Oberrieden

Jährlicher Lehrerwechsel verärgert Oberriedner Eltern

Zehn Schüler erleben seit ihrer Einschulung einen konstanten Lehrerwechsel. Seitens der Schule hat man Verständnis für die Sondersituation – etwas daran ändern könne man aus verschiedenen Gründen aber nicht.

Ständiger Lehrerwechsel: Eltern von Viertklässlern im Oberriedner Schulhaus Pünt sind seit längerem höchst unzufrieden.

Ständiger Lehrerwechsel: Eltern von Viertklässlern im Oberriedner Schulhaus Pünt sind seit längerem höchst unzufrieden. Bild: Archiv ZSZ

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Zehn Kinder aus Oberrieden durchleben eine turbulente Schulzeit: Seit ihrer Einschulung in die erste Primarschule haben die heutigen 4. Klässler jedes Jahr eine neue Klassenlehrperson zugeteilt bekommen- Fünf sind es bis jetzt. Da es sich bei der Schulklasse um eine Halbklasse handelt, welche altersdurchmischt mit anderen Halbklassen unterrichtet wird, bedeutete jeder Wechsel auch eine neue Klassenkomposition.

Keinerlei Konstanz

«Das ist unhaltbar» sagt Beat Latanzio, Vater von einer der betroffenen Schülerinnen «In diesem Alter brauchen Kinder Stabilität und nicht einen ständigen Wechsel der Bezugsperson und des Umfelds.» Lange hätte die Elternschaft Verständnis für die Situation gezeigt, meint Latanzio. Seitens der Schulleitung habe es auch immer wieder Zusicherungen gegeben, dass man schaue, dass die Kinder jetzt zumindest für die Zeit der Mittelstufe Konstanz erfahren und bei einer Lehrperson bleiben können.

Dieses Frühjahr aber ereilte die Familien der Kinder ein Schreiben der Schulleitung: die Halbklasse muss auf das neue Schuljahr erneut die Lehrperson wechseln und wird mit einer Halbklasse aus der 3. Primarstufe zusammengetan. Weiter bestehe die Aussicht, dass für die 6. Primar ein weitere Neueinteilung ansteht. In verschiedenen Gesprächen mit der Schulleitung und-pflege versuchte die Elternschaft alternative Lösungen zu finden. Doch am Entscheid hat sich nichts geändert. «Mir ist durchaus bewusst, dass die Klassenzusammensetzung kein Wunschkonzert ist», sagt Latanzio. «Aber so viele Wechsel, die immer die selbe Klasse betreffen, können nicht normal sein.»

Hauptsache nicht getrennt

Von Seiten der Schule herrscht Verständnis für den Unmut der Eltern: «Diese Halbklasse erlebt tatsächlich eine Sondersituation», sagt Verena Reichmuth, Präsidentin der Schulpflege. Die vielen Wechsel seien nicht so geplant gewesen, sondern unter anderem auch Resultat natürlicher Fluktuation von Lehrpersonen und schulorganisatorischen Gründen. «Dass die Kinder lieber in der gewohnten Zusammensetzung und bei der jetzigen Lehrperson bleiben möchten, ist nachvollziehbar», sagt Reichmuth. Entscheidungen müssten allerdings mit Blick auf die ganze Schule getroffen werden und die gewählte Lösung sei die am besten verträgliche für alle.

«So viele Wechsel, die immer die selbe Klasse betreffen, können nicht normal sein.»Beat Latanzio, Vater von einer der betroffenen Schülerinnen

Die Erfahrung würde aber zeigen, dass sich Kinder in der Regel recht schnell an neue Situationen gewöhnen und damit umgehen können, sagt Verena Reichmuth. Ihr sei es vor allem wichtig, dass die zehn Schulkinder nicht voneinander getrennt werden, was auch immer ein grosses Anliegen der Eltern war. Auch bekommen die Mädchen und Buben jetzt eine Lehrperson , die sie bereits in der dritten Primar unterrichtet hatte und kommen mit einer ebenfalls aus dieser Zeit ihnen bekannten Kindergruppe zusammen.

Antrag abgelehnt

Ein weiterer Grund für die wechselnden Klassenkonstellationen und Lehrer sei die Entstehung von Halbklassen, je nach Schülerzahl pro Jahrgang. Dies sei kein Weg, den Oberrieden absichtlich verfolge, sondern der sich manchmal unausweichlich ergebe. «Aufgrund stark schwankender Schülerzahlen und tiefem Sozialindex kann die Klassenplanung mit den zugeteilten Personalressourcen nicht immer wunschgemäss erfolgen. Halbklassen müssen zusammengefasst und somit altersdurchmischt unterrichtet werden», sagt Reichmuth. Denn es sind nicht die Gemeinden, welche die Lehrerstellenprozente bewilligen, sondern das kantonale Volksschulamt (VSA). Aufgrund der speziellen Situation der betroffenen Halbklasse habe die Schule Oberrieden dort für das Schuljahr 2019/2020 den Antrag gestellt, dass zwei der Halbklassen separat unterrichtet werden können. Dieser sei vom VSA aber abgelehnt worden, erzählt Reichmuth.

Nach Gesetz gehandelt

Philippe Dietiker, der stellvertretende Amtschef des VSA erklärt diesen Entscheid folgendermassen: «Das Volksschulamt muss sich bei der Zuteilung der Lehrerstellen an die gesetzlichen Vorgaben halten und alle Gemeinden im Kanton gleich behandeln. Sonderlösungen sind deshalb nur sehr beschränkt möglich; gesetzlich nicht vorgesehene zusätzliche Vollzeitstellen können nicht bewilligt werden.» Zu Einzelfällen gebe das VSA keine Auskunft.

Als Einflussfaktoren auf die Stellenplanung und Klassenbildung nennt Dietiker vor allem zwei Faktoren: die Grösse einer Gemeinde und ihre geografische Struktur. Oberrieden habe ausserdem zusätzliche Stellenprozente für die Primarstufe erhalten, allerdings nicht so viele, wie sie beantragt hat.

Kinder erleben wieder Wechsel

Für die zehn Schülerinnen und Schüler aus Oberrieden heisst es auf jeden Fall im Juli, wenn das Schuljahr zu Ende geht, Abschied nehmen von Lehrerin und Kameraden aus der anderen Halbklasse. Die Eltern haben darauf verzichtet, einen Rekurs gegen den Einteilung der Klasse einzureichen. «Wir fühlen uns machtlos und glauben nicht, dass dieser Rekurs etwas an der Situation ändern würde», sagt Beat Latanzio. Die Eltern würden ihre Kinder zuhause mit zusätzlicher Förderung auffangen. «Was uns- und ich spreche für alle Eltern dieser Halbklasse- aber nach wie vor wundert, ist, dass man diese Situation nicht mit einer geeigneten Planung hat auffangen können.»

Erstellt: 07.06.2019, 15:00 Uhr

Eine Formel berechnet die Lehrpersonen

Die Berechnung der Lehrpersonen, die einer Schulgemeinde gesprochen werden, funktioniert über eine gesetzlich festgelegte Formel. Neben der Schülerzahl ist einer der Faktoren, der die Vollzeiteinheiten ergibt, der Sozialindex. Dieser setzt sich zusammen aus der Ausländer-, Sozialhilfe- und Einkommensquote und reicht von 100 bis 120.Je näher bei 120 der Sozialindex liegt, desto grösser der erwartete Arbeitsaufwand, desto mehr Lehrpersonal wird einer Schule zugesprochen: der kantonale Durchschnitt liegt bei 112.6, Spitzenreiter ist Zürich-Schwamendingen mit 120.0. Der Wert von Oberrieden hingegen liegt bei 103.1.Geht es Oberrieden alsozu gut, als dass ihnen das Lehrpersonal zur Verfügung gestellt wird, das sie brauchen?

Arme reiche Gemeinden

Oberrieden ist keine Ausnahme, dieses Problem kennen tatsächlich einige der finanziell gut gestellten Seegemeinden. Herrliberg hat einen Sozialindex von 102.0, Zumikon 102.4, Kilchberg-Rüschlikon kommen für die gemeinsame Sekundarschule auf 102.6. Auch Thomas Isler, Schulleiter aus Erlenbach kennt die Situation- Seine Gemeinde weist mit 101.5 den tiefsten Sozialindex in den Bezirken Meilen und Horgen auf. Und auch seine Gemeinde hat mit wechselnden Schülerzahlen zu kämpfen. Thomas Isler erlebt es auch immer wieder, dass Stellenprozente nicht bewilligt werden. Seine Lösung: tendenziell grössere und auch immer mal wieder altersdurchmischte Klassen bilden. «Es ist sicher gut, dass es ein Amt gibt, das die Verteilung kontrolliert und der Sozialindex hat ganz klar seine Berechtigung», sagt Isler. Der Index würde aber längst nichtsämtliche Fälle in der Praxis auffangen. «Nur weil eine Gemeinde viele deutschsprachige Kinder aus gut situierten Familien hat, heisst das noch lange nicht, dass sich in solchen Klassen keine Probleme anderer Art ergeben.» Der Schulleiter plädiert hier für mehr Autonomie zugunsten der Schulgemeinden, was die Planung ihrer Stellenprozente anbelangt. Was Isler aber auch festhält, ist, dass Wechsel bei den Lehrpersonen viel öfter vorkommen: «Dass die Menschen häufiger längere Auszeiten nehmen oder ihren Job wechseln, als früher, ist ein bereichsübergreifendes Phänomen, das auch bei den Lehrpersonen Einzug gehalten hat.»

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