Thalwil

Kanton hält ehemaliges Kino Speer für schutzwürdig

Das ehemalige Kino Speer wird vielleicht doch nicht abgerissen. Die kantonale Denkmalpflege will das orangefarbene Gebäude an der Mühlebachstrasse unter Schutz stellen. Die Eigentümerin jedoch wehrt sich.

Ursprünglich war anstelle des ehemaligen Kinos Speer ein Neubau geplant. Weil das Gebäude unter Schutz gestellt werden könnte, liegen diese Pläne zurzeit auf Eis.

Ursprünglich war anstelle des ehemaligen Kinos Speer ein Neubau geplant. Weil das Gebäude unter Schutz gestellt werden könnte, liegen diese Pläne zurzeit auf Eis. Bild: Reto Schneider

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Der Schriftzug verrät es noch: Einst war das markante orangefarbene Gebäude an der Ecke Mühlebachstrasse/Gotthardstrasse ein Kino. Diese Vergangenheit holt das ehemalige Kino Speer nun ein. Eigentümerin und Kanton streiten sich zurzeit, was mit dem Gebäude passieren soll.

Vor zwei Jahren schon wurde in der Trattoria Gallo Nero im oberen Stock der Liegenschaft das letzte Mal Ossobucco della Casa serviert. Ein Stockwerk tiefer feierte die Freikirche Christliches Zentrum im Frühling 2014 den letzten Gottesdienst. Nur die Zimmer und Wohnungen in der Liegenschaft sind weiterhin vermietet.

Die Eigentümerin des einstigen Landkinos Speer, die Activa Swiss AG in Küsnacht, plante, das Haus abzureissen und durch ein Mehrfamilienhaus mit sechs bis sieben Eigentumswohnungen zu ersetzen. Als Baubeginn war der Winter 2014/15 vorgesehen. Das Projekt ist jedoch zurzeit auf die lange Bank geschoben, da ein Verfahren zur Unterschutzstellung des Gebäudes läuft.

Einstiges Kino ist von überregionaler Bedeutung

Die Liegenschaft ist weder im kantonalen, noch im kommunalen Inventar der Denkmalpflege aufgeführt. Urs Leimann, Geschäftsführer der Activa Swiss AG, legte der Baubehörde deshalb Ende 2013 eine Vorprojektstudie für den Neubau des Mehrfamilienhauses vor und traf baurechtliche Abklärungen. «Zu meinem Erstaunen hörte ich, dass die Baubehörde mit dem Kanton zusammen die Schutzwürdigkeit der Liegenschaft prüfen will», sagt Leimann. Die Gemeinde Thalwil erliess vorsorglich Schutzmassnahmen und informierte ihn schriftlich darüber, dass er ohne Bewilligung keine Veränderungen am Gebäude vornehmen darf.

Um in Erfahrung zu bringen, ob die Liegenschaft tatsächlich schützenswert ist, liess der Geschäftsführer bei der Ibid AG in Winterthur ein Gutachten erstellen. Wie er informiert, kam die Firma zum Schluss, das Gebäude des ehemaligen Kinos Speer sei nicht schutzwürdig.

Anders die kantonale Denkmalpflegekommission: Sie hält das Gebäude für ein «schützenswertes Objekt von überregionaler Bedeutung», wie von der Gemeinde Thalwil zu erfahren ist. Zurzeit läuft deshalb das Verfahren zur Unterschutzstellung. Um ein Bauwerk ins Inventar aufzunehmen, zähle, ob der Bau als wichtiger Zeuge einer politischen, wirtschaftlichen, sozialen oder baukünstlerischen Epoche erhaltenswert sei, sagt Markus Pfanner, Mediensprecher der kantonalen Baudirektion. Da im Kanton Zürich nur sehr wenige Landkinos vorhanden seien, werde diese Frage aktuell auch beim ehemaligen Kino Speer geprüft. Aus welchen Gründen die kantonale Denkmalpflegekommission das Gebäude für schützenswert hält, dazu will er mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht näher Stellung nehmen. Der Geschäftsführer der Activa Swiss AG jedenfalls hat beim Baurekursgericht Einsprache erhoben. Er protestiert gegen die provisorische Schutzmassnahme. Gemeinde und Kanton hätten zudem gleich mehrere Fristen nicht eingehalten, sagt er. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 20.01.2016, 17:58 Uhr

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