Horgen / Adliswil

Junger Katholik komponierte den Sound zum Reformationsmusical

Manuel Ledergerber aus Adliswil schrieb die Musik für das Reformationsmusical «Der letzte Stich». Das unterhaltsam-heitere und zugleich ernste Stück baut eine Brücke zwischen den Konfessionen.

Der 20-jährige Manuel Ledergerber aus Adliswil komponierte die Musik zum Reformationsmusical.

Der 20-jährige Manuel Ledergerber aus Adliswil komponierte die Musik zum Reformationsmusical. Bild: Viviane Schwizer

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Zwar ist die Freizeit für Manuel Ledergerber im Moment knapp. Der 20-Jährige ist in der Ausbildung zum Offizier in der Militärmusik. Auch in den freien Stunden widmet sich der Adliswiler seiner Passion: Er spielt begeistert Klavier, zwischendurch auch Schlagzeug, E-Gitarre und Bass. Zudem komponiert er gerne und erfolgreich. Für die Maturaarbeit vor anderthalb Jahren schrieb und produzierte er die Musik zu dem Kurzfilm «The Lonely Way». Die Arbeit wurde im Kanton Zürich als eine der besten seines Jahrgangs ausgezeichnet.

Manuel Ledergerbers bisher grösste Arbeit war aber die Komposition der Musik zum Reformationsmusical «Der letzte Stich», geschrieben vom reformierten Pfarrer Achim Kuhn. Er freute sich als Katholik auf die herausfordernde Aufgabe. Mit Respekt, Sachverstand und Begeisterung machte er sich an die Arbeit und kreierte in rund zehn Monaten Musik, die dem modernen Gehalt des Stückes entspricht.

«Der letzte Stich» präsentiert sich vielseitig: Das Musical spielt an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten. Gleichsam über den Zeiten steht der Ad-hoc- Chor, dessen Lieder das Stück kommentieren, vertiefen und ­gedanklich weiterführen. Beim Komponieren der Musik musste Manuel Ledergerber nicht nur dem Chor, sondern auch dem Inhalt Rechnung tragen: Im Stück spricht einerseits ein Vater mit seiner Tochter beim Campieren über Gott und die Welt. Andererseits wird das Gleichnis vom verlorenen Sohn in die heutige Zeit hinein übersetzt.

Unterhaltsam und witzig

Auch ein ultracooler Engel taucht immer wieder auf. Im Kontakt mit Jesus regt er aber auch zum Nachdenken an. Besonders originell sind die drei Reformatoren Luther, Zwingli und Calvin, die nach den ins Land gegangenen Jahrhunderten aus dem Himmel die heutige Zeit verfolgen: Wenn sie auf die Erde hinunterschauen, sind sie enttäuscht. Denn sie sehen wohl, dass die Menschen zu ihrem Glück dringend etwas brauchen, aber sie erkennen zugleich, dass die damalige Reformationsbotschaft den heutigen Menschen so nichts mehr zu sagen hat. Sie denken darüber nach, wie diese Botschaft heutzutage helfen kann, kommen aber zu keinem Ergebnis. Zum Zeitvertreib und um nicht griesgrämig zu versteinern, klopfen die drei Reformatoren hin und wieder einen Jass. Bei wem liegen die Trumpfkarten? Wer wird wohl den letzten Stich machen?

Das Spiel kann die drängenden Fragen aber nicht wegwischen: Kann sich eine kirchliche Erneuerung heute nochmals ereignen? Oder ist die Reformation endgültig passé? Manuel Ledergerber, den die Fragen ebenfalls beschäftigen, versuchte alle diese Fragen in sein Musikkonzept einzubinden.

Fröhlich und tiefgründig

Der junge Adliswiler Komponist beschreibt die Musik im Reformationsmusical als einen Mix aus eingängigen Pop-Harmonien, funkig-frechen Grooves, rockigen Gitarren und sogar aus Chorälen.

Er spielt im Stück selber auf dem Klavier und ist Teil der auftretenden Band. Zu seiner Vertonung sagt er: «Ich wollte eine mitreissende Musik kreieren, die im Gedächtnis haften bleibt und die Füsse wippen lässt.» Fröhlich und tiefgründig sollten die Rhythmen sein. Die Fragen hinter dem Offensichtlichen sollten in der Musik zum Ausdruck kommen. Manuel Ledergerber, katholisch aufgewachsen und sozialisiert, fragt sich, ob die Gräben zwischen den Konfessionen sich dereinst zuschütten lassen. Werden Menschen den inneren Frieden mit Gott in Zukunft wieder gemeinsam suchen können – unabhängig von ihrer Konfession?

Die religiöse Dimension kommt besonders in den Chorälen zum Tragen. Der Chor singt in Manuel Ledergerbers Werk hoffnungsvoll, zeitweise fast beschwörend: «Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde . . .» Am Schluss des Musicals sind offene Fragen in anregender Weise zumindest teilweise beantwortet. Auf der Basis des Textes von Paul Gerhardt schliesst der Chor das Musical tröstlich und optimistisch mit der ersten Strophe aus dem Lied «Sollt ich meinem Gott nicht singen?» Dieser Text verdeutlicht, worin jede Versöhnung letztlich immer gründet: «Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit.»

Das Reformationsmusical «Der letzte Stich» ist zu sehen: am Samstag, 7. April, 19.30 Uhr, Adliswil, Zurich International School, Eichenweg 2. Am Sonntag, 15. April, 17.15 Uhr, Horgen, ref. Kirchgemeindesaal, Kelliweg 21. Eintritt frei, Kollekte. Weitere Informationen: www.reformationsmusical.ch. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 04.04.2018, 16:25 Uhr

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