Richterswil

Jugendarbeitende aus der Schweiz und dem Westbalkan rücken zusammen

Unter dem Titel «We make democracy!» hat die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände ein Seminar für Jugendarbeitende aus der Schweiz und dem Westbalkan initiiert. Ziel ist es, die Jugendarbeit flächendeckend voranzutreiben.

Jugendarbeitende aus diversen Ländern tauschen in der Jugendherberge Erfahrungen aus.

Jugendarbeitende aus diversen Ländern tauschen in der Jugendherberge Erfahrungen aus. Bild: Sabine Rock

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«Das Interesse für das Seminar war riesig», erzählt Lea Meister. Sie koordiniert das Projekt. Über die Partnerorganisationen in Slowenien, Serbien, Montenegro, Albanien, Kosovo, Mazedonien, Bosnien und Herzegovina und Moldawien hätten sich rund 160 Personen für die 40 ausgeschriebenen Plätze beworben. Entstanden ist eine bunte Mischung von 18- bis 35-Jährigen aus allen Ländern, die sich in der Jugendherberge Richterswil unter einer länderübergreifenden Leitung mit gesellschaftlich relevanten Themen wie Inklusion beschäftigen.

Mittel sehr beschränkt

Die 25-jährige Trendolina Shaqiri, Jugendarbeiterin der Stadt Wädenswil, unterhält sich gerade mit einer Berufskollegin aus Albanien. Sie schätzt den Einblick in andere Lebenswelten. «Die Unterschiede sind riesig», fasst sie zusammen, im Westbalkan seien die Mittel für die Jugendarbeit sehr beschränkt. Es würden dort kaum staatliche Mittel eingesetzt, um die Jugendarbeit zu fördern, bestätigt auch Projektkoordinatorin Lea Meister. Ziel sei es deshalb auch, gemeinsame Projekte auf lange Sicht zu planen, von denen alle involvierten Länder gleichermassen profitieren können.

«We make democracy, hiess es in der Jugendherberge Richterswil. Bild: Sabine Rock

Unter der Leitung von Melanie Fröhlich, einer europaratszertifizierten Trainerin mit Schwerpunkt Inklusion, setzen sich die Teilnehmenden am zweiten Seminartag mit dem eigenen Hintergrund und dem daraus entstandenen Wertesystem auseinander. In einer spielerischen Übung sollen die Teilnehmenden mittels Bewegung zu einigen Statements Stellung beziehen. Die Motivation der jungen Teilnehmenden ist auch in der Nachbesprechung spürbar. Auf Englisch wird diskutiert, wie unterschiedlich Menschen in ihrer Familie und in ihrem System aufwachsen können und welche Startbedingungen das mit sich bringt.

Hier und da springt Luis Bekteshi ein, ein Trainer aus Albanien, der sich mit seiner NGO Perspektiva in Tirana für Toleranz und gegen Rassismus einsetzt. Er ist einer der wenigen aus dem Westbalkan, die ausschliesslich als Jugendarbeitende tätig sind. «Die meisten arbeiten in einem erlernten Beruf und setzen sich nebenbei für die Gemeinwesenarbeit ein», erklärt Meister, diese seien wahnsinnig engagiert und würden einen grossen Wissensschatz mitbringen. «Wir wollen hier nicht Vorzeigebeispiel sein, sondern auf Augenhöhe diskutieren», sagt sie bestimmt.

Moralisches Wertesystem

In einer weiteren Übung lässt Workshopleiterin Fröhlich Wertesysteme aufeinanderprallen. Anhand einer Kurzgeschichte mit verschiedenen Charakteren soll eine Wertung erstellt werden, wer in seinem Handeln am besten oder schlechtesten abschneidet. Die Kleingruppen diskutieren angeregt – ohne zu einer einheitlichen Lösung zu kommen. «Jeder und jede bringt sein verinnerlichtes Wertesystem mit», fasst Fröhlich zusammen, dieses basiere darauf, wie man sozialisiert worden sei. Wichtig sei es, sich dies immer wieder bewusst zu machen, da Urteile gegenüber anderen Menschen sehr schnell gefällt werden würden.

Auch die Wädenswiler Jugendarbeiterin Trendolina Shaqiri und ihre albanische Berufskollegin Alketa Cipi sind sich in ihrem Ranking nicht einig geworden. Sie finden dafür andere Gemeinsamkeiten. Beide schätzen den Austausch sehr und profitieren von den Erfahrungen der Berufskollegin. Auch die Projektkoordinatorin Lea Meister ist mit dem Ablauf zufrieden. «Es konnten schon jetzt viele Verbindungen geschaffen werden», meint sie, das wiederum mache spannende Projektideen für die Zukunft möglich.

Erstellt: 19.09.2019, 16:43 Uhr

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