Horgen

Kanton zerschlägt Plan für bezirkseigenen Notfalldienst

Die Gemeinden des Bezirks Horgen wollten den gefährdeten Notfalldienst mit der Ärztefon AG retten. Der Kanton will den Gemeinden nun etwas anderes diktieren: Die Ärztegesellschaft Zürich möchte eine kantonsweite Telefonzentrale installieren.

Mit der Ärztefon AG stünde eine kostengünstige Alternative zum teuren Notfalldienst bereit – der Kanton hat andere Pläne.

Mit der Ärztefon AG stünde eine kostengünstige Alternative zum teuren Notfalldienst bereit – der Kanton hat andere Pläne. Bild: Symbolbild/Keystone

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Der Notfalldienst ist finanziell wie personell in Bedrängnis geraten. Um die ärztliche Versorgung auch in Zukunft sicherzustellen, will man mit der Ärztegesellschaft des Kantons Zürich (AGZ) zusammenarbeiten. Dafür haben Vertreter von Kanton, der Gemeindepräsidentenverband und die Ärztegesellschaft erste Weichen gestellt. Ab 2018 soll es eine Telefonzentrale geben, welche die Triage von Notfällen für den ganzen Kanton übernimmt.

Geplant hat der Gemeindepräsidentenverband eigentlich etwas anderes: Eine kostengünstige Alternative mit der Ärztefon AG. Dieses Konzept hätte jährlich nur etwas mehr als zwei Franken pro Einwohner gekostet. Das wäre billiger gewesen als das damalige Angebot der AGZ, das ein Fünffaches verlangte. Wie teuer die aktuelle Variante die öffentliche Hand zu stehen kommt, hat der Regierungsrat noch nicht berechnet.

Gemeinden und Ärzte sind gefordert

Der Wädenswiler Stadtpräsident Philipp Kutter (CVP), Vorsitzender der Gemeindepräsidentenkonferenz, geht davon aus, dass sich der Beitrag der Gemeinden im Bereich der Ärztefon-Lösung bewegen wird. Dies weil sich neu der Kanton und die Ärzte an den Kosten beteiligen sollen.

Kutter zeigt sich von der Absicht des Kantons trotz der Wendung erfreut: «Wenn mann eine kantonale Lösung will, ist es unerlässlich, dass die Gesundheitsdirektion in dieser Frage eine führende Rolle einnimmt». Der Kanton habe sich lange herausgehalten, weshalb die Gemeinden selbst individuell nach Lösungen suchten. Dass er nun doch noch aktiv geworden ist, sei begrüssenswert, sagt er.

«Wir haben mit der Ärztefon AG eine Lösung angestrebt, in der die telefonische Triage von der öffentlichen Hand finanziert wird und die Ärzte verantwortlich für die medizinische Leistung bleiben», erklärt Kutter. Mit der neuen Lösung des Kantons sei dies ebenfalls gewährleistet. Während der Kanton und allenfalls die Gemeinden die Kosten der Triagenstelle übernehmen sollen, müssen Ärzte, die sich nicht am ambulanten Notfalldienstprogramm beteiligen, jedes Jahr eine Ersatzabgabe von 5 000 Franken bezahlen.

Kanton wusste vom Vorhaben des Bezirks

«Da das Vorhaben des Kantons erst ab 2018 in Kraft tritt, haben wir ein Zwischenjahr gewonnen, das allen Beteiligten mehr Zeit verschafft, eine neue Lösung zu erarbeiten», sagt Philipp Kutter.

Gemäss Josef Widler (CVP), Präsident der AGZ und Mitglied des Kantonsrats, wusste der Kanton Zürich vom Vorhaben der Gemeinden des Bezirks Horgen. «Viele Ärzte haben aber beim Projekt des linken Seeufers nicht mitgemacht», sagt er. Zudem könne nur eine kantonsweite einheitliche Lösung dem Patientenwohl im Notfall wirklich gerecht werden.

«Im Zwischenjahr 2017 soll der ambulante Notfalldienst in jeder Gemeinde individuell wie bisher weitergeführt werden», erklärt Josef Widler. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 07.12.2016, 18:55 Uhr

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