Wädenswil

Sie bringt die Wädenswiler ins Schwitzen

In Wädenswil wurde die erste Crossfit-Halle eröffnet. Wichtiger als die sportliche Leistung ist für Mitgründerin Marlene Waldvogel ein kameradschaftlicher Umgang.

Wenn sie nicht gerade eine Klasse coacht, stählt Marlene Waldvogel ihre eigenen Muskeln. Sie ist fast täglich in der Crossfit-Box anzutreffen.

Wenn sie nicht gerade eine Klasse coacht, stählt Marlene Waldvogel ihre eigenen Muskeln. Sie ist fast täglich in der Crossfit-Box anzutreffen. Bild: Manuela Matt

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Das Gewicht der Kurzhantel drückt die Sportler in den mit schwarzen Gummimatten ausgelegten Boden. Das Ziel der Übung ist es, die Hantel einhändig in die Luft zu recken und so aufzustehen. Schon nach wenigen Wiederholungen verzerren sich die Gesichter vor Anstrengung. Während sich acht Sportler, schätzungsweise zwischen 20 und 40 Jahre alt, abrackern, stehen ihnen zwei Frauen in Leggings und ärmellosen Shirts für Anweisungen und Ansporn zur Seite. Auf ihren Rücken prangt die Aufschrift «Coach». Die eine Trainerin, Lorena Pergola, leitet die Crossfit-Klasse, ein einstündiges Training in der Gruppe. Die andere, Marlene Waldvogel, hat an diesem Abend keine Stunde zu geben, ist aber fast täglich hier anzutreffen.

Drei Mal wöchentlich coacht die 32-jährige Kauffrau Waldvogel aus dem Glarnerland nebst ihrem 100-Prozent-Job, ansonsten arbeitet sie an der eigenen Fitness. Crossfit, die Sportart ihrer Wahl, stammt aus den USA und verknüpft Kraft- mit Ausdauertraining und Gymnastik. Waldvogel hat schon an internationalen Wettkämpfen teilgenommen, etwa im Team mit Pergola, und platzierte sich im letzten Jahr bei den Schweizer Frauen unter den besten fünf.

Noch wenige Hausfrauen

Die Crossfit-Halle, man nennt sie im Jargon eine «Box», liegt im Wädenswiler Industriegebiet in der Nähe der Autobahn. Seit etwas mehr als einem Monat ist die Box unter dem Namen «Crossfit Wädenswil» in Betrieb. «Ich spielte lange mit dem Gedanken, eine eigene Box zu eröffnen», sagt Waldvogel. Sie war in Bali in den Ferien, als sie dort auf einen Bekannten aus der Schweiz traf, der ihr von einer leerstehenden Halle in Wädenswil erzählte. Zurück in der Heimat packte sie zusammen mit den Crossfit-Athleten Dominique Bellabarba, Lorena Pergola und Ciril Bühlmann die Gelegenheit beim Schopf.

«Hausfrauen und Senioren haben wir noch nicht so viele in unserem Kundenkreis.»Marlene Waldvogel

Die Klasse um sechs Uhr morgens sei jeweils gut besucht, bei derjenigen um neun Uhr gebe es noch Potenzial, sagt Waldvogel. «Hausfrauen und Senioren haben wir noch nicht so viele in unserem Kundenkreis.» Waldvogel meint das nicht ironisch, denn laut ihrer Devise ist Crossfit eine Sportart für alle. «Unser jüngstes Mitglied ist 14 Jahre alt, das älteste um die 60», sagt sie. Anfänger trainieren mit Fortgeschrittenen. Dies lässt sich bewerkstelligen, indem sich alle Übungen auf das Niveau der Ausführenden abstimmen lassen. «Wenn jemand keinen Klimmzug schafft, kann man beispielsweise mit einem elastischen Band nachhelfen», sagt Waldvogel. Gewichte sind variierbar und für die Übung «Wall Ball», bei der es darum geht, einen gewichteten Lederball aus einer Kniebeuge heraus in die Höhe zu werfen und aufzufangen, sind zwei Markierungen an der Wand angebracht: etwas tiefer liegend diejenige für Frauen.

Zusammenhalt wichtig

Die Stunde ist zu Ende. An der Bar lassen sich die tropfenden Sportler von Coach Pergola Proteinshakes einschenken. Die nächste Gruppe macht sich warm. Auch ein Herr jenseits der Lebensmitte gesellt sich dazu. Während des Trainings korrigiert ihn Pergola: die Fussplatzierung stimmt nicht, und die Kniebeugen führt er nicht korrekt aus. Er macht fortan nur noch die halbe Bewegung, hält bei der Anzahl Wiederholungen aber mit, welche der Trainingsplan auf den Bildschirmen an der Wand vorgibt. «Die Verletzungsgefahr beim Crossfit ist gering», sagt Waldvogel. Einzig zu häufiges Trainieren oder zu schwere Gewichte seien zu vermeiden. «Einige Kunden müssen wir ermahnen, einen Gang herunterzuschalten.»

Marlene Waldvogel will noch lange Crossfit betreiben, am liebsten bis ins hohe Alter. Nachdem sie sich im Kunstturnen und Fussball bewiesen hat, scheint sie vor drei Jahren ihre Passion gefunden zu haben. Wichtiger als die sportliche Leistung ist ihr aber der kameradschaftliche Umgang in der Crossfit-Gemeinschaft. Sie verwendet das Wort Familie. Dennoch: Weil sie sich an diesem Abend kaum sportlich betätigt, sondern dem Journalisten Rede und Antwort gestanden hat, wird sie sich zuhause noch auf dem stationären Velo quälen.

Erstellt: 07.10.2019, 15:07 Uhr

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