Kirchenasyl. Dies teilte die Kirchenpflege am Sonntagabend mit.Erst wenige Stunden zuvor war die tschetschenische Familie im Pfarrhaus an der Dorfstrasse einquartiert worden. Seit März ist es definitiv, dass sie die Schweiz verlassen muss: Das Bundesverwaltungsgericht hat den Rekurs gegen den Ausschaffungsentscheid des Staatssekretariats für Migration abgelehnt.

Dabei ist die sechsköpfige Familie bestens integriert, lebt seit viereinhalb Jahren in Kilchberg. Die Solidarität mit den Betroffenen gipfelte im letzten Sommer, als der Ausschaffungsentscheid gefällt wurde, in einer breiten Unterstützungsaktion in der Bevölkerung. Das Komitee «Hier zuhause» umfasst 2600 Sympathisanten, welche zum Ziel haben, der Familie ein Zuhause in der Schweiz zu ermöglichen.

Erneut Ausschaffungsversuch

Die reformierte Kirche Kilchberg hat sich erst jetzt aktiv in den Prozess eingeschaltet. Vizepräsident Markus Vogel begründet: «Die Unterstützung aus der Kirchgemeinde ist gross. Wir reagieren auf die grosse Angst der Familie im Hinblick auf eine drohende Ausschaffungsaktion seitens der Behörden. Das Erlebnis des ersten, unangekündigten Ausschaffungsversuchs im letzten September hat traumatische Spuren bei der Familie hinter­lassen.»

Vogel berichtet auch von einem zweiten unangekündigten Ausschaffungsversuch vor wenigen Wochen. Die Polizei habe sich frühmorgens gewaltsam Zutritt zur Wohnung verschafft. Die Familie sei aber nicht zu Hause gewesen. «Wir erwarten jetzt, dass der Vorgang mit einer gewissen Menschlichkeit abläuft. Immerhin hat das Bundesverwaltungsgericht den kantonalen Vollzugsbehörden die Anweisung gegeben, die Familie vorgängig psychologisch und medikamentös auf die Rückkehr vorzubereiten. Das Gewähren des Kirchenasyls ist ein entsprechender symbolischer Akt», sagt Markus Vogel.

Einen Termin für die Ausschaffung gibt es trotz des abschliessenden Entscheids des Bundesverwaltungsgerichts nicht. Vogel hofft, dass doch noch ein Umdenken stattfindet. Die Kirchenpflege verweist in ihrer Mitteilung auf einen Bericht von Amnesty International. Demnach müsse der Vater der tschetschenischen Familie nach seiner Rückkehr um sein Leben fürchten.

Auch das Komitee «Hier zuhause» ist weiterhin aktiv. Es hat gemeinsam mit den Anwälten der Familie eine Beschwerde beim Committee Against Torture (CAT) eingereicht. Das CAT steht nicht über dem schweizerischen Recht, wacht aber über die Einhaltung verschiedener relevanter Konventionen, die auch von der Schweiz ratifiziert worden sind. «Solche sind im vorliegenden Fall deutlich verletzt worden», sagt Ronie Bürgin vom Komitee.

(zsz.ch)

Erstellt: 08.05.2016, 20:31 Uhr

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