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Islamischer Verein öffnet seine Türen

Die SVP Wädenswil forderte den Stadtrat auf, den Türkisch-Islamischen Kulturverein zu überprüfen. Der Stadtrat lehnte ab. Nun veranstaltete der Verein einen Tag der offenen Tür.

CVP-Gemeinderat Volkan Dogu (Mitte) beantwortet am Tag der offenen Tür des Türkisch-Islamischen Kulturvereins die Fragen der Besuchenden, rechts der Imam Ahmet Sinan Kara.
CVP-Gemeinderat Volkan Dogu (Mitte) beantwortet am Tag der offenen Tür des Türkisch-Islamischen Kulturvereins die Fragen der Besuchenden, rechts der Imam Ahmet Sinan Kara.
Sabine Rock

Mit Tee und Gebäck empfingen Mitgliederinnen und Mitglieder des Türkisch-Islamischen Kulturvereins Wädenswil ihre Besucher am Samstagnachmittag, dem Tag der offenen Tür. Und diese trafen zahlreich ein. Pünktlich um 14 Uhr stand etwa der SVP-Gemeinderat André Zürrer auf der Türschwelle zur Moschee. Es folgten weitere: Die Gemeinderätinnen Charlotte Baer (SVP), Judith Fürst (SP) und Edith Brunner (SP), Gemeinderat Hansjörg Schmid (SP) und Stadtpräsident Philipp Kutter (CVP).

Zeichen der Transparenz

Obwohl der Kulturverein ohnehin regelmässig Tage der offenen Tür veranstaltet, war dieser einem konkreten Anlass geschuldet. Im November des letzten Jahres hatte die SVP-Fraktion des Gemeinderates in einer schriftlichen Anfrage an den Stadtrat diesen aufgefordert, den Türkisch-Islamischen Kulturverein zu überprüfen, unter anderem bezüglich der Bemühungen zur Verhinderung von Radikalisierung. Im Februar erfolgte die Antwort des Stadtrates. Der Verein werde nicht überprüft, da er gegenüber den Behörden zu keiner verbindlichen Rechenschaft verpflichtet sei und seit seiner Gründung 1976 nie negativ aufgefallen sei – im Gegenteil. Er arbeite in Sachen Präventionsmassnahmen der Radikalisierung eng mit der Kantonspolizei zusammen und engagiere sich in der Jugendarbeit. Trotz der unterstützenden Worte des Stadtrates will der Türkisch-Islamische Kulturverein seine Transparenz erneut unter Beweis stellen. «Die Leute waren schon immer vorsichtig gegenüber unserem Verein», sagte der Vizepräsident des Vereins und CVP-Gemeinderat Volkan Dogu, «aber mittlerweile haben viele sogar Angst.»

Führung durch Moschee

Dogu führte die Gäste durch die Moschee, welche zwei Stockwerke einnimmt. Im Gebetsraum ging man zuerst auf die wenig brisanten Themen ein: Ob die Moschee tatsächlich nach Mekka ausgerichtet sei, wollte André Zürrer (SVP) wissen. Bejahung. Und wieviele Mitglieder der Verein zähle. «75 Familien», antwortete der Präsident Ekrem Çaliskan. Dogu erklärte, dass das Freitagsgebet in der Moschee für jeden muslimischen Mann eine Pflicht sei, es den Frauen aber offenstehe, teilzunehmen oder nicht. Das Gebet erfolge geschlechtergetrennt. Im zweiten Stock befindet sich nebst einem Aufenthaltsraum ein Spielzimmer, wo Kinder einmal wöchentlich Arabisch lernen. Die Betreuung hat Arzu Kutsiye Kara, die Ehefrau des Imam Ahmet Sinan Kara, inne. Weil alle muslimischen Gebete in der arabischen Sprache gesprochen würden, müsse ein Muslim diese zumindest ansatzweise beherrschen, erklärte Dogu.

Lokale Islamophobie

Lebendig wurde die Diskussion, als die Thematik der Islamophobie aufkam. Mittlerweile waren auch die Gemeinderäte Christian Nufer (FDP), Angelo Minutella (GLP), Roy Schärer (SVP) und Michael Weiss (GLP), die Gemeinderätinnen Rita Hug (GP) und Gabi Bachmann (EVP), Stadtrat Jonas Erni (SP) und Gemeindepräsidentin Monika Greter (CVP) dazu gestossen. Ein Mitglied des Kulturvereins erzählte, dass seine Ehefrau in Wädenswil mehrmals wöchentlich mitten auf der Strasse beschimpft werde. Sie sei bestens integriert, unterscheide sich nur durch das Tragen eines Kopftuchs. Dass Hass gegenüber Muslimen in der eigenen Stadt vorkommt, schien einige Behördenmitglieder zu schockieren. Auch die Rolle der Medien wurde diskutiert, welche oft ein verzerrtes Bild des Islam abliefern, wie sich Vereins- und Behördenmitglieder einig waren. Dem Kulturverein gelang es, durch Transparenz und Fachwissen einen gewinnbringenden, rund zweistündigen Austausch zu gestalten. «Man muss nicht auf einen Tag der offenen Tür warten, um uns zu besuchen», sagte Volkan Dogu abschliessend – wohl an die Abwesenden gerichtet, welche die Anfrage eingereicht hatten und nun doch nicht erschienen waren.

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