Klima

Kaum jemand kommt den Klima-Forderungen der Schüler nach

Die Schülerbewegung um Greta Thunberg fordert weniger CO2-Ausstoss. Eine zentrale Forderung ist die Reduktion von Flugreisen. In der Realität wenden sich allerdings nicht viele vom Fliegen ab.

Für das Klima verzichtet noch kaum Jemand auf das Fliegen. Die Flugzeuge sind über Ostern ähnlich ausgelastet wie im letzten Jahr.

Für das Klima verzichtet noch kaum Jemand auf das Fliegen. Die Flugzeuge sind über Ostern ähnlich ausgelastet wie im letzten Jahr. Bild: Doris Fanconi

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Die Klimadebatte ist in vollem Gange. Von Greta Thunberg haben sich Millionen von Schülern inspirieren lassen und fordern eine Reduktion der CO2-Emissionen, bestenfalls auf null. Eine der meistgenannten Forderungen ist der Verzicht auf Flugreisen. Unterstützt werden die Jugendlichen von vielen Seiten. Doch laut den Reisebüros lässt sich die Bevölkerung die Flugreisen in die Ferne noch nicht nehmen.

Hansjörg Oswald vom Reisebüro Jojo in Richterswil sagt: «Im Moment merken wir von der grünen Welle nichts, unsere Kunden fliegen noch gleich viel.» Er könne sich vorstellen, dass in der Zukunft vermehrt Alternativen gefragt seien. Im Reisebüro Colibri in Männedorf ist es nicht anders, der Klima-Hype ist nicht spürbar. Inhaber Thomas Schwotzer sagt: «Vor allem bei Feiertagen wie Ostern waren die Ferien schon lange im Voraus gebucht, als die Klimadebatte noch nicht so sehr im Fokus stand.» Doch auch bei heutigen Anfragen würde sich kaum jemand nach Alternativen zum Fliegen erkundigen.

Fürs CO2 bezahlen

Beide Reisebüros bieten aber eine CO2-Kompensation an. Dabei zahlt der Passagier je nach Flugstrecke einen Betrag, mit dem Projekte finanziert werden, die das Klima und Nachhaltigkeit direkt fördern sollen.

Auch der Reiseanbieter Kuoni setzt auf CO2-Kompensation. «Im Mai und Juni werden wir die Hälfte der CO2-Kompensation von Flügen übernehmen», sagt Markus Flick, Mediensprecher von Kuoni. «Wir wollen die Hürde, dem Klima zu helfen, etwas kleiner machen.» Kuoni wolle ein Zeichen setzen und der Klimabewegung konstruktiv begegnen. Man sei sich sicher, dass der Kunde sich in Zukunft nicht nur zwischen Flug oder nicht Flug entschieden wolle, sondern auch ein nachhaltiges Reiseunternehmen verlange.

Billigflüge sind verlockend

Momentan ist die Anzahl der gebuchten Flugreisen noch relativ stabil. Bei der Swiss seien über Ostern gleich viele Flüge gebucht worden wie im vergangenen Jahr, schreibt SRF. «Touristische Trends manifestieren sich nicht in so kurzer Zeit», sagt Flick. Ausserdem seien 95 Prozent von Kuonis Destinationen nicht mit dem Zug erreichbar. «Die Schweizer wollen dorthin in die Ferien, auch wenn es keine Alternative zum Flugzeug gibt.» Durch das Angebot der Billigfluggesellschaften ist der Flug nicht nur schnell, sondern auch günstig.

Mittelfristig könne sich Flick aber vorstellen, dass die Klimadebatte Einfluss auf das allgemeine Flugverhalten habe. Vor allem, da die streikenden Schüler die künftigen Kunden von Kuoni sind. Der Streik wird auf diese Generation Einfluss haben. «Wir vermuten, dass der Trend dazu gehen wird, eher längere Reisen mit dem Flugzeug zu unternehmen, dafür aber weniger pro Jahr», sagt Flick. Zusätzlich würden wahrscheinlich vermehrt Leute eine CO2-Kompensationen bezahlen, um der Umwelt zu helfen.

Umfrage: Was Schülerinnen und Schüler von Flugreisen halten.

Die Organisation Myclimate bietet die CO2-Kompensationen an. Dabei wird pro Flugreise, Autoreise oder für den eigenen Haushalt grob der CO2-Ausstoss berechnet. Aufgrund der CO2-Menge wird ein Preis berechnet, mit welchem der Ausstoss kompensiert werden kann. Pro Tonne CO2 sind es etwa 28 Franken. Dieses Geld kommt Projekten zugute, die das Klima direkt unterstützen und die nachhaltige Entwicklung in den Projektregionen fördern sollen.

Greta-Effekt bemerkbar

Im Gegensatz zu den Reisebüros, ist bei Myclimate die grüne Welle sehr deutlich bemerkbar. 2018 sind die Einnahmen im Vergleich zum Jahr 2017 um 80 Prozent angestiegen. 2018 ist das Jahr, in dem Greta Thunberg ihren Schulstreik begonnen und damit die Schülerstreikbewegung ausgelöst hat.

Noch markanter zeichnet sich der «Greta-Effekt» aber im Vergleich des ersten Quartals 2018 und des ersten Quartals 2019 ab. Der Gesamtbetrag der CO2-Kompensationen sei um 200 Prozent angestiegen. Kai Landwehr, Mediensprecher von Myclimate sagt: «Das liegt zum einen an Flugreisenden, zum anderen aber auch an Unternehmen, die nachhaltiger arbeiten und sich für die Umwelt starkmachen wollen.»

Erstellt: 11.04.2019, 17:01 Uhr

Für einen einwöchigen Sprachaufenthalt fliegen Gymischüler nach Spanien oder England

An den Klimademonstrationen forden Kantonsschüler, dass die CO²-Emissionen der Schweiz bis 2030 auf null reduziert werden. Für ihre Sprachaufenthalte und Maturareisen scheinen die Klimaziele weniger wichtig zu sein – dafür benützen die Gymischüler oft das Flugzeug.

Die Schüler der Kantonsschule Küsnacht fliegen nur für Sprachaufenthalte, die eine Woche dauern. Für kurze Distanzen wie nach Venedig nehmen sie den Zug, nach Sevilla und London nehmen sie das Flugzeug. «Zusätzlich fliegen wir auch noch für den dreiwöchigen Aufenthalt der zweisprachigen Klassen in England», sagt Rektor Christian Grütter. «Wir überprüfen aber im Moment die Reiseform.» Wenn man drei Wochen lang in England ist, dürfe die Reise auch etwas länger dauern. Auf den Maturareisen wird an der Kantonsschule Küsnacht nicht mehr geflogen. Seit fünf Jahren gibt es das Projekt «Gemeinsam unterwegs» – die Abschlussklassen sollen in der Schweiz oder in Grenznähe auf Reisen gehen. Dabei sollen Grossstädte gemieden werden, da es dort für die Lehrer sehr schwierig wurde, Verantwortung zu übernehmen, wie Grütter erklärt.

Ein ähnliches Konzept wie «Gemeinsam unterwegs» für die Abschlussreisen kann sich auch Martin Zimmermann, Rektor der neuen Kantonsschule Uetikon, vorstellen. «Für uns liegt das noch in weiter Ferne», sagt er. «2022 werden die ersten Schüler bei uns die Matura ablegen.» Für sinnvolle Projekte müsse man in gewissen Fällen auch fliegen können: Nach Valencia oder Dublin lohne sich beispielsweise die Reise mit dem Flugzeug für einen Sprachaufenthalt, wie Zimmermann erklärt.

An der Kantonsschule Enge sammeln Schüler im Moment Unterschriften: Auf ihrer Abschlussreise soll ein striktes Flugverbot gelten. «Auf dieser sogenannten Studienreise sollte man jetzt schon Orte besuchen, die mit dem Zug erreichbar sind», sagt Moritz Spillmann, der Rektor. Jedoch gebe es Ausnahmen. Dieses Jahr zum Beispiel fliegt eine Klasse nach Dublin. «Wenn man auf der Studienreise fliegen will, dann muss die Klasse die CO²-Emissionen kompensieren», betont Spillmann.

Für einen dreiwöchigen Austausch fliegen die zweisprachigen Klassen der Kantonsschule Enge in der dritten Klasse nach San Francisco. «Dieses Projekt entstand im Rahmen der Städtepartnerschaft zwischen Zürich und San Francisco», sagt Spillmann. «Auch die Schüler sehen ein, dass diese Partnerschaft einen grossen Wert hat.» Deshalb würde diese Reise auch vom Flugverbot ausgenommen. Langfristig fordern die Schüler, eine andere Partnerschule in England für diesen Austausch zu finden. (mps)

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