Wädenswil

Kahlschlag in der Apfelsammlung

Weil sie ihre Lebensdauer überschritten hat, ist die Apfelsortensammlung auf dem Campus Grüental in Wädenswil gerodet worden. Eine neue Sammlung ist bereits angelegt.

Auf der Wiese, die einst die Apfelsortensammlung beherbergte, entsteht nun Lebensraum für kleine Säuger, Vögel und Insekten. Die gefällten Apfelbäume bleiben liegen.

Auf der Wiese, die einst die Apfelsortensammlung beherbergte, entsteht nun Lebensraum für kleine Säuger, Vögel und Insekten. Die gefällten Apfelbäume bleiben liegen. Bild: Patrick Gutenberg

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Seit 2003 pflegt die Apfelsortensammlung am Grüntalweg auf dem Campus der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaft (ZHAW) in Wädenswil. Nun haben die rund 1000 Niederstammbäume ihre maximale Lebensdauer erreicht und sind gerodet worden. «Bei Niederstämmen liegt die Lebenserwartung bei etwa 15 Jahren», sagt Jürg Boos, Dozent für Obstbau an der ZHAW.

Im Gegensatz zu den langlebigen Hochstammbäumen haben Niederstammbäume eine schwach wachsende Wurzel. Deren Wachstum wird mit den Jahren langsamer, was die Lebensdauer der Pflanzen einschränkt.

Deshalb habe man bereits im Jahr 2017 mit der Ablöseplanung begonnen und damit, Jungbäume für die neue Apfelsortensammlung zu ziehen. Es ist die Vierte, welche die ZHAW in Wädenswil anlegt. «Ziel solcher Sortensammlungen ist, den Bestand alter Sorten zu sichern», sagt Boos. Sie werden vom Bundesamt für Landwirtschaft unterstützt.

In Wädenswil ist die Obstanlage Teil einer Zusammenarbeit zwischen der ZHAW und der Agroscope. «Die Projektleitung liegt bei der ZHAW, der auch das Land gehört. Die Agroscope ist bei der Umsetzung der Arbeiten federführend», erklärt Boos.

Die neue Apfelsortensammlung der ZHAW ist bergseits der gerodeten Fläche am Grüntalweg. Früher standen dort Steinobstbäume wie Kirschen- und Pfirsichbäume. Aus verschiedenen Gründen habe man sich dagegen entschieden, die neue Sammlung auf der gleichen Wiese wie bisher anzulegen. «Vor allem der untere Teil der Wiese ist relativ feucht. Das ist für Apfelbäume nicht optimal», sagt Boos. «In der neuen Anlage sind die Jungbäume unter einem Hagelnetz», sagt Boos. In der Vergangenheit habe der Hagel diese und deren erste Früchte oft zerschlagen. Dem wollte man diesmal entgegenwirken.

Raum für Wiesel und Bienen

Neben Wädenswil ist auch im St.Gallischen Rheintal eine identische Apfelsortensammlungen gepflanzt worden. Eine dritte Sammlung entsteht nächstes Jahr im Wallis. «An allen drei Standorten wachsen die gleichen Sorten», sagt Boos. «So können wir vergleichen, wie sich das lokale Klima auf das Wachstum der Pflanzen und die Fruchtqualität auswirkt.»

Die neue Sammlung enthalte rund 450 Apfelsorten, welche ganze Breite der Schweizer Apfelsortenvielfalt darstellt. «Zurzeit sind die jungen Apfelbäume bereits einen Meter gross.» Die gerodete Fläche der alten Baumsammlung nutzt nun die Forschungsgruppe für Wildtiermanagement für ein Projekt. «In den kommenden Monaten und Jahren soll auf der Wiese Lebensraum für alle möglichen Tiere entstehen», sagt Boos.

So habe der Verein «Wildbiene + Partner AG» bereits sogenannte Insektenhotels für die Wildbienenzucht aufgestellt. Die gerodeten Apfelbäume werden ebenfalls auf der Wiese liegen bleiben. «Kleine Säuger wie zum Beispiel das Mauswiesel nutzen solches Unterholz gerne für ihre Baue», sagt Boos. Die Wildobstsammlung in der Wiesenmitte bleibt vorerst bestehen.

Erstellt: 04.06.2019, 17:51 Uhr

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