Jagd

Jäger schütteln den Kopf wegen Wildhüter-Initiative

Die Initiative «Wildhüter statt Jäger» fordert ein professionelles Wildtier-Management anstatt Milizjäger. Die hiesigen Jäger finden die Idee unausgegoren, stellen sich aber auf einen emotionalen Abstimmungskampf ein.

Fühlen sich den Wildtieren in ihrem Revier verpflichtet: hiesige Jäger unterwegs im Hirzel.

Fühlen sich den Wildtieren in ihrem Revier verpflichtet: hiesige Jäger unterwegs im Hirzel. Bild: Archiv Manuela Matt

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Milizjagd wird wieder einmal zum politischen Thema. Die Initiative «Wildhüter statt Jäger» will, dass im Kanton Zürich vom Staat angestellte Wildhüter die Aufgaben der Jäger übernehmen. Lanciert haben die Initiative unter anderem drei Vorstandsmitglieder der Tierpartei Schweiz (TPS). Einer der acht Mitunterzeichnenden ist Andreas Kriesi aus Wädenswil. Er hat letztes Jahr von der GLP zur TPS gewechselt, 2015 hatte er für die Junge GLP für den Nationalrat kandidiert.

Mit der Initiative will die Partei das Leid der Wildtiere im Kanton Zürich begrenzen. Kriesi sagt: «Für die Jäger ist die Jagd ein Hobby. Die Treffsicherheit ist sicher nicht in jedem Fall gewährleistet.» Weiter haben Kriesi und seine Mitstreiter den Eindruck, dass die Jäger die Wildtier-Bestände künstlich hoch halten, damit sie ihren Sport ausüben können. «Professionell ausgebildete Wildhüter werden das Regulieren der Bestände sachlicher angehen», ist Kriesi überzeugt.

Jagd als letzte Massnahme

Das primäre Ziel der Initiative ist aber die natürliche Bestandsregulierung. «Der Abschuss wäre die allerletzte Massnahme», sagt Kriesi. In die Pflicht will die Initiative den Staat doppelt nehmen: Er soll nicht nur die Wildhüter anstellen, sondern auch für die Schäden durch Wildtiere – etwa Wildschweine – haften.

Dass dieser Systemwechsel von der Milizjagd zu einem «professionellen Wildtier-Management», wie es im Initiativtext heisst, nicht ohne zusätzliche Kosten zu haben ist, ist dem Mitinitianten klar. «Es ist die Frage, wie viel den Stimmbürgern ein Systemwechsel wert ist», sagt Kriesi, der überzeugt ist, dass der Wechsel nicht nur Mehrkosten, sondern auch einen Mehrwert generieren würde. «Wenn Fachkräfte dafür sorgen, dass die Natur im Gleichgewicht ist, dann ist das, wie wenn man einen Fluss renaturiert.»

150 bis 200 Wildhüter

Ulrich von Rickenbach, Jagdaufseher in Adliswil, Kilchberg und Rüschlikon, beurteilt die Initiative skeptisch. «Sie ist nicht ausgegoren.» Er führt diverse Zahlen an: Im Kanton Zürich seien heute 1300 bis 1400 Jäger für die Hege und Pflege der Wildtiere zuständig, allein im Sihltal deren 14. Dies 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. «Allein letzten Sonntag bin ich dreimal ausgerückt, um tote Greifvögel einzusammeln.» Von Rickenbach rechnet damit, dass der Kanton 150 bis 200 Wildhüter anstellen müsste, um die Jäger zu kompensieren.

Sein Kollege Josef Leu, Präsident des Vereins Zürcher Jagdaufsicht und selbst einer von sechs Pächtern der Jagdgesellschaft Hirzel, rechnet bei 150 Wildhütern mit Mehrkosten mehr als 20 Millionen Franken im Jahr. Heute bezahlen die Jäger einen Pachtzins. Und die Jagdgesellschaften, welche die Tiere in ihrem Revier kennen, haften für allfällige Schäden. In der Zimmerbergregion gehen diese beispielsweise aufs Konto von Dachsen und Krähen.

Zur Selbstregulierung, wie sie den Initianten vorschwebt, sagt Leu, dass sie schon vor 100 Jahren nicht mehr funktioniert hätte. «Zu lange schon haben unsere Vorfahren in das Ökosystem eingegriffen.

Ferner befürchten sowohl Leu als auch von Rickenbach, dass bei einem Systemwechsel viele Arbeiten nicht mehr gemacht würden. «Die Jagd macht knapp 5 Prozent unserer Arbeit aus», sagt von Rickenbach. «Wir kennen unsere Reviere und treffen eine Auslese. Ich weiss nicht, wie ein von auswärts kommender Wildhüter die kranken Tiere finden würde», sagt er.

«Teurer und ineffizient»

Der Verein Jagd Zürich hat noch keine offizielle Stellungnahme herausgegeben. Präsident Christian Jaques sagt: «Bis die Initiative ernsthaft zum Thema wird, dauert es etwa ein Jahr.» Haben doch die Initianten nun erst einmal 6 Monate Zeit, die nötigen 6000 Unterschriften zu sammeln. Jaques sagt aber auch: «Wenn die Initiative kommt, werden wir uns mit allen Mitteln dagegen wehren. Denn ein Systemwechsel wäre wesentlich teurer, aber ineffizient.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 27.01.2017, 15:27 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Die Zürichsee Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat. Jetzt abonnieren!