Zürichsee

Kahlschlag bei den Obersee-Rundfahrten

Aus für die tägliche Schiffsrundfahrt auf dem Obersee. Die Gemeinden in den Kantonen St. Gallen und Schwyz sind nicht bereit, die finanziellen Forderungen des Kantons Zürich zu erfüllen.

Auf dem Obersee – hier der Rapperswiler Hafen – wird das Schiffsangebot innert nur zwei Jahren drastisch reduziert.

Auf dem Obersee – hier der Rapperswiler Hafen – wird das Schiffsangebot innert nur zwei Jahren drastisch reduziert. Bild: Archiv Manuela Matt

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Wie viel ist uns das Schiffsangebot auf dem Zürichsee wert? Diese Frage mussten die Schwyzer und St. Galler Gemeinden am See in den vergangenen Monaten für sich beantworten. Denn der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) machte den Gemeinden Rapperswil-Jona, Schmerikon, Lachen, Altendorf und Freienbach bereits Ende des letzten Jahres klar: Sie müssen zukünftig für die Angebote der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) tiefer in die Tasche greifen.

Für das Schiffsangebot ab dem Fahrplanjahr 2020 will der ZVV allein von Rapperswil-Jona rund 750'000 Franken verlangen – etwa fünfmal mehr wie heute. Seit den 1990er-Jahren regelten sogenannte Schiffstegvereinbarungen die finanzielle Beteiligung der grossen Gemeinden Freienbach und Rapperswil-Jona.

Auch kleine Gemeinden müssen zahlen

Die Zürcher wollen aber auch bei den kleinen Gemeinden wie Schmerikon mit nur ein bis zwei Schiffsabfahrten pro Tag in der Hauptsaison eine finanzielle Beteiligung eintreiben. Jahrelang hatten die Zürcher darauf verzichtet, weil der Ermittlung der ungedeckten Kosten ein unverhältnismässig hoher Aufwand entgegenstand. Weil die Daten nun jährlich vorliegen, könne der damalige Verzicht nicht mehr aufrechterhalten werden, informierte der ZVV die Gemeinden. In mehreren Verhandlungsrunden musste in den letzten Wochen deshalb eine Lösung für die finanzielle Beteiligung gefunden werden.

«Unter der Woche fahren die Schiffe den Obersee nicht mehr an»Stefan Kaufmann, ZVV-Sprecher

Nun haben sich der ZVV und die beteiligten Gemeinden geeinigt. Die Zustimmung zur Vereinbarung dürfte jetzt Formsache sein. Weil aber die Verträge noch nicht von allen Beteiligten unterzeichnet sind, äussern sich die meisten nur zurückhaltend oder gar nicht. Die Details sind der «Zürichsee-Zeitung» dennoch aus mehreren unabhängigen Quellen bekannt – und die haben es in sich.

Die Gemeinden Schmerikon, Altendorf und Lachen sind nicht bereit für eine tägliche Rundfahrt während der Sommersaison zu bezahlen. Damit werden ab kommenden Jahr fast dreiviertel aller Schiffskurse im Obersee gestrichen. «Unter der Woche fahren die Schiffe den Obersee nicht mehr an», bestätigt ZVV-Sprecher Stefan Kaufmann. Von Mai bis September geht es künftig nur noch am Wochenende mit der grossen Rundfahrt ab Zürich in den Obersee. «Eine tägliche Schiffsverbindung wäre zu teuer gewesen», sagt der Lachner Gemeindepräsident Pit Marty (FDP).

Folge des Schiffszuschlags

Ähnlich tönt es aus Schmerikon. Gemeindepräsident Félix Brunschwiler (parteilos) sagt: «Das ist nun die Folge, weil der Schiffsfünfliber abgeschafft wurde.» Aus Brunschwilers Sicht sind die Schifffahrten auf dem Zürichsee zu günstig. Seine Gemeinde bezahlt für den Halt des einen Obersee-Kurses am Wochenende nun jährlich knapp 20'000 Franken.

Weil der Kilometertarif für die Schiffskurse offenbar nicht verhandelbar war, blieb den teils finanzschwachen kleinen Gemeinden nichts anderes übrig, als zähneknirschend den Kahlschlag bei der Obersee-Rundfahrt hinzunehmen. Anders als im Kanton Zürich gilt in Schwyz und St. Gallen die Schifffahrt als reines Freizeitangebot und wird dementsprechend von den Kantonen finanziell nicht unterstützt.

Nicht die erste Kürzung

Auf dem Obersee wird damit innert nur zwei Jahren das Angebot drastisch reduziert. Während mehrerer Jahre verkehrten auf dem Obersee zwei Schiffe täglich. Die Gemeinden Rapperswil-Jona, Schmerikon, Lachen, Altendorf und Freienbach hatten sich 2012 eine zweite täglich Rundfahrt gewünscht und mitfinanziert. 2015 reduzierten die Schwyzer Gemeinden ihre Beiträge, weil das Angebot aus ihrer Sicht zu wenig genutzt wurde. Auf die Saison 2018 wurde der Kurs ganz abgeschafft. Seither verkehrt täglich ein Kurs. Doch nun ist auch dieser bald Geschichte.

Ausbau des Angebots

Die Veränderungen am oberen Ende des Zürichsees fallen in eine Zeit, in der die ZSG eigentlich das Schiffsangebot ab Rapperswil ausbauen wollte. Vorgesehen sind etwa eine Rundfahrt ab der Rosenstadt oder ein Shuttle auf die Insel Ufenau. Pikant: Als der neue Fahrplan diskutiert wurde, wusste Rapperswil-Jona noch nicht, was finanziell auf sie zukommt.

«Rapperswil-Jona ohne die ZSG wäre schwer vorstellbar»Martin Stöckling, Stadtpräsident Rapperswil-Jona

So wie es derzeit aussieht, ist die Stadt bereit dieses zusätzliche Angebot mitzufinanzieren. Allerdings nicht im vom ZVV geforderten Umfang einer neuen Vereinbarung von gesamthaft rund 750'000 Franken. Am Verhandlungstisch wurde dafür ein Kniff gefunden: Die derzeit gültige Schiffstegvereinbarung läuft mit der Stadt nämlich noch zwei Jahre weiter. Auf dieser heutigen Grundlage wird nun auch die zusätzliche finanzielle Beteiligung für die neuen Kurse berechnet, heisst es aus gut informierten Kreisen. Weder der ZVV noch Stadtpräsident Martin Stöckling (FDP) wollen sich zur getroffenen Lösung und der Höhe der finanziellen Beiträge äussern. Selbiges gilt auch für die Vertreter der Gemeinde Freienbach.

Problem verschoben

Viel wesentlicher als die Berechnungsgrundlage der Beiträge ist die Tatsache, dass die noch zwei Jahre gültige Vereinbarung den Zeithorizont der Einigung mit allen Obersee-Gemeinden absteckt. Bereits in Kürze werden also die betroffenen Gemeinden wieder an den Verhandlungstisch sitzen müssen, um über das Schiffsangebot im oberen Seeteil und zur Insel Ufenau zu brüten.

Aus Gemeindekreisen heisst es, damit werde das Problem einfach um zwei Jahre verschoben. Andererseits erhoffen sich manche, in dieser Zeit andere Kassen für die Schifffahrt anzapfen zu können. Martin Stöckling machte bereits im März gegenüber dieser Zeitung klar: «Rapperswil-Jona ohne die ZSG wäre schwer vorstellbar.» Und trotzdem: Was passieren kann, wenn man die Forderungen des ZVV nicht erfüllen kann – oder will – müssen die kleinen Gemeinden am Obersee schon ab 2020 erfahren.

Erstellt: 24.05.2019, 11:46 Uhr

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